Etliche Versorgungsinfrastrukturen liegen im Boden – neben- und übereinander und nicht immer genau dokumentiert. Wie kann, wie sollte man damit umgehen, wenn zusätzlich Glasfaserkabel verlegt werden? Was ist entscheidend, damit Sicherheit gewährleistet ist? Jan Syré ordnet für den VST-KRITIS ein.

Die fortschreitende Digitalisierung führt zu einer zunehmenden Abhängigkeit von leistungsfähigen und sicheren Glasfaserinfrastrukturen. Glasfaserkabel bilden das Fundament der modernen Kommunikation, da sie große Datenmengen übertragen und somit die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft, Verwaltung und gesellschaftlichen Prozessen gewährleisten. Gleichzeitig gilt es aber auch, die bereits im Boden befindlichen Versorgungsinfrastrukturen für Gas, Strom, Wasser und Abwasser oder auch Fernwärme vor Eingriffen so genannter Dritter zu schützen – sei es durch Baumaschinen oder leider auch immer mehr durch Sabotageakte.
Angesichts ihrer zentralen Bedeutung stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Sicherheitsniveau dieser sensiblen Infrastrukturen. Es gilt, potenzielle Bedrohungsszenarien zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zum Schutz zu entwickeln sowie umzusetzen.
Schutz von Versorgungsinfrastrukturen: Bestehende Leitungen lokalisieren
Durch Bauarbeiten geschehen die meisten Beschädigungen der Versorgungsinfrastrukturen – innerstädtisch wie auch im ländlichen Raum. Das liegt zum einen daran, dass viele bereits seit Jahrzehnten im Boden liegende Leitungen seinerzeit nur ungenau dokumentiert wurden oder werden konnten. Die von den Netzbetreibern ausgegebenen Pläne im Rahmen der Erkundigungspflicht weisen darauf hin – und die Bauausführenden sind verpflichtet, vor dem Einsatz von Baumaschinen Suchschlitze per Handschachtung vorzunehmen, um die endgültige Lage der Leitungen zu eruieren. Das ist jedoch arbeitsintensiv und verursacht dementsprechend Mehrausgaben.
Natürlich gibt es inzwischen Möglichkeiten mit modernen Bodenradargeräten, Leitungen unter der Straßendecke oder dem Bürgersteig zu detektieren. Doch als Einzelmaßnahme reicht das rechtssicher noch nicht: Die Verpflichtung zur händischen Suchschachtung für das letztendlich sichere Auffinden der Bestandsleitungen bleibt bestehen. Der Einsatz von Bodenradargeräten hilft jedoch eindeutig, die Suchzeit nach Leitungen zu reduzieren und durch gezielte Handschachtung an den betreffenden Stellen die genaue Lage der Leitungen auch in Bezug auf die Verlegetiefe zu lokalisieren.
Qualifikation von Bauunternehmen
Trotz aller Regelwerksvorgaben und technischen Möglichkeiten kommen immer wieder Bauunternehmen zum Einsatz, deren Mitarbeiter nicht die notwendigen Qualifikationen besitzen. Hier ist besonders die Schulung nach den technischen Regelwerken gemäß DVGW GW 129 (A)/VDE-AR-N 4224/ DWA-M 129/AGFW FW 606 zu berücksichtigen, bei denen die Teilnehmer lernen, was zu tun ist, bevor sie Bauarbeiten beginnen – in der Regel sind es Maschinenführer und Aufsichtspersonen von Unternehmen, die Erd- und Tiefbauarbeiten durchführen.
Sie erfahren in Theorie und Praxis, woran sie vorhandene Leitungen erkennen und wie sie im Schadensfall richtig reagieren, um ihn möglichst zu begrenzen. Dabei sind die Inhalte spartenübergreifend unter anderem aus den Bereichen Telekommunikation, Gas, Wasser, Strom und Fernwärme.
Durch die umfangreichen Bauarbeiten im Bereich des Glasfasernetausbaus ist zurzeit ein erhöhtes Schadensaufkommen zu verzeichnen. Deshalb hat das bisherige Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) zusammen mit den Verbänden der Bauwirtschaft, mit den Verbänden der Betreiber von Glasfaser- und Telekommunikationsnetzen sowie den Energie- und Wasserversorgungsnetzbetreibern eine Broschürenreihe für die Zielgruppe kommunale Entscheidungsträger entwickelt: Sie befasst sich mit dem Thema Sicherheit in ganzer Bandbreite.
Dabei geht es unter anderem um geeignete Planungsverfahren, die Qualitätssicherung bei der Einrichtung von Gigabitnetzen, mögliche Legetechniken der Leitungen, die richtige Qualifikation von Bauunternehmen und ihren Mitarbeitern sowie auch die Rechte und Pflichten der Beteiligten beim Gigabitausbau. Weitere Broschüren zu Material- und Dokumentationskonzepten oder Antragsverfahren zur Genehmigung von Glasfaserausbaumaßnahmen werden folgen (siehe unten).
Schutz vor Diebstahl und Sabotage
Die Sicherheit von Versorgungsinfrastrukturen ist jedoch kein rein technisches (Safety), sondern auch ein organisatorisches Schutzthema (Security). Neben Bauarbeiten zählen inzwischen auch Diebstahl, Vandalismus, Sabotage und Cyberangriffe zu den Risiken. Schadensereignisse durch das Zusammenspiel von digitalen und physischen Attacken gewinnen an Relevanz.
Ob es den Diebstahl von Stromleitungen bei der S-Bahn in Berlin oder die Beschädigung von Gaspipelines im Umfeld der neugebauten LNG-Anlandeterminals betrifft – neben den technischen Schäden vor Ort entstehen weit höhere Folgeschäden durch den Ausfall der Versorgung. Hier gilt es, Sicherheit ganzheitlich zu denken: vom gesicherten Kabelschacht bis zur Überwachung durch Monitoringsysteme.
Für den Schutzbedarf sensibilisieren
Angesichts der globalen Bedrohungslage besteht dringender Handlungsbedarf, um die Resilienz der Versorgungsinfrastrukturen zu erhöhen. Deren Sicherheit ist Gemeinschaftsaufgabe, die vor allem technische, aber auch organisatorische und kommunikative Lösungen verlangt. Notwendig sind gerade vor Ort proaktive Abstimmungsprozesse, der Aufbau regionaler Netzwerke zur schnellen Reaktion im Ernstfall und die konsequente Integration des Themas in lokale Sicherheitsstrategien. Zudem – sehr wichtig: die Sensibilisierung aller Beteiligten für die Bedeutung der Infrastruktur.
Jan Syré
Der Autor
Jan Syré ist Mitglied des Vorstands und Politischer Sprecher im VST – Verband Sichere Transport- und Verteilnetze/KRITIS e.V.
Zum Weiterlesen
Von der Umstrukturierung einzelner Bundesministerien im Rahmen der Regierungsbildung im Frühjahr 2025 ist das bisherige Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) betroffen, das bisher federführend für den Glasfaserausbau war. Zurzeit befinden sich die Webseiten der neu verantwortlichen Ministerien (Bundesministerium für Verkehr BMV, Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung BMDS) noch im Aufbau. Die im Text angesprochenen Broschüren für kommunale Entscheidungsträger finden sich auf der Webseite des Verbands VST – Sichere Transport- und Verteilnetze/KRITIS e.V.



