Offenbacher Offensive zur Luftreinhaltung

Marktplatz in Offenbach am Main: Die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs zählt zu den Zielen der Gesamtstrategie zur Luftreinhaltung. - Foto: Georg

Die Stadt Offenbach ist auf breiter Front für die Luftreinhaltung aktiv. Der Radverkehr und der ÖPNV sollen gestärkt werden wie auch die Elektrifizierung des Verkehrs. Hinzu kommt ein verbessertes Verkehrsmanagement. Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz koordiniert die Maßnahmen.

Die Stadt Offenbach am Main (138.000 Einwohner, Hessen) überschreitet an vier Stellen das zulässige Jahresmittel für Stickstoffdioxid (NO2) in der Höhe von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3). Das haben Messungen und Modellrechnungen der hessischen Landesumweltbehörden im Zeitraum von 2005 bis 2009 ergeben. Darüber hinaus leidet der Ballungsraum Rhein-Main und damit auch die Bevölkerung der Stadt Offenbach unter den Veränderungen des Stadtklimas. Hauptmerkmale sind eine höhere Durchschnittstemperatur sowie die Schadensereignisse Starkregen und Hochwasser.

Offenbach muss daher seine wachsende Bevölkerung vor den negativen Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden schützen. Das Land Hessen ist zudem von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verklagt worden, für Offenbach einen Luftreinhalteplan mit wirksamen Maßnahmen vorzulegen, der schnellstens die Grenzwerte einhält. Die im Jahr 2018 entwickelte Gesamtstrategie der Stadt zur Luftreinhaltung baut auf den verschiedenen bereits bestehenden Konzepten auf. Synergien mit den Maßnahmen zum Nahverkehr, zur Lärmminderung und zur Klimaanpassung sollen gefördert und genutzt werden.

Da der Straßenverkehr mit 60 bis 70 Prozent Hauptverursacher der Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung ist, zielt der Maßnahmenkatalog insbesondere auf eine Reduktion der verkehrlichen Emissionen ab. Gleichzeitig sollen auch die Klimaschutzziele weiter verfolgt werden.

Gegenstand des Sofortprogramms „Saubere Luft 2017–2020“ der Bundesregierung ist die Förderung der Maßnahmen im Rahmen der folgenden Förderprogramme: Elektrifizierung des Verkehrs, Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme, Nachrüstung von Dieselbussen im öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Verbesserung von Logistikkonzepten und Bündelung von Verkehrsströmen, Förderung des Radverkehrs, Umweltbonus (Kaufprämie für E-Fahrzeuge). Gut die Hälfte der bereitgestellten Fördergelder (500 Mio. Euro) wird für Maßnahmen im Themengebiet „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ bereitgestellt. Ziel ist die Vermeidung von Fahrverboten.

Stopp-and-Go-Verkehr verflüssigen

Im Rahmen des Masterplans Green-City, den die Stadt Offenbach gemeinsam mit Frankfurt am Main im vergangenen Jahr als Teil der Gesamtstrategie zur Luftreinhaltung ebenfalls entwickelt hat, sind Maßnahmen angestoßen worden, die durch diese Fördermittel zuerst umgesetzt werden können. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Fachexperten beider Städte wurden zunächst die möglichen Maßnahmen in gemeinsamen Workshops identifiziert.

Nachdem die Förderfähigkeit überprüft war, konnten die Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bewertet und zu einer priorisierten Handlungsstrategie zusammengeführt werden. Nach der Abstimmung mit den lokalen und regionalen Akteuren wurde der Masterplan Green-City fertiggestellt. Mittlerweile sind für Offenbach zwei Förderanträge im Gesamtvolumen von rund acht Millionen Euro bewilligt worden. Allein über die Digitalisierungsrichtlinie wurde insgesamt ein Volumen von 14,1 Millionen Euro für die Luftreinhaltung vorgesehen.

Der Masterplan konzentriert sich auf folgende Maßnahmen: Durch den Stopp-and-Go-Verkehr treten in besonderem Maße Schadstoffe durch die emissionsintensiven Anfahrvorgänge aus. Die geplante Einrichtung einer umweltsensitiven Verkehrssteuerung mithilfe der Lichtsignalanlagen (LSA) soll die Verstetigung des Verkehrsflusses gewährleisten, um die notwendigen Einsparungen an NOx-Emissionen zu erreichen. Basis der Verkehrssteuerung ist die Ermittlung aktueller Verkehrs- und Umweltsituationen und eine kontinuierliche Optimierung der Lichtsignalanlagen. Geplant ist zum Beispiel die verkehrstechnische Optimierung der LSA-Steuerung an sechs großen Straßenzügen im Stadtgebiet.

Dazu kommt eine situationsabhängige Zuflussdosierung, das heißt, die Steuerung der einzelnen Verkehrsmengen mit koordinierter Alternativroutensteuerung und entsprechender Verkehrsinformation. Dies führt zu einer umweltorientierten Verkehrslenkung und damit zeitlicher und räumlicher Reduzierung der Verkehrsbelastung und Reduzierung der Luftschadstoffe an besonders belasteten Kreuzungen oder Straßenzügen. Wird der Verkehr an den „äußeren“ Zuflüssen dosiert, dann erhalten die von stadtauswärts kommenden Verkehrsströme an sinnvollen Stellen kürzere Grünzeiten als eigentlich erforderlich und möglich.

Geplant sind weiterhin unter anderem die Einrichtung von 19 zusätzlichen Strategieschleifen (gesamt = 46) zur Erfassung der Verkehrsdichte an ausgewählten Netzquerschnitten, die Einrichtung von 20 Bluetooth-Messstellen zur Erfassung der Reisezeiten in ausgewählten Netzabschnitten, die Einrichtung einer Schnittstelle zur Übernahme der aktuellen Luftschadstoffbelastungen, die Einrichtung einer Schnittstelle zum vorhandenen Parkleitrechner, die Einrichtung von neun Verkehrslenk- und Informationstafeln an ausgewählten Querschnitten, die Ergänzung des Parkleitsystems, der Anschluss von acht bestehenden und drei geplanten Parkierungsanlagen sowie die Ergänzung der Wegweiserstandorte und eventuell die Einbindung in die Verkehrslenk-/ und Informationstafeln. Die Datenkommunikation der Verkehrstechnik soll durch den Glasfaserausbau modernisiert werden.

In der Gesamtstrategie zur Luftreinhaltung sind Maßnahmen enthalten zur Stärkung des Radverkehrs, zur Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), zur Elektrifizierung des Verkehrs und zum Verkehrsmanagement. Dazu zählen alle Maßnahmen, die den Verkehrsfluss verbessern oder zu einer Eindämmung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) führen.

Im Modal Split der Verkehrsträger in Offenbach am Main nimmt der motorisierte Individualverkehr mit 41 Prozent der Wege einen großen Stellenwert ein. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs beträgt 19 Prozent. Der Fahrradverkehr liegt mit zehn Prozent nahezu im Bundesdurchschnitt und der Fußverkehr mit 29 Prozent etwas darüber.

Umweltverbund soll gestärkt werden

Deshalb ist das Ziel der Gesamtstrategie Luftreinhaltung, besonders den Umweltverbund zu stärken. Dazu gehören der Ausbau des ÖPNV und die Reduzierung von Zugangsbarrieren. Geplant ist unter anderem die Einführung eines 15-Minuten-Takts auf allen Korridoren in der Nebenverkehrszeit (Montag bis Samstag von 20 bis 22 Uhr), die Neukonzeption und Anpassung von Linienwegen, die Optimierung der Verknüpfung zwischen S-Bahn und Bus, die Herstellung weiterer E-Mobilstationen zur Verbesserung der intermodalen Verknüpfung (Carsharing, Leihräder) und die Ausweitung der Betriebszeiten bis 2 Uhr durch Kombination der Stadtlinien. Damit wird nahezu das gesamte Stadtgebiet im 15-Minuten-Takt bedient.

Vor allem soll der Ausbau der Elektromobilität durch die Elektrifizierung der Busflotte vorangebracht werden. Ab Ende 2019 wird die Flotte der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) schrittweise durch Busse mit Elektroantrieb ersetzt sein. Dadurch werden bis 2023 mehr als ein Drittel aller Busse Elektrobusse sein. Es gibt bereits in Offenbach seit 2010 eine E-Mobilstation, die mit Fahrzeugen und Pedelecs ausgestattet ist. Dazu kamen mittlerweile sechs weitere in den Stadtteilen.

Das Verkehrsmanagement wird weitere Rad- und Fußwegeverbesserungen vornehmen. Im Rahmen von integrierten Stadtentwicklungskonzepten werden zusätzliche Radverkehrsanlagen ausgebaut, ein Konzept für Fahrradabstellanlagen für die Gesamtstadt wird aufgestellt und sechs Fahrradstraßen werden gerade im Rahmen eines Förderprojektes umgesetzt. Außerdem prüft eine Machbarkeitsstudie die Umsetzung eines Radschnellwegs von Hanau über Mühlheim nach Frankfurt.

In allen Umweltbereichen werden bereits geplante Maßnahmen zur Reduzierung der Luftschadstoffe und Wärmeemissionen genutzt. Im Rahmen der grün-blauen Stadtstrukturentwicklung sollen weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Dies gilt zum Beispiel im Rahmen des Klimaanpassungskonzeptes für die Hitzevorsorge durch Freiflächen- und Grünflächen- und Fassadengestaltung ebenso wie eine wassersensible Stadtgestaltung. Dazu gehören Renaturierungen, der Rückhalt und die Versickerung von Regenwasser, Anpassung von Bestandsgebäuden und die Verbesserung des Neubaustandards zur Gewährleistung von gesunden Arbeits- und Wohnverhältnissen im Gebäude und im Quartier.

Die Luftreinhaltung wird unterstützt durch den Erhalt und die Erweiterung der Grünstrukturen sowie relevanter land- und forstwirtschaftlicher Flächen, auch im regionalen Kontext. Dies dient auch der Sicherstellung des Luftaustausches zwischen den Kalt-/Frischluftentstehungsgebieten und den dicht bebauten Stadtgebieten. Der Erhalt und die Entwicklung des Biotopverbundsystems, von ökologischen Vorrangflächen und von Bodenfunktionen ergänzen das Portfolio.

Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz achtet darauf, dass alle relevanten Maßnahmen in den handlungsleitenden Konzepten der Stadt verankert und regelmäßig verknüpft werden. Von der Gesamtstrategie ausgehend, ist die Stadt optimistisch, die Grenzwerte für die Luftreinhaltung zukünftig einhalten zu können.

Heike Hollerbach

Die Autorin
Heike Hollerbach ist Leiterin des Amts für Umwelt, Energie und Klimaschutz der Stadt Offenbach am Main