Wenn der Bürger funkt

Surfen in der City: Die Zusammenarbeit mit Freifunkern kann für die Kommune interessant sein, wenn sie den öffentlichen Raum mit WLAN versorgen möchte. Foto: Stockphotopro/Fotolia

Von Freifunk haben viele kommunale Verantwortliche schon gehört. Aber was ist das genau und kann man mit einer „Community“ zusammenarbeiten, um etwa kostenloses WLAN in Fußgängerzonen zu bringen? Dieser Beitrag wirft einen Blick auf die Szene und vermittelt Tipps für den Aufbau von Freifunknetzen.

Freie Kommunikation in digitalen Datennetzen, öffentlich zugänglich, nicht kommerziell, im Besitz der Gemeinschaft und unzensiert das ist die Idee, die hinter dem Gedanken des „Freifunk“ steht. Freifunker sind Initiativen, die Bürger in die Lage versetzen, freien Netzzugang selbst zu machen, auch indem sie einen Teil ihres Internetanschlusses freigeben.

Die Motivation ist die Freude, etwas Sinnvolles zu tun, sowohl für andere als auch mit anderen. Freifunker waren zum Beispiel schnell dabei, bundesweit bisher über 370 Flüchtlingsnotunterkünfte mit Internetzugang zu versorgen.

Freifunker arbeiten dezentral ohne bestimmte Organisationsstrukturen. „Communities“ (www.freifunk.net) mögen für Gemeinden ungewohnt sein, gleichen aber dem Ehrenamt: Projekte funktionieren dann, wenn genügend Freiwillige bereit sind, sie durchzuführen. Das kann sich mit dem Interesse der Gemeinde decken, insbesondere wenn sie bürgerschaftliches Engagement aktivieren möchte, um den öffentlichen Raum in einer Straße oder eine ganze Fußgängerzone mit freiem WLAN zu versorgen. Dazu müssen dann nur genug Bürger zum Mitmachen motiviert werden, sodass alle 50 bis 100 Meter ein Freifunk-Router bereitgestellt wird.

Das klingt ehrgeizig, ist aber möglich. Zumal es auch Landesinitiativen gibt, die Freifunk unterstützen: In Nordrhein-Westfalen hat der Landtag beschlossen, dass öffentliche Flächen für Bürgernetze genutzt werden können und hat erste Fördermittel zur Umsetzung bereitgestellt. In Hamburg ist die Unterstützung ähnlich.

Da Freifunker Spaß an Technik haben, kann man mindestens konkrete Tipps erhalten, wie ein Projekt realisieren werden könnte, das Bürger oder Gemeinden planen. Allerdings bekommt man Freifunker nicht für alles an Bord. Denn unter „frei“ verstehen sie mehr als nur gebührenfrei: Unzensierte Nutzung, ohne um Erlaubnis zu fragen oder mit persönlichen oder personenbeziehbaren Daten zu „bezahlen“, steht im Vordergrund der Freifunkidee. Anmeldeseiten, Inhaltsfilterung und Aufzeichnen von Nutzerdaten werden wenig Anklang finden. Für Fußgängerzonen-WLAN-Projekte, die Kundenstromanalysen oder Werbung ermöglichen sollen, wird man also Freifunker kaum begeistern.

Übrigens: Bei drittfinanzierten kostenlosen WLANs sollten auch Gemeinden hinterfragen, welche Daten ihrer Bürger erhoben und genutzt werden, bevor sie ihren Namen hergeben, damit sich solche Dienste „Stadtnetz“ nennen können.

Freifunker werden zu solchen, indem sie einen Freifunk-Router aufstellen und – wenn sie eine Flatrate haben auch einen Teil ihres Internetanschlusses freigeben. Das Aufbauen eines solchen Routers dauert mit durchschnittlichen Technikkenntnissen und Anleitungen aus der Community einen Abend. Benutzt werden ausgewählte Standard-Router, die es im Handel ab etwa 25 Euro gibt. Outdoor-Geräte sind ab 70 Euro zu haben.

Mitmachen soll auch ohne IT-Studium möglich sein. Deshalb haben die Freifunker eine Software entwickelt, die man auf geeignete Router nur aufspielen muss, damit dieser die komplizierten Dinge größtenteils „von alleine“ beherrscht. Freifunk-Router können sich untereinander direkt verbinden, Geräte ohne eigenen Netzzugang haben dann ebenfalls Internet. Man nennt das Mesh-Netzwerke.

Mit Freifunktechnik kann man also Internetzugänge teilen und die Reichweite von Internetzugängen erhöhen. Den Breitbandausbau ersetzen können die Meshs aktuell nicht. In einem kleinen Dorf ohne „letzte Meile“ können ein schneller Internetzugang, ein Turm und ein paar Router an den Hauswänden für eine preiswerte Selbstbaulösung aber schon ausreichen.

Christian Hammel

Der Autor
Dr. Christian Hammel ist Leiter des Bereichs Technologie & Innovation bei der Technologiestiftung Berlin und funkt seit zwei Jahren frei

Info: wer funkt schon frei?

  • In der Stadt Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) etwa überzeugten Stadt und Verkehrsverein mit Unterstützung der Freifunker Geschäftsinhaber und Anwohner, Freifunk-Router entlang der wichtigsten Innenstadtstraße aufzustellen.

  • Grünstadt (Rheinland-Pfalz) baut mit Hilfe der Freifunker und durch Ansprache der Bürger ein freies WLAN auf.

  • In Kellmünz (Bayern) hängen erste Freifunk-Router am Rathaus. Ein Viertel der Gemeinde kann damit bereits mit freiem WLAN abgedeckt werden.

  • In Berlin haben Bezirke Dachflächen und Kirchengemeinden Kirchtürme zur Verfügung gestellt. Die Freifunker bauten so in Teilen der Innenstadt ein Funknetz auf, mit dem jedermann ungefragt weitere Router verbinden kann.