Mülleimer sind nicht abgedeckt, Picknickreste werden im Park zurückgelassen – und schon sind die ungebetenen Gäste da, die sich in Abwasserrohren gern aufhalten. Höhere Temperaturen und veränderte Lebensräume kommen ihnen zudem gerade recht. Umso wichtiger sind konsequente Reaktionen.

Veränderte Umweltbedingungen wie milde Winter und häufige Starkregenereignisse sorgen dafür, dass sich die Lebensbedingungen aus Rattensicht deutlich verbessern. Mit den steigenden Temperaturen steigt auch die Überlebensrate der Tiere. Zudem verlängern sich die Fortpflanzungszeiten, sodass sich Rattenpopulationen übers Jahr gesehen noch länger und damit schneller ausbreiten.
Wie die letzten Hitzewellen einmal mehr vor Augen geführt haben, müssen sich Lebewesen an neue Situationen und Umweltbedingungen anpassen. Je schneller das gelingt, desto besser sind die Überlebenschancen – Ratten können das so gut wie kaum eine andere Tierart.
Warum die Rattenbekämpfung unter neuen Vorzeichen steht
Wegen der sich häufenden Starkregenfälle und der damit verbundenen Überflutungen kommen Ratten außerdem häufiger aus der Kanalisation an die Oberfläche. So kommt es zu mehr Sichtungen in oberirdischen Bereichen – in Wohngegenden wie auch in Industriegebieten. Wo sich die Nester befinden, lässt sich mit klassischen Rattenbekämpfungsmethoden allerdings nur schwer nachvollziehen. Umso wichtiger ist es, dass die Schadnager im Kanal wie auch oberirdisch bekämpft werden.
Der Klimawandel und seine Folgen stellen Städte und Gemeinden somit vor neue Herausforderungen bei der Rattenbekämpfung. Hinzu kommt, dass seit dem 1. Juli neue Vorschriften beim Einsatz von Rodentiziden gelten. Im Kanal sowie in Wassernähe sind Köderschutzboxen seitdem Pflicht, wenn Giftköder verwendet werden. Zudem dürfen Rodentizide nur noch bei konkretem Befall eingesetzt werden. Präventive Maßnahmen wie die Dauerbeköderung mit Gift sind ausdrücklich untersagt.
Worauf man jetzt achten muss
Mit den sich ändernden Umweltbedingungen sowie den neusten Vorschriften ändern sich auch die Anforderungen an die Rattenbekämpfung. Ungeschützt und massenweise eingesetzte Giftköder gehören spätestens seit dem 1. Juli der Vergangenheit an. Ohne ein systematisches Ratten-Monitoring lassen sich schnell wachsende Populationen nicht mehr kontrollieren.
Um die Aktivitäten der Schädlinge frühzeitig erkennen und Maßnahmen schnell und gezielt steuern zu können, nutzen immer mehr Kommunen und Betriebe digitale Monitoring-Systeme wie vernetzte Köderschutzboxen. Dabei werden Rattenbesuche über Sensoren in den einzelnen Köderschutzboxen automatisch erfasst und per Funk an das System gemeldet. Über einen WebService lassen sich neue Ratten-Hotspots umgehend vom PC aus erkennen und somit die notwendigen Schritte zur Bekämpfung einleiten – und das im Kanal wie auch oberirdisch.
Gleichzeitig erleichtern digitale Systeme die Dokumentation und reduzieren den Gifteinsatz ebenso wie die Anzahl an notwendigen Kontrollfahrten.
Ähnlich wie Klimaanlagen werden elektronische Lösungen zur Rattenbekämpfung mit dem Klimawandel unverzichtbar. Denn wärmeres Wetter sowie veränderte Lebensbedingungen und -räume für Ratten sind keine Ausnahmen von der Regel, sondern die neue Realität.
Tillmann Braun
Der Autor
Tillmann Braun ist Fachjournalist mit Schwerpunkt IT und Digitalisierung aus Haiterbach.




