Bürgermeister bleiben

Schleudergefahr: Das Amt des Bürgermeisters ist heutzutage keine sichere „Straße“ mehr. Wer die Haftung zu den Bürgern oder den eigenen, klaren Zielen verliert, riskiert nicht wiedergewählt zu werden. - Foto: Wylezich/Adobe Stock

Wer an der Spitze eines Rathauses steht und seinen Posten behalten will, muss zu Selbstreflexion und Selbstkritik fähig sein. Denn häufig liegt die missglückte Bewerbung um eine weitere Amtszeit im eigenen Verhalten begründet. Hieran aber lässt sich arbeiten. Steuern Sie also rechtzeitig um.

Noch bis vor einigen Jahren konnte ein Bürgermeister davon ausgehen, mit über 90-prozentiger Sicherheit wiedergewählt zu werden. Diese Sicherheit gibt es heute nicht mehr. Möglicherweise kennen Sie selbst Beispiele aus Ihrem politischen Umfeld. Überraschende Niederlagen nehmen zu und treffen Bürgermeister aller politischen Ausrichtungen. Wie ist das zu erklären?

Viele von Ihnen entwickeln Routinen, bevorzugen Komfortzonen, verlieren möglicherweise den Überblick, sind häufig mit den gleichen Menschen zusammen, vernachlässigen wichtige Gruppen oder Multiplikatoren. Sie erkennen Entwicklungen, neue Möglichkeiten oder sich abzeichnende Gefahren und Fehlentwicklungen nicht, wissen nicht, wie sie selbst gesehen werden, was man über sie spricht, wie zufrieden oder unzufrieden die Wählerschaft mit Ihrer Arbeit ist.

Auch ist es möglich, dass sich das eigene Verhalten verändert hat. Manche Bürgermeister werden mit den Jahren arrogant, unduldsam, rechthaberisch, gehen auf Distanz zu den Menschen, fühlen sich unersetzlich, sind ausgebrannt und ideenlos oder vom Alkohol abhängig.

Außerdem wandelt sich das soziale Umfeld. Viele Menschen sind unsicher geworden im Blick auf die Zukunft. Angst und Apathie nehmen zu, aber auch die Aggression. Politik verliert an Zustimmung und Vertrauen, das demokratische System wird in Frage gestellt.

Aus der eigenen Sicht des Bürgermeisters ist die Arbeit schwieriger geworden. Die Komplexität wächst, der Druck steigt, immer neue Veränderungen kommen auf die Verwaltung zu, Ratsmehrheiten sind weniger stabil. Zudem sind die Finanzen begrenzt, die Forderungen der Bürger dagegen oft nicht.

Trotzdem lieben die meisten Bürgermeister, Oberbürgermeister, Landräte, ob Männer oder Frauen, ihren Beruf und wollen ihn behalten. Deshalb sollten Amtsinhabern sich durch kritische Selbstreflexion einen frischen Blick auf die eigene Gemeinde und auf sich selbst verschaffen.

Achim Moeller / Gwendolin Jungblut

Die Autoren
Achim Moeller und Gwendolin Jungblut sind Inhaber der Firma „The LeaderShip – Agentur für Wahlen Führung Strategie“. Sie beraten Kandidaten, Fraktionen und politische sowie außerpolitische Organisationen

Info: In ihrem Ratgeber „Wahlen gewinnen“ vermitteln die Autoren Achim Moeller und Gwendolin Jungblut ihre Erfahrungen aus Hunderten von Wahlkämpfen. Ihr Motto ist: „Wissen, was wirkt. Zeigen, wie’s geht“.

Info: Der „Bürgermeister-Check“ von Achim Moeller und Gwendolin Jungblut enthält 65 Hinweise mit Blick auf die Stadt und die persönlich-politischen Perspektiven. Themen des Checks sind unter anderem: „Ihr Leitbild und Ihre Strategie“, „Worum geht es wirklich?“, „Werden Sie so gesehen wie Sie gesehen werden wollen?“, „Wichtige Akteure und Multiplikatoren“, „Führungsstil und Entwicklungsbedarf“, „Wo gibt es weiße Flecken; was haben Sie vernachlässigt?“ Der Leitfaden will Amtsinhabern helfen zu erkennen, ob es notwendig ist, im einen der anderen Bereich umzusteuern. Wenn ja, sollte dies im Idealfall 24 Monate vor der Wiederwahl geschehen. Der Check ermöglicht, eine Art Vorwahlkampf-Strategie zu entwickeln. Den Bürgermeister-Check erhalten Sie kostenlos, wenn Sie Ihre Anschrift an achim.moeller@theleadership.de schicken.