Moderner Holzbau tickt anders

Zimmerer: Die Verwendung des Werkstoffs Holz ermöglicht es, gleichermaßen ressourceneffizient und CO2-einsparend zu bauen. - Foto: Kneschke/Adobe Stock

Die Kommunen haben großes Interesse an ressourcenschonendem Holzbau. Moderne Bauverfahren mit hohem Vorfertigungsgrad verkürzen die Bauzeit. Grundlegend für erfolgreiche Bauvorhaben ist die produktionsgerechte Planung von einem Team aus Architekten, Ingenieuren und Holzbauspezialisten.

Die Klimadebatte erinnert Städte und Gemeinden an ihre Schlüsselrolle beim Klimaschutz. Das Klimaabkommen von Paris bindet insbesondere Kommunen auf lokaler Ebene bei der Bewältigung des Klimawandels ein. So ist es an ihnen als Vorbild zu dienen, vor allem auf dem Bausektor.

Das Bauen verursacht gegenwärtig einen Anteil von über 50 Prozent des globalen Ressourcenverbrauchs. Ein Lösungsansatz, um Ziele wie Ressourceneffizienz und CO2-Einsparung zu erreichen, ist der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen mit hohem CO2-Speicherpotenzial im Baubereich. Die moderne Holzbauweise erfüllt beide Ziele und empfiehlt sich daher als Baustoff der Zukunft. Auch in der Charta für Holz 2.0 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist die Steigerung der Holzbauquoten im Wohnungs- und Gewerbebau sowie im öffentlichen Bauen ein wichtiges Ziel. Mit der Charta strebt das BMEL eine stärkere und ressourceneffizientere Holzverwendung aus nachhaltiger Forstwirtschaft an.

Neben den ökologischen Vorteilen zeichnet den Holzbau von heute die standardisierte Produktion von Bauelementen mit einem hohen Vorfertigungsgrad und hoher Qualität aus. Auf der Baustelle wird durch die Montage fertiger Elemente die Bauzeit wesentlich verkürzt. Durch das geringe Eigengewicht von Holz als Baumaterial gegenüber mineralischen Materialien ist die Holzbauweise zudem für Aufstockungen prädestiniert. Für kommunale Auftraggeber sind diese Gesichtspunkte im Bereich der Nachverdichtung und des innerstädtischen mehrgeschossigen Bauens von Bedeutung.

Das Interesse von Bauherren und Planern, die moderne Holzbauweise einzusetzen, ist sowohl im privaten wie kommunalen Bereich groß. Doch der vorgefertigte Holzbau tickt anders! Gegenüber den konventionellen Bauweisen müssen Festlegungen möglichst früh im Planungsprozess getroffen werden. Baubegleitende Änderungen sind durch die Vorfertigung nicht mehr möglich. Idealerweise wird ein Bauprojekt in Holzbauweise produktionsgerecht von einem Team aus Architekten, Ingenieuren und Holzbauplanern von Anfang an geplant und realisiert, um das Know-how für die spätere Vorfertigung möglichst früh in den Planungsprozess einbinden zu können.

Die etablierten Planungsprozesse, basierend auf konventionellen Bauweisen, stehen der holzbaugerechten Planung entgegen. Die klare Trennung zwischen der Planung und der Ausführung kommt an diesem Punkt an ihre Grenzen: Das Planungsteam, bestehend aus jeweils einzeln beauftragtem Architekt und Fachplanern, erstellt in aufeinander aufbauenden Planungsphasen eine sich stetig konkretisierende und für die Firmen umsetzbare Planung.

Spezielle Kompetentz gefragt

Die Aufgabe der Firma beschränkt sich darauf, diese Vorgaben in ihrer Werk- und Montageplanung zu organisieren und die Arbeiten vor Ort umzusetzen. Der Erstkontakt zwischen dem Architekten und der ausführenden Firma geschieht nach konventionellem, von der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) geprägtem Verlauf in der siebten von neun Leistungsphasen. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 66 Prozent des Architektenhonorars umgesetzt.

Ohne die spezialisierte Holzbaukompetenz in der Planungsphase sind nur wenige Architekten, Tragwerksplaner, Haustechnik- und Brandschutzbüros in der Lage, die Belange der Baukonstruktion, Ökonomie und des Fertigungsprozesses so gut einzuschätzen, dass eine optimierte Planung entstehen könnte. Der Normalfall ist vielmehr ein „Re-Design“ nach erfolgter Vergabe und eine Optimierung der bereits erstellten Planung infolge des späten Inputs der ausführenden Firma.

Grundlegend unterscheiden muss man Projekte mit öffentlichen und solche mit nichtöffentlichen Auftraggebern. Während der private Bauherr frei die für seine Belange optimierte und wirtschaftliche Lösung suchen kann, ist der öffentliche Auftraggeber an die Prinzipien Wirtschaftlichkeit, Transparenz, Wettbewerb und Gleichbehandlung gebunden und kann nur innerhalb der bestehenden Vergaberegularien agieren. Dass diese durchaus Handlungsspielräume bieten, ist eine bislang wahrscheinlich wenig verbreitete Erkenntnis.

Das Zusammenfassen von mehreren Gewerken bei der Vergabe kann ohne die Zustimmung der VOB-Stelle nicht erfolgen. Im vorgefertigten Holzbau ist es jedoch sinnvoll, die Gewerke Zimmermannsarbeiten und Fassadenarbeiten (Fassade, Fenster und Notdach) zur sogenannten dichten Hülle zusammenzuführen.

So konnte zum Beispiel beim Haus für Kinder in der Holtzendorffstraße in München durch die Vorfertigung von Wandelementen einschließlich Fassadenschalung ein Zeitdefizit, verursacht durch eine unvorhersehbare Winterbaumaßnahme, wettgemacht werden. Die Fenster wurden aufgrund der geltenden Trennung der Gewerke nach VOB separat eingebaut. Lieferschwierigkeiten der Fenster verhinderten jedoch einen früheren Innenausbau und führten zu aufwendigen Provisorien bei der Abdichtung des Gebäudes.

Zudem verlangt das vorgefertigte Bauen eine Anpassung von Leistungen innerhalb der Leistungsbilder nach HOAI. Die Leistungsbilder basieren auf den Gesetzmäßigkeiten der konventionellen Bauweise, die eine tiefe und detaillierte Ausarbeitung der Planung erst in der Leistungsphase 5 und teilweise baubegleitend vorsieht. Im Gegensatz dazu ist beim vorgefertigten Bauen mit Holz eine vertiefte Ausarbeitung der Planung bereits zum Ende der Entwurfsphase notwendig. Das führt zu einer Verschiebung von Leistungen innerhalb der gängigen Leistungsbilder.

Leistungen vetraglich festlegen

Die HOAI bietet die Möglichkeit, auf die holzbauspezifischen Planungsabläufe zu reagieren und lässt notwendige Verschiebungen zu. Im Projekt Leanwood wurden die Leistungsbilder aller Planer so gestaltet, dass sie rechtzeitig die erforderliche Planungstiefe sicherstellen. Die individuelle Gestaltung des jeweiligen Leistungsbildes, insbesondere die prozentuale Zuordnung der Grundleistungen in den Planungsablauf des Planungsteams ist projektspezifisch und bei Auftragserteilung zu überprüfen und vertraglich festzulegen.

Auf diesen Grundlagen sind Kommunen bereits jetzt in der Lage, holzbaugerechte Planungsprozesse durchzuführen. Die Umsetzung setzt ein Verständnis für die speziellen Anforderungen des Bauens mit Holz mit hohem Vorfertigungsgrad voraus. Entscheidend für den Erfolg eines Holzbauprojekts ist letztendlich, die für das Projekt und den Bauherrn geeigneten Maßnahmen zu finden und anzuwenden.

Manfred Stieglmeier

Der Autor
Manfred Stieglmeier ist Architekt und Stadtplaner in München mit Schwerpunkt Holzbau, vornehmlich im kommunalen Bereich. Zudem ist er an der TU München in der Holzbauforschung tätig und ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Bauen mit Holz in Stadt und Land“ der Charta für Holz 2.0 des Bundeslandwirtschaftsministeriums

Info: Modell Leanwood weist den Weg

Das Forschungsprojekt „leanWOOD“ der Technischen Universität München beschreibt dahingehend Maßnahmen für die Umsetzung eines vorgefertigten Holzbaus auf Grundlage der gültigen Vergabegesetzgebung. Priorisiert wird ein Planungswettbewerb gegenüber dem offenen Verhandlungsverfahren, da er neben weiteren Vorteilen ein qualitätsvolles, architektonisch hochwertiges Ergebnis gewährleistet. Anhand einer exemplarischen Wettbewerbsauslobung wird das Verfahren beschrieben. Die Einbindung der notwendigen Holzbaukompetenz auch in der Vorprüfungsphase und bei der Besetzung des Preisgerichts sind wichtige Bestandteile des Verfahrens. Das Modell soll Auslober, die öffentliche Vergabeverfahren betreuen und kontrollieren, bei der Umsetzung eines Bauwerks in vorgefertigter Holzbauweise unterstützen.