Pfandbecher in Kommunen: Mehrfacher Genuss

Gekonnt eingeschenkt: Das Konzept, Kaffee-to-go im Mehrwegbecher gegen Pfand anzubieten, entlastet die kommunale Abfallentsorgung. - Foto: Recup

Die Entsorgung von Einwegverpackungen aus dem öffentlichen Raum kostet die Städte viel Geld. Mit der Unterstützung von Mehrwegbechersystemen setzen sie ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität. Freiburg zum Beispiel hat ein eigenbetriebliches Modell aufgebaut, Stuttgart kooperiert mit einem Systembetreiber.

Nicht nur nach großen Freiluftveranstaltungen, sondern auch unter der Woche verschandeln To-go-Becher für Heiß- und Kaltgetränke das Stadtbild in vielen deutschen Kommunen. Die Flut an Einwegbechern soll aber der Vergangenheit angehören: Immer mehr Städte setzen beim Kampf gegen die Wegwerfmentalität auf Mehrwegbechersysteme.

So möchte zum Beispiel die Universitätstadt Freiburg im Breisgau ihrer ökologischen Vorreiterrolle auch beim Umgang mit Einwegverpackungen gerecht werden. Weggeworfene Kaffeebecher auf öffentlichen Plätzen und in Parkanlagen riefen vor vier Jahren die Experten des städtischen Abfallbetriebs auf den Plan. Dieter Bootz von der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg berichtet: „Unser Unternehmen ist für die Stadtsauberkeit in Freiburg verantwortlich. Die Zunahme an Einweg-Verpackungsmüll vor allem in Form von leeren Kaffeebechern im öffentlichen Raum löste Überlegungen in Richtung eines alternativen Mehrwegbechersystems aus.“

Das Projekt „FreiburgCup“ wurde im Sommer 2016 mit Cafébesitzern und Bäckereiinhabern diskutiert, die ihre Unterstützung zusagten. „Ein wichtiger Partner war auch das Studierendenwerk, das die Caféterien in allen Freiburger Hochschuleinrichtungen betreibt“, sagt Bootz. Das Projekt wurde im November 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt und war zugleich der Beitrag der Stadt zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung.

Dieter Bootz erklärt, wie der Freiburg-Cup funktioniert. „Die Teilnahme der Geschäfte ist freiwillig und für die Cafébetreiber kostenfrei. Im Gegenzug verpflichten sie sich, den Becher in ihrem Geschäft zu promoten und gebrauchte Becher zurückzunehmen und auch zu spülen. Der Kunde zahlt einen Euro Pfand beim Kaffeekauf und kann den gebrauchten Becher in jedem teilnehmenden Geschäft zurückgeben.“

In der Anfangszeit gab es 14 Partnergeschäfte in der Innenstadt. Der Pfandbecher wurde in der Folgezeit immer populärer. „Wir haben inzwischen einen Stand von 115 Verkaufsstellen im gesamten Stadtgebiet erreicht“, freut sich Bootz.

Freiburg investiert 80.000 Euro

Nach Ansicht der Stadtreinigungsexperten sind die Kosten für das kommunale Mehrwegpfandbechersystem überschaubar. „Von 2016 bis Anfang 2019 sind rund 80.000 Euro in das Projekt geflossen. Davon entfielen 60 Prozent auf den Kauf der Mehrwegbecher“, erläutert Bootz. Weitere Kosten entstanden durch Werbemaßnahmen, Personal und die Gestaltung der Freiburg-Cup-Webseite. Die spezifischen Kosten pro Cup beziffert Bootz auf 2,40 Euro.

Das Zwischenfazit der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg fällt positiv aus. „Der Freiburg-Cup hat sich etabliert und findet vor allem bei jüngeren Leuten aktiven Zuspruch“, bekräftigt Bootz. Dennoch wird in Freiburg der größere Teil des Kaffee-to-go-Absatzes nach wie vor im Einwegbecher konsumiert. „Das hängt auch damit zusammen, dass überregionale Caféketten wie Starbucks, Tchibo oder McCafé sich nicht an lokalen Aktionen zur Abfallvermeidung beteiligen“, bedauert Bootz. „Mit Sicherheit ist es den Beteiligten mit dem FreiburgCup gelungen, das Thema Ressourcenverschwendung bewusst zu machen und die Öffentlichkeit für einen nachhaltigen Umgang mit Verpackungen aller Art zu sensibilisieren“, bilanziert Bootz.

Recup nimmt Becher deutschlandweit zurück

Nicht nur in Südbaden, auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart werden Mehrwegbechersysteme als Möglichkeit gesehen, um die Müllberge und Verpackungsfluten zu reduzieren. Studien zufolge werden in Stuttgart rund 80.000 Einwegbecher pro Tag verbraucht und weggeworfen. Das im Jahr 2019 eingeführte Mehrwegsystem für Kaffeebecher ist Teil des Maßnahmenpakets „Prävention“ im Konzept „Sauberes Stuttgart“.

Nachdem der Gemeinderat Ende 2017 finanzielle Mittel zur Etablierung eines Mehrwegbecherpfandsystems bewilligt hatte, führte die Abteilung Wirtschaftsförderung ein europaweites Auswahlverfahren durch, um nach einem Betreiber für das Pfandsystem zu suchen. „Eine Fachjury aus Vertretern von Bäckereien, Systemgastronomien, Forschung und Wissenschaft, Verbänden, Studierendenwerk und der städtischen Abfallwirtschaft begleitete das Auswahlverfahren“, sagt Martin Thronberens von der Pressestelle der Stadt. Den Zuschlag erhielt die Firma Recup aus München im Frühjahr 2019.

Im Anschluss daran wurde das Projekt mit großen Schritten vorangetrieben. Thronberens: „Es wurde ein Informationsabend für Bäckereien, Gastronomen und weitere Interessierte durchgeführt, eine städtische Kommunikationskampagne aufgesetzt und der Stuttgart-Becher designt.“

Am 7. Oktober 2019 fiel der Startschuss in der Öffentlichkeit. Die Nutzung des Bechers ist auch in Stuttgart unkompliziert. „Man bestellt den Coffee-to-go im Recup statt im Einwegbecher und hinterlegt dafür einen Euro Pfand“, erläutert Thronberens. „Den leeren Becher kann man deutschlandweit bei allen Partnern abgeben und bekommt sein Pfand zurück.“

Der Gemeinderat hat das System mit einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 107.000 Euro angeschoben. „Dieser Zuschuss fließt vor allem in den aktiven Vertrieb sowie die Etablierung von Becherrückgabe-Automaten und einer lokalen Transport- und Spüllogistik“, erklärt Thronberens. Darüber hinaus stellt die Landeshauptstadt bis zu 100.000 Euro für Beratungsleistungen und begleitende Marketingmaßnahmen zur Verfügung. Die Landeshauptstadt und der Systembetreiber zeigen sich mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. Die Anzahl der Pfandbecher-Ausgabestellen ist seit Juli 2019 bis heute auf über 100 Stellen angewachsen, was die Resonanz in der Bevölkerung untermauert. „Nach Aussage von Recup hat das Konzept einen so gelungenen Start wie in Stuttgart noch in keiner anderen Stadt hingelegt“, sagt Thronberens. „Wir sind also zuversichtlich, dass sich das Pfandsystem weiter positiv entwickeln wird.“

Andreas Scholz

Der Autor
Andreas Scholz, Schwäbisch Hall, ist freier Journalist