Recklinghausen nutzt digitalen Friedhofsplan

Grabarbeiten: Mit einem digitalen Friedhofsplan können viele Abläufe rund um die Planung und Bewirtschaftung von Grabstellen verbessert werden. – Foto: Auremar/Adobe Stock

Die Stadt Recklinghausen bewirtschaftet ihre acht Friedhöfe mit einem digitalen Planungswerkzeug. Es ermöglicht die systematische Fortschreibung der Entwicklungsplanung, verbessert die Organisation der Bestandsdaten und erleichtert den Mitarbeitern die Datenpflege.

Die Friedhöfe der Stadt Recklinghausen (rund 120.000 Einwohner, Nordrhein-Westfalen) werden von den Kommunalen Servicebetrieben Recklinghausen (KSR) bewirtschaftet und verwaltet. Auf acht Friedhöfen mit 59 Hektar befinden sich in Summe rund 60.000 Grabstellen. Der Wandel in der Bestattungskultur wirkt sich auch auf die Stadt Recklinghausen aus.

Durch die zunehmende Zahl an Urnenbestattungen reduziert sich die Flächeninanspruchnahme auf den Friedhöfen deutlich. Somit muss das Bewirtschaftungskonzept unter Berücksichtigung der entstehenden Freiflächen fortgeschrieben werden. Dieser Sachverhalt ist Gegenstand der Friedhofsentwicklungsplanung, die sich aktuell über alle städtischen Friedhöfe erstreckt.

Die bereits vorhandenen Friedhofspläne der KSR liegen zwar digital vor, wie der Projektverantwortliche Michel Farin erläutert, jedoch in einem Zeichenprogramm und somit nicht georeferenziert (auf Koordinaten) und nur bedingt in einem einheitlichen Maßstab. Um eine belastungsfähige Datengrundlage zu schaffen, wurden daher im Jahr 2018 alle Grabstellen erfasst und in den digitalen Friedhofsplan überführt.

Mit der Einführung des digitalen Friedhofsplans sollten weiterhin folgende Ziele erreicht werden:

  • Verbesserung und Beschleunigung von Suchvorgängen: Durch den Aufbau des digitalen Friedhofsplans sollen die Bestandsdaten besser organisiert werden, sodass die Suche nach Grab- und Verstorbenendaten erheblich beschleunigt werden kann.

  • Grafische Auswertungen: Grafische Auswertungen nach Grabstatus, Grabart, Grabzustand, Nutzungsfrist und Ruhefrist sollten möglichst benutzerfreundlich abzurufen sein. Insbesondere die Auswertungen nach Nutzungs- und Ruhefrist sind Grundlagen für eine strategische Ausrichtung der Friedhofsplanung.

  • Aktualität und Versionierung: Durch die Verknüpfung des digitalen Friedhofsplans mit der Friedhofsdatenbank soll sichergestellt werden, dass der Friedhofsplan immer aktuell ist. Ein händischer Abgleich zwischen Friedhofsdatenbank und Friedhofsplan ist zeitintensiv und fehleranfällig und soll zukünftig nicht mehr erfolgen.

  • Möglichkeiten der Veröffentlichung: Die KSR beabsichtigten die Veröffentlichung des digitalen Friedhofsplan in unterschiedlichen Medien und Formaten. Für die Planer soll eine Desktop-Software mit umfangreichen Planungs- und Analysefunktionen angeschafft werden. Die Friedhofs- und nicht technischen Mitarbeiter sollen über eine Webanwendung auf einem möglichst einfachen und benutzerfreundlichen Weg den Zugriff auf den digitalen Friedhofsplan erhalten. Weiterhin soll die Anwendung mittelfristig auf mobilen Endgeräten betrieben werden. Für die Verbesserung der Kommunikation mit den Hinterbliebenen, Bestattern, Steinmetzen und Friedhofsgärtnern wird in Erwägung gezogen, den digitalen Friedhofsplan im Internet zu veröffentlichen.

Nach der Zieldefinition wurde durch die KSR eine Marktrecherche durchgeführt. Im Rahmen des nachfolgenden Vergabeverfahrens wurde die Software „pg_friedhof“ (Pbsgeo) angeschafft, da diese die gewünschten Anforderungen erfüllt.

Die Datenerfassung und der Aufbau des digitalen Friedhofsplans erfolgten in Eigenleistung der Kommunalen Servicebetriebe innerhalb von nur zwei Monaten. Die Grabreihen, Wege- und Grünflächen wurden dazu tachymetrisch aufgemessen. Dabei wurden Lage und Höhe der Objektpunkte in einem Arbeitsgang vermessen. Innerhalb der Grabreihen wurden die Gräber mit dem Planungswerkzeug aus dem Luftbild erfasst. Durch die Kombination dieser beiden Erfassungsmethoden konnten sehr hohe Genauigkeiten erreicht werden.

Friedhofsplan im Internet

Michel Farin zieht folgendes Zwischenfazit: „Die Mitarbeiter auf den Friedhöfen können jetzt jederzeit auf den digitalen Friedhofsplan zugreifen. Dies schafft Klarheit und verbessert die Kommunikation innerhalb der Friedhofsverwaltung.“

Nächste Schritte sind die Umsetzung des digitalen Friedhofsplans auf mobile Endgeräte und die Veröffentlichung im Internet. Mit der mobilen Anwendung haben die Mitarbeiter den Friedhofsplan direkt auf dem Friedhof verfügbar. Dies ist hilfreich insbesondere bei Grabvergaben und -kontrollen.

Durch die Veröffentlichung des Friedhofsplans im Internet können sich Bürger und Hinterbliebene selbst informieren. Dies erhöht die Servicequalität der Friedhofsverwaltung bei gleichzeitiger Reduktion des Verwaltungsaufwandes.

Als zusätzliches Thema wurden mittlerweile die Wegeflächen in der Software erfasst und nach folgenden Kriterien kategorisiert:

  • Oberflächenbefestigung

  • Kategorisierung (Hauptweg, Nebenweg)

  • Zustand des Weges (Bewertung nach Schulnoten)

Dadurch soll die Bewirtschaftung der Friedhofswege verbessert werden. Ferner kann dann die Fortschreibung der Wegenetzplanung digital im direkten räumlichen Zusammenhang mit der Friedhofsentwicklungsplanung erfolgen.

Farin sieht den digitalen Friedhofsplan als fortlaufenden Entwicklungsprozess. Dies gelte sowohl für die Integration weiterer Fachthemen wie Versorgungs- und Entsorgungsleitungen als auch für die technische Weiterentwicklung der Anwendung.

Stefan Schumacher

Der Autor
Stefan Schumacher ist Geschäftsführer von Pbsgeo in Köln. Das Unternehmen erstellt Softwareanwendungen für den digitalen Friedhofsplan