Urbane Seilbahnen: Mobil weit über den Straßen und Staus

Meist sind Seilbahnen in touristische Konzepte eingebunden – sie eignen sich aber auch für urbane Mobilitätskonzepte. Beispiele dafür gibt es unter anderem in Südamerika oder auch zunehmend in Frankreich. Wo in Deutschland noch reichlich Luft nach oben ist, schlüsselt Birgit Priesnitz aus Verbandssicht auf.

Urbane Seilbahnen
Eröffnet wurde sie 1934 – damit ist die Grenobler Seilbahn zur Bastille die erste innerstädtische Seilschwebebahn der Welt. Sie verbindet das Stadtzentrum mit der historischen Festung über der Stadt. Foto: Adobe Stock/Pierre-Jean DURIEU

Der Großteil der deutschen Seilbahnen hat seinen Ursprung in der sogenannten „Sommerfrische“, erst später entwickelten sich die Wintersportzentren. Auch heute sind rund 20 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen ausschließlich im Sommer in Betrieb. Die Rolle der Seilbahn hat sich aber gewandelt: Was früher reine Auf- und Abstiegshilfe war, ist heute ein modernes Mobilitätsdienstleistungsunternehmen rund um das Erlebnis Berg.

Doch Seilbahnen haben ein viel größeres Potenzial: Sie können auch im urbanen Raum eine wertvolle Ergänzung im öffentlichen Verkehr darstellen. Sie bieten die Chance, Verkehrsprobleme zu entschärfen, die Lebensqualität zu verbessern und neue Perspektiven für die urbane Mobilität zu eröffnen.

Urbane Seilbahnen: Konzepte zwischen Himmel und Erde

In Deutschland sind urbane Seilbahnen allerdings noch eine vergleichsweise junge Entwicklung. In Städten wie Köln, Koblenz oder Berlin sind sie in urbanen Räumen in Betrieb, die im Rahmen von Gartenschauen entstanden sind. Diese Bahnen sind jedoch nicht in den ÖPNV integriert. 

Es gibt aber zahlreiche Projektskizzen und Machbarkeitsstudien in ganz Deutschland. Aktuell sind die Planungen für die Verbindung in Bonn am weitesten gediehen. Das heißt: Das Verkehrsmittel Seilbahn wird bei Verkehrs- und Städteplanungen zunehmend mitgedacht.

Dennoch sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, Finanzierungsmöglichkeiten und die Integration in bestehende Verkehrssysteme Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Insgesamt sehen wir im Verband jedoch eine positive Entwicklung und großes Potenzial für die Zukunft.

Was auf dem Weg zur Umsetzung hilft

Die größten Herausforderungen liegen in der rechtlichen und planerischen Umsetzung. Hier sind klare Regularien, Förderprogramme und eine stärkere Vernetzung mit anderen Verkehrsträgern gefragt. Zudem müssen kommunale Akteure die Vorteile urbaner Seilbahnen noch stärker erkennen und fördern.

Überwindbar sind diese Hürden durch gezielte politische Unterstützung, Pilotprojekte und den Erfahrungsaustausch zwischen Städten. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist entscheidend – Transparenz und Partizipation sind hier die Schlüssel.

Wo Seilbahnen Sinn machen

Urbane Seilbahnen eignen sich besonders in Städten mit topografischen Herausforderungen, die mit herkömmlichen Verkehrsmitteln schwer zu erschließen sind. Sie können auch in Verbindung mit Freizeit- und Tourismusangeboten eine attraktive Ergänzung sein. Das sind ihre Vorteile:

  • Geringer Platzverbrauch: Seilbahnen benötigen nur wenige Stützen und Stationen – damit eignen sie sich bestens für enge Stadtbereiche.
  • Umweltfreundlich: Seilbahnen verursachen geringe Emissionen und sind somit eine nachhaltige Alternative in Zeiten des Klimawandels.
  • Flexibilität: Seilbahnen lassen sich gut in bestehende Verkehrssysteme integrieren und können an unterschiedlichen Standorten eingesetzt werden.
  • Verkehrsentlastung: Durch die Verlagerung des Verkehrs auf eine zusätzliche Ebene werden Straßen entlastet, Staus reduziert und die Mobilität insgesamt verbessert.

Impulse von den Vorreitern

Vor allem in südamerikanischen Städten wie Medellín oder La Paz sind Seilbahnen fester Bestandteil des öffentlichen Verkehrs – sie zeigen, wie innovative Mobilitätslösungen funktionieren können. In Europa hat Frankreich eine Vorreiterrolle übernommen: Urbane Seilbahnen sind in Toulouse, Brest und Paris im Einsatz.

Für deutsche Städte lohnt es sich, diese Beispiele als Inspiration zu nehmen und die Potenziale vor Ort zu prüfen.

Birgit Priesnitz


Die Autorin

Birgit Priesnitz ist Geschäftsführerin beim VDS-Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e.V.


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