Der Winterdienst in Marburg hat im vergangenen Jahr seine App um weitere Funktionen erweitert. Wie das Tool die Teams unterstützt und warum das erste Fazit positiv ausfällt, erläutert Sonja Stender für den Dienstleistungsbetrieb der Stadt.

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür, höchste Zeit also, sich über den Winterdienst Gedanken zu machen. Die Stadt Marburg hat seit letztem Jahr einen neuen Helfer – eine App. Der Dienstleistungsbetrieb Marburg (DBM) hat das System der Firma Enera bereits seit vielen Jahren für den Räumdienst auf Straßen und Fahrradwegen im Einsatz. Der Beweggrund dafür war die Notwendigkeit einer rechtssicheren Dokumentation gestreuter Strecken inklusive der Streuzeitpunkte und vorgenommenen Maßnahmen (Räumen und Streuen). Mit diesen Daten kann im Falle eines Unfallschadens nachgewiesen werden, ob ein Versäumnis im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht vorliegt oder nicht.
Im Sommer 2024 wurden die neuen Funktionen und die App vorgestellt, die nun weit über die reine Dokumentation hinausgehen. So konnten zum Beispiel die verschiedenen Winterdienststrecken entsprechend ihrer Priorität auch den Besatzungen der Räumfahrzeuge per Handy zur Verfügung gestellt werden. Der DBM entschied sich daraufhin im Herbst 2024 für die zunächst testweise Einführung der Winterdienst-App.
Funktionsweise der Winterdienst-App
Für die Teams auf den Räumfahrzeugen bietet die App Unterstützung bei der Abarbeitung der Touren. Ein massiver Wintereinbruch bedeutet Stress für alle Beteiligten. Hier den Überblick zu behalten, wird schnell zur Herausforderung. Die App hilft mit einer kartenbasierten Übersicht auf dem Mobiltelefon, in der die anzufahrenden Straßen innerhalb eines Streubezirks farblich hervorgehoben sind.
Wurde eine Straße komplett befahren, ändert sie in der Ansicht ihre Farbe. So wird eine Doppelbefahrung ausgeschlossen, und es werden keine Straßen vergessen – die Besatzungen können problemlos erkennen, ob sie in dem Bezirk alle Straßen bedient haben. Zudem können die Besatzungen auf den Streufahrzeugen unkompliziert und in Echtzeit Störungen auf den Strecken dokumentieren. Parkende Autos oder andere Hindernisse, die ein Passieren des Räumfahrzeugs nicht zulassen, können zur Dokumentation fotografiert und mit einer Ortsmarkierung in der Karte verknüpft werden.
Die Resonanz aus der Belegschaft ist durchweg positiv. Die neue App wird von den Besatzungen der Räumfahrzeuge als extreme Arbeitserleichterung wahrgenommen. Den Tauglichkeitstest auf der Straße hat sie damit bestanden.
Flexiblere Einsatzplanung
Für die Einsatzleitungen bringt die Ausstattung der Fahrzeuge mit digitalen Routenplänen mehr Flexibilität beim Einsatz der Teams. Denn Fahrerinnen und Fahrer können damit bei Bedarf auch ohne vorherige Einweisung in für sie bislang unbekannten Bezirken eingesetzt werden. Zudem stehen nun die Daten zu den Fahrzeugfunktionen (Schieben und Streuen oder nur Streuen) einfacher zur Verfügung, um zum Beispiel in einem Versicherungsfall schnell auf rechtssichere Daten zugreifen zu können. Dies war mit den in der Vergangenheit verwendeten GPS-Trackern weniger komfortabel.
Ein großes Plus für die Einsatzleitungen ist die neu geschaffene Möglichkeit, die aktuellen Positionen aller Fahrzeuge auf dem Monitor einsehen zu können. Bei Anrufen aus der Verkehrsleitzentrale für den öffentlichen Nahverkehr, der Polizei bei örtlichen Verkehrsbeeinträchtigungen oder der Feuerwehr kann nun unkompliziert das Fahrzeug ermittelt werden, das zum Beispiel dem steckengebliebenen Bus am nächsten ist. Verkehrsbehinderungen und Wartezeiten für Fahrgäste können so minimiert werden.
Die Winterdienst-App und der Datenschutz
Das Aufspielen der App auf die Smartphones verlief problemlos. Die Freigabe erfolgte im Anschluss durch Enera. Etwas komplizierter wird es beim Datenschutz, denn die Einsatzleitungen können nun theoretisch dauerhaft die Fahrzeuge in Echtzeit beim Räumen auf dem Monitor beobachten und Daten zum Beispiel zur aktuellen Geschwindigkeit einsehen. Hier mussten Lösungen im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung gefunden werden.
In Marburg wurde vereinbart, dass die Einsatzleitungen die Standorte der Fahrzeuge ausschließlich fallbezogen aufrufen, damit ein Team effektiv für einen schnellen, witterungsbedingt notwendigen Einsatz – zum Beispiel kurzfristiges Räumen von Straßen zu Krankenhäusern oder auf Busstrecken – eingesetzt werden kann. Um sicherzustellen, dass die Übersicht über alle Streufahrzeuge nicht anderweitig genutzt wird, speichert und dokumentiert die App automatisch jeden Zugriff. Der DBM kann die Winterdienst-App aufgrund der Erfahrungen aus dem letzten Winter empfehlen.
Sonja Stender
Die Autorin
Sonja Stender ist beim Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg (DBM) beschäftigt und verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und PR. Neben dem Winterdienst gehören die Straßenreinigung sowie die Straßen- und Kanalunterhaltung zu den Aufgaben des DBM.



