Wegbereiter der Modernisierung

Franz-Reinhard Habbel: "Die Kommunen werden stärker kollaborieren müssen." Foto: Privat

Franz-Reinhard Habbel ist ein Impuls­geber par excellence. Bestens vernetzt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, zeigt er den Kommunen Entwicklungs­pfade in die digitale Zukunft auf.

Von wegen Routine. Auch nach nun 16 Jahren als Pressesprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) in Berlin ist Franz-Reinhard Habbel noch „fasziniert“ von seiner Aufgabe. „Ich begleite die Kommunen bei ihrem Transformationsprozess vor dem Hintergrund grundlegender Veränderungen durch die Globalisierung und Digitalisierung“, sagt er.

„Begleiter“ ist gewiss nicht verkehrt, wenn damit etwa die Formulierung von politischen Forderungen und die Wiedergabe von Statements der Verbandsspitze zu aktuellen Themen wie Mobilität, Finanzen und Transparenz gemeint sind. Doch Habbel will und macht mehr: „Es ist mir ein Anliegen, dass sich die Lebenswelt der Menschen und die politische Systemwelt nicht zu weit auseinander entwickeln.“ Am Herzen liege ihm auch das Thema Kommunikation. „Alles ist Kommunikation“, stellt er lapidar fest.

In diesem Sinn hat Habbel seinen Aktionsradius seit seinem Amtsantritt 1998 beim DStGB zunehmend ausgeweitet. Er referiert auf Kongressen, wird in Kommissionen berufen, tauscht sich aus mit Vertretern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. So zum Beispiel im IT-Planungsrat von Bund und Ländern, dem er seit 2010 als „Direktor für politische Grundsatzfragen beim Deutschen Städte- und Gemeindebund“ angehört. Im selben Jahr hat er den Innovators Club gegründet. Die Einrichtung dieser „Denkfabrik für Kommunen“ zählt der 64-Jährige zu seinen größten beruflichen Erfolgen.

Wie er all das unter den sprichwörtlich einen Hut kriegt? „Es macht einfach Spaß, sich selbst Aufgaben zu stellen und diese dann anzugehen“, antwortet Habbel. „Vieles an Ideen entsteht in Gesprächen.“ Dabei sei es wichtig, das eigene Silo zu verlassen. Natürlich gehöre dazu auch Leidenschaft, sich in die Gesellschaft und die Politik einzubringen.

Als ein zentrales Entwicklungsfeld sieht er die „Digitalisierung im Allgemeinen“, die selbstverständlich auch die Verwaltung erfasst hat. „Die Kommunikation spielt sich immer stärker in der digitalen Welt ab. Die 1,2 Millionen Mitarbeiter in den deutschen Kommunen werden stärker kooperieren und kollaborieren müssen. Notwendig sind entsprechende Infrastrukturen wie Plattformen im Internet.“

Die Dynamisierung der Arbeitswelt im Zeitalter der Digitalisierung erlebt Habbel selbst. „Mein Arbeitsort ist da, wo ich bin. Das kann das Büro sein, aber auch Video-Konferenzräume, Flughäfen, die Bahn oder gar das Café.“ Keine Frage, dass der aktiv-aktivierende IT-Fachmann Habbel auch elektronische Helfer zu schätzen weiß: „Eine meiner

Sekretärinnen heißt ,Siri‘, ihr diktiere ich direkt ins Smartphone und sofort erhalte ich die geschriebenen Texte. Eine interessante Sache.“

Dass sich sein Engagement lohnt, steht für Habbel außer Frage: „Die Bedeutung der Kommunen mit ihren vielfältigen Aufgaben insbesondere in der Bereitstellung von Infrastrukturen ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen.“ Es vergehe kein Tag, in dem nicht in den Medien auf Probleme der Städte und Gemeinden eingegangen werde.

Er ist überzeugt, dass die Bedeutung der kommunalen Ebene weiter wachsen werde. „Die Bürger erleben den Staat in ihrer Kommune. Probleme müssen dort gelöst werden, wo sie entstehen“, so seine Feststellung. Global betrachtet, heißt das: „Weltweit stehen wir vor einem Jahrhundert der Kommunen.“

Jörg Benzing

Zur Person
Franz-Reinhard Habbel (Jg. 1950) ist seit 2010 Direktor für politische Grundsatzfragen beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) in Berlin. Bereits seit 1998 vertritt er den kommunalen Spitzenverband als Pressesprecher. Habbel setzt sich für die Modernisierung der Verwaltung ein. Der von ihm ins Leben gerufene Innovators Club des DStGB versteht sich als Denkfabrik für Kommunen. Habbels Lebensmotto: Der Geist ist unendlich.