Ludwigsburg behält kühlen Kopf

Dienstgebäude des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen der Stadt Ludwigsburg: Fassadenbegrünungen tragen zur Verbesserung des Mikroklimas in Siedlungsbereichen bei. Foto: Stadt Ludwigsburg

Grüne Achsen in der Stadt werten den öffentlichen Raum für Wohnen, Arbeiten und Leben auf. Die Stadt Ludwigsburg hat ein Konzept erstellt, um urbane Grünflächen und Bäume zu schützen und an die Auswirkungen des Klima­wandels anzupassen. Die Bürgerschaft wird an den Plänen beteiligt.

 

Das Jahr 2015 war in Ludwigsburg (rund 93.000 Einwohner, Baden-Württemberg) sehr trocken. In der Folge ist der Grundwasserstand im Durchschnitt um mehrere Meter gesunken. Im städtischen Bereich finden die Pflanzen zusätzlich extreme Bedingungen vor, die ein gesundes Pflanzenwachstum erschweren. Trockenheit, Hitze, Platzmangel, mechanische Beanspruchung, Schadstoffbelastung setzen die Pflanzen unter großen Stress. Im Zuge des Klimawandels verändern sich die klimatischen Bedingungen zusätzlich.

Die sinkenden Grundwasserstände führen dazu, dass Bäume und Vegetationsflächen im Sommer vertrocknen. Aufwendige Bewässerungssysteme sind kosten- und wartungsintensiv – ganz zu schweigen vom hohen Wasserverbrauch. Bei den begrenzten Budgets der Grünflächenämter für die Pflege und Unterhaltung ist die Einrichtung einer künstlichen Bewässerung jedoch keine Lösung.

Um nachhaltig ein gesundes Stadtgrün zu erhalten, das den Ansprüchen der Klimaanpassung genügt, müssen Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung des Stadtgrüns getroffen werden. Diese beziehen sich aufgrund ihrer langen Entwicklungszeit vor allem auf Gehölze und Stadtbäume. Doch auch andere Herausforderungen und Aspekte spielen für das Grün in der Stadt eine wichtige Rolle.

Dazu zählen beispielsweise Wohnbauentwicklung und Wohnumfeld, attraktive öffentliche Räume, eine lebendige Innenstadt sowie Sport- und Erholungsräume. Es gilt, für diese Themenfelder die Ziele zu definieren, Maßnahmen abzuleiten, Zielkonflikte zu lösen und vor allem: stets vorausschauend zu agieren.

Die Stadt Ludwigsburg hat daher bereits vor über zehn Jahren mit Politik und Bürgerschaft das integrierte Stadtentwicklungskonzept (SEK) erstellt, das regelmäßig unter großer Bürgerbeteiligung fortgeschrieben wird. Teil dieses Konzeptes zur nachhaltigen Stadtentwicklung ist das Themenfeld „Grün in der Stadt“. Auch mit dem Klimawandel und der Klimaanpassung beschäftigt sich die Stadt seit mehreren Jahren intensiv.

Dabei ist deutlich geworden, wie wichtig die Erhaltung, aber auch die Stärkung und der Ausbau grüner Achsen und die gestalterische und klimatische Aufwertung des öffentlichen Raumes für das Wohnen, Arbeiten und Leben in der Stadt sind.

Instrumente gegen den Klimawandel

Für Ludwigsburg wurde ein Freiflächenentwicklungskonzept erarbeitet, das nun schrittweise umgesetzt wird. Parallel wird ein Klimaanpassungskonzept entwickelt. Beide Konzepte sind gleichzeitig integraler Bestandteil sämtlicher Abwägungsprozesse bei Entwicklungsplanungen in städtebaulichen Erneuerungsgebieten, bei der Wohnbaulandentwicklung, bei der Aufwertung und Ausweisung von Gewerbegebieten und auch bei den Verkehrsplanungen. Der Stadt steht damit ein Baukastensystem von strategischen Leitlinien und Handlungsfeldern bis hin zu praktisch durchführbaren Maßnahmen und Standards zur Verfügung, um auf den Klimawandel zu reagieren.

Eines der wichtigsten Gestaltungselemente des Freiflächenentwicklungskonzeptes sind die Stadtbäume. Deshalb werden Standards für klimaangepasste Baumarten festgesetzt und bei Neupflanzungen bereits angewendet. Ludwigsburg achtet auf eine vielfältige, klimaangepasste Artenauswahl sowie die Schaffung ausreichend großer Baumquartiere. Das Freiflächenentwicklungskonzept enthält unter anderem Empfehlungen zu Größen der Pflanzgruben und Baumgräben, die direkt in die Bauleitplanung einfließen – zum Beispiel bei der Erstellung der Bebauungspläne. So wird sichergestellt, dass einheitliche Regelungen zur Geltung kommen. Eine künstliche Bewässerung der Bäume nach der Entwicklungspflege ist nicht notwendig.

Für Standorte, an denen das Pflanzen von Bäumen und anderen Gehölzen nicht möglich ist (zum Beispiel wegen zu wenig Platz, Tiefgaragen, Nutzungskonflikte), hat Ludwigsburg im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „TURAS – Nachhaltige Städte und Regionen“ mit Partnern das „Grüne Zimmer“ entwickelt. Dieses besteht aus bepflanzten vertikalen Elementen und einem Dach aus Platanen. Es bewirkt im unmittelbaren Umfeld eine spürbare Abkühlung und erhöht die Aufenthaltsqualität. Das Grüne Zimmer wird über angrenzende Dachflächen künstlich bewässert. Für Orte, die aufgrund anderer Nutzung nicht dauerhaft begrünt werden können (z. B. Märkte, Feste) plant die Stadt mit den gleichen Projektpartnern die Entwicklung eines „Mobilen Grünen Zimmers“.

Bei der letzten Zukunftskonferenz im April 2015 zusammen mit Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft wurde deutlich, wie wichtig den Ludwigsburger Bürgern das Thema „Grün in der Stadt“ und Stadtklima ist. Mit dem vorgelegten Freiflächenentwicklungs- und Klimaanpassungskonzept startet die Phase der Bürgerbeteiligung.

Nicole Preußner

Die Autorin
Nicole Preußner ist Leiterin der Abteilung Grünflächen und Ökologie im Fachbereich Tiefbau und Grünflächen bei der Stadt Ludwigsburg

Info:Das Grüne Zimmer in Ludwigsburg ist Teil des EU-Forschungsprojekts „TURAS – Nachhaltige Städte und Regionen“. Darin wird untersucht, wie Städte und Regionen auf den Klimawandel reagieren können. Eine Möglichkeit, die Grünfläche im öffentlichen Raum zu vergrößern, stellt die Begrünung von Fassaden dar. Das Grüne Zimmer in Ludwigsburg sorgt als Insel in der Stadt an heißen Tagen für Schatten und Abkühlung. Insgesamt sind 140 Quadratmeter Vegetationsfläche entstanden. Mit Substrat gefüllte Gitterkörbe bilden die Wände. Darin wachsen rund 7000 Pflanzen von insgesamt 30 Arten.