Beleuchtungskonzepte sollen sowohl auf historische Gebäude als auch auf historische Lampen Rücksicht nehmen. Dazu kommen weitere Herausforderungen: Strom sparen und die Umwelt schützen. Was geht und auch gefördert wird, erläutert Ursula Schirmer aus Sicht des Denkmalschutzes.

Mit der Entwicklung der Glühlampe zur technischen Reife von Thomas Alva Edison begann 1879 das Zeitalter der elektrischen Beleuchtung der Städte. Elektrisches Licht wurde konstant und jederzeit verfügbar. Damit wurde es möglich, die Nacht zum Tag zu machen.
Das Leben und die Arbeit der Menschen erfuhren einen grundlegenden Wandel, sowohl durch elektrische Beleuchtung als auch ab 1885 dank der Erfindung des Glühstrumpfs durch Gasbeleuchtung. Von der Bestimmung des Tagesrhythmus durch das natürliche Tageslicht war man weitgehend befreit.
Die Sichtbarkeit großer Städte und Regionen durch ihre Leuchtkraft selbst aus dem Weltall macht diese bis heute nicht endende Entwicklung deutlich. Heute stehen im privaten wie im öffentlichen Bereich die unterschiedlichsten elektrischen Systeme zur Beleuchtung zur Verfügung. Die drängenden Fragen eines nachhaltigen Umgangs mit Energie führten bereits vielerorts nach der ersten Energiekrise zum Überdenken des unkontrollierten Einsatzes von elektrischem Licht.
Die Entwicklung von Beleuchtungskonzepten zur Kostenreduzierung treibt seither viele Kommunen um. Dabei geht es nicht nur um die Umstellung auf energieeffiziente LEDs, sondern auch um nachhaltige Energiekonzepte für die Quartiere oder die gesamten Kommunen.
Die Besonderheit der Gaslaternen
Teilweise geraten auch historische Beleuchtungskörper in den Fokus des Umbaus zur LED-gestützten Beleuchtung. So stehen etwa die Gaslaternen des 19. Jahrhunderts als authentische Zeugnisse dieser technischen Entwicklungen als eigenständige Denkmale unter Schutz. Durch den Austausch des Leuchtkörpers gehen ein wesentlicher Teil des technischen Denkmals und das Fachwissen aus ihrer Wartung verloren. Entsprechend kämpfen Bürgerinitiativen bis heute um den Erhalt dieser besonderen Beleuchtung ihrer Stadt.
Das Beispiel der Gaslaternen macht deutlich, dass beim Ziel einer nachhaltigen Beleuchtung eine Vielzahl verschiedener Aspekte schon in der Analysephase berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören bei der fairen Abwägung von Nachhaltigkeit nicht nur der aktuelle Stromverbrauch, sondern auch die Einrechnung von Umstellungs-, Wartungs- und Entsorgungskosten.
Denkmale richtig beleuchten
Denkmale haben durchweg eine lange Lebensdauer. Ihre Materialien und deren Verarbeitung zeichnen sich durch Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Resilienz aus. Dadurch sind Denkmale oft per se nachhaltig. Regionale Baumaterialien mit geringen Transportkosten führen in Verbindung mit der langen Lebensdauer und gespeicherten grauen Energie immer zu einem besseren Abschneiden gegenüber Abriss und Neubau.
Alte Gebäude entsprechen vielfach bereits den Ansprüchen moderner Lowtech-Bauten. Der Einbau wartungsaufwendiger oder schnell überholter Technik in langlebige Bauten ist nicht nur teuer, sondern führt zu unnötigen Eingriffen in historische Substanz. Hier gilt es, substanzschonende und denkmalgerechte Lösungen zu finden.
Neben der Klärung technischer Überlegungen ist es erforderlich, ein Beleuchtungskonzept mit allen Bedarfsgruppen und unter Nutzung aller verfügbaren Fachkompetenz abzustimmen. Alle Betroffenen, insbesondere die Anwohner, sollten in den Prozess eingebunden werden.
Das Besondere in Szene setzen
Denkmale durch intelligente Beleuchtung besonders in Szene zu setzen, sollte genau das tun: einzelne Bauten punktuell so anstrahlen, dass ihre Besonderheiten augenfällig werden. Entsprechend der Individualität der Denkmale sollten objektspezifische Lösungen gefunden werden.
Reduzierte Lichtstärke und Farbe von Flutern sind durchweg wirkungsvoller als große helle Strahler. Eine gezielte Lichtlenkung vermeidet Lichtstreuung und Abstrahlung in den Himmel, warmweißes Licht passt eher als weißes Licht mit hohem Blauanteil. Schon die Auswahl der Leuchten und ihrer Befestigungsorte trägt zum Gesamteindruck bei.
Klug überlegte, dezente und individuell erarbeitete Beleuchtungskonzepte erleichtern darüber hinaus auch die Abstimmung mit dem Naturschutz. Wo gibt es besondere Nistplätze oder Einflugschneisen für Fledermäuse oder Zugvögel, die beachtet werden müssen? Nachtaktive Tiere werden durch künstliches Licht gestört oder desorientiert. Darauf kann man Rücksicht nehmen, wenn die Standorte der Lampen und ihre Ausrichtung festgelegt werden.
Eine gelungene Beleuchtung in historischen Altstädten kann als Masterplan Licht ein wichtiger Teil eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) und damit förderfähig sein.
PV-Anlagen besser abseits planen
Wie sich vielfach kleinteilige Dächer von Denkmalen nicht als Gamechanger bei der kommunalen Wärmeplanung herausstellen, eignen sie sich auch nicht für effiziente Stromlösungen. Zentrale PV-Anlagen an Orten, wo größere Flächen genutzt werden können und diese möglichst nicht einsehbar sind – zum Beispiel auf modernen Flachdächern, auf Siedlungsbauten, Garagen oder Industriebauten – sollten pragmatisch als dienende Versorgungsanlagen, nicht selbstdarstellend errichtet werden.
Beleuchtung umfassend denken
Förderprogramme wie „Lebendige Zentren“ unterstützen Maßnahmen zur Verbesserung der städtebaulichen Qualität, die auch die Beleuchtung umfasst. Die Einbindung der Bewohner, die Abstimmung mit allen Bedarfsgruppen und gute fachliche Beratung sind kluge Vorarbeiten.
Welche Rolle die Anwohner spielen
Gerade in historischen Altstädten und im Umgang mit denkmalgeschützten Bauten geht es nicht nur um die reine Versorgung mit Licht, sondern vielfach – auch aus touristischen Gründen – um die besondere Inszenierung von Quartieren. Wichtig ist dabei auch die Rolle, die Beleuchtung von innen spielt. Dieser besondere Beitrag zur Beleuchtung ihrer Quartiere wird automatisch von den Bewohnenden der Altstädte zugeliefert – was den Bemühungen gegen Leerstand oder reine Büronutzungen zusätzliche Bedeutung gibt.
Ursula Schirmer
Wie Städte leuchten
- Fulda hat das Thema Lichtverschmutzung besonders im Blick und wurde die erste deutsche „Sternenstadt“.
- Freiburg agiert unter anderem mit Sensoren im öffentlichen Raum.
- Mainz punktet mit einem umfassenden Lichtkonzept.



