Veränderungen in den Blick nehmen

Berufsanfänger: Künftig werden die Bewerber sich in etlichen Berufsgruppen die Stelle aussuchen können. - Foto: Pressmaster/Fotolia

Die Personalarbeit in der öffentlichen Verwaltung und in kommunalen Unternehmen muss zunehmend auf die demografischen Veränderungen reagieren. Ein weiterer Treiber der Veränderungen im Personalmanagement sind technologische Entwicklungen wie zum Beispiel automatisierte Bewerbungsprozesse.

Die Herausforderungen im Personalmanagement der öffentlichen Verwaltung könnten kaum größer sein. Jede Führungskraft und jeder Personalmanager spürt das: Bewerber sind immer schwieriger zu bekommen. Der demografische Umbruch verändert die Realitäten der Personalgewinnung und -entwicklung.

Die Besetzungszeiten für offene Stellen verlängern sich, die Konkurrenz der Arbeitgeber um die Besten ist hart. Das betrifft sowohl die öffentliche Verwaltung als auch kommunale Unternehmen – trotz starker Arbeitgebermarken und weithin geschätzter Arbeitgeberqualitäten, die in der Privatwirtschaft so nicht anzutreffen sind. Innovation und Pioniergeist sind in der Personalarbeit der öffentlichen Hand deshalb mehr denn je gefragt.

Die Kommunen positionieren sich gegenüber den Bürgern als moderne Dienstleister. Bürgernähe ist in Zeiten der Digitalisierung zu einer anspruchsvollen, komplexen Aufgabe geworden. Steigende Leistungsansprüche haben allerdings eine Knappheit von finanziellen und personellen Ressourcen zur Folge, die andauern wird. Denn die zunehmende Fülle der Aufgaben der öffentlichen Verwaltung und der kommunalen Unternehmen geht zumindest momentan nicht mit einer verbesserten Ressourcenausstattung einher. Die Ansprüche aus den Aufgaben wachsen oft schneller als die zur Verfügung stehenden Mittel. Stellvertretend für eine Vielzahl von Themen seien hier die Bereiche Smart City, Integrationsarbeit, digitale Verwaltung, demografischer Umbruch und Nachhaltigkeit genannt.

Aktives Gestalten wird wichtiger als reaktives Verwalten, wie es kürzlich eine Studie der Bertelsmann-Stiftung formulierte. Mitarbeiter mit Leitungs- und Leistungsverantwortung werden in Zukunft mit höheren Freiheitsgraden arbeiten. Die Anforderungen an Wissen und Können wachsen, und das betrifft nicht nur die Vorgesetzten-Funktionen, sondern ebenso die Mitarbeiter in der Linie bis hinunter zum Sachbearbeiter mit täglichem Bürgerkontakt.

Im Folgenden werden zwölf Trends und Schlüsselthemen der Personalarbeit von morgen umrissen:

  • 1. Alternde Baby-Boomer verändern jede Belegschaft: Die am stärksten besetzte Alterskohorte im Arbeitsleben erreicht die Schwelle des Rentenalters. Das wird zur Folge haben, dass viele Elemente der Personalarbeit neu gedacht werden müssen.

  • 2. Die Roboter halten in den Büros Einzug: Verwaltungen werden automatisieren müssen, damit sie mit dem bestehenden Mitarbeiter-, Stellen- und Budgetgerüst ihren wachsenden Aufgaben gerecht werden können.

  • 3. Rekrutierung erledigt in Zukunft die Maschine: Der technologische Fortschritt entwickelt sich zu einer wichtigen Quelle zusätzlicher Wertschöpfung im Personalprozess. Das hebt die Qualität von Einstellungsverfahren auf eine neue Ebene.

  • 4. Der Wettlauf um die Talente geht weiter: Manche Berufsgruppe ist inzwischen so umworben, dass es die klassische Bewerbung um eine Stelle so nicht mehr geben wird. Die Regel der alten Welt lautete „Arbeitnehmer suchen den Job, Arbeitgeber suchen aus“. Die Regel der neuen Welt aber lautet „Arbeitgeber suchen den Mitarbeiter, Arbeitnehmer suchen den Arbeitgeber aus“. Arbeitgeber müssen daher „Active Sourcing“ betreiben.

  • 5. Generationen Y und Z erobern die Arbeitswelt: Wer heute in die Berufswelt einsteigt, hat zumeist ein komplett anderes Elternhaus erlebt als in vergangenen Jahrzehnten. Vater und Mutter waren für diese Einsteiger nicht mehr Respektspersonen, sondern Freunde, Trainer, Bewunderer oder Coach der Kinder.

  • 6. Contracting, Outsourcing, Freelancerbörsen sind auf dem Vormarsch: Permanente Festanstellung und Fünf-Tage-Woche werden in Zukunft nur noch eines von vielen Formaten in der Arbeitswelt sein.

  • 7. Diskontinuierliche Karrierewege gewinnen an Gewicht: Kandidaten sollten nicht nur nach Schulnoten, Stringenz und unterbrechungsfreier Karriere beurteilt werden. Bei der Bewertung sollten auch die Faktoren Metawissen, fachübergreifende Erfahrungen und Resilienz einbezogen werden.

  • 8. Die Arbeitgebermarke als Kapital in der digitalen Welt nutzen: Die öffentliche Hand bietet genug einzigartige Arbeitgebermerkmale, die von einer hinreichenden Zahl von Berufstätigen als attraktiv eingeschätzt werden.

  • 9. Rekrutierung an den Geschäftsstandards von Amazon ausrichten: Arbeitgeber, die sehr schnell sind, sofort antworten und volle Transparenz sichern, haben in Zukunft einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt.

  • 10. Den Talentpool um ältere Mitarbeiter erweitern: Man kann den schlimmsten Folgen des Mitarbeitermangels noch einmal entgehen, wenn man den Älteren Türen öffnet, die einen Verbleib im Arbeitsleben ermöglichen.

  • 11. Das Talentmanagement in einen neuen Rahmen stellen: Je schwieriger, kostspieliger und zeitaufwendiger es wird, neue Mitarbeiter an Bord zu holen, desto wichtiger wird der interne Arbeitsmarkt für das Talentmanagement.

  • 12. Just-in-Time-Lernen als schnellen Weg nutzen: Tritt ein Lernbedarf auf, soll er idealerweise sofort befriedigt werden können – und nicht erst in drei Monaten, wenn das Thema wieder einmal im Rahmen eines Präsenzseminars in größerem Zusammenhang angeboten wird.

Edmund Mastiaux

Der Autor
Edmund Mastiaux ist Inhaber und Geschäftsführer des Zentrums für Management- und Personalberatung Edmund Mastiaux & Partner (ZfM) in Bonn