„Kompletttausch des Lampenkopfs gut überlegen“

Wolfgang Endrich: „Ein LED-Einschraubmodul kann die Stromkosten sofort radikal reduzieren.“ - Foto: Privat

Der Austausch alter Lampenköpfe gegen LED-Systeme verspricht eine hohe Stromkosteneinsparung. Sind die Bestandslampen noch in gutem Zustand, kann sich dieser Weg dennoch als unwirtschaftlich erweisen, sagt Wolfgang Endrich, Geschäftsführer des Leuchtmittel-Spezialisten Eurolighting in Nagold.

Herr Endrich, warum sollten Ihrer Ansicht nach Kommunen gut überlegen, bevor sie bei 15 bis 20 Jahre alten Straßenlampen den kompletten Lampenkopf auf LED umrüsten, statt lediglich das alte, konventionelle Leuchtmittel durch ein LED-Austauschmodul zu ersetzen?

Endrich: Ein 30-Watt-LED-Austauschmodul kostet heute um die 45 Euro, hat Stromkosten von etwa 18 Euro pro Jahr und amortisiert sich durch die Energieeinsparung gegenüber einer 70-Watt-NAV-Birne mit 52 Euro jährlichen Stromkosten innerhalb von zwölf Monaten. Bei einem kompletten LED-Lampenkopf mit 30 Watt machen die Stromkosten ebenfalls 18 Euro aus, die Anschaffungskosten liegen aber zwischen 250 und 300 Euro. Hier beläuft sich die Amortisationsdauer auf rund zehn Jahre. Ich muss allerdings einschränken, dass die Retrofit-Lösung bei den 15 bis 20 Jahre alten Straßenlampen nur dann sinnvoll ist, wenn diese noch keine gravierenden Verschleißerscheinungen zeigen.

Anders als beim Kompletttausch erhalten Gemeinden für Modernisierungen mit Retrofit-Leuchtmitteln keine staatlichen Zuschüsse. Liegt das daran, dass die Austauschleuchtmittel nicht die geforderte mindestens 70-prozentige CO2-Einsparung garantieren können?

Endrich: Tatsächlich erreichen wir mit unseren Einschraubmodulen nicht ganz die 70 Prozent. Aber es muss auch gesagt werden, dass die Zuschüsse mehr der Förderung der Industrie dienen und weniger den Gemeinden. Denn sie werden aus den allgemeinen Steuerzahlungen gespeist.

Sind LED-Austauschmodule in zentralen Eigenschaften wie Lebensdauer oder Thermomanagement tatsächlich mit Komplettlösungen zu vergleichen?

Endrich: Direkte Vergleiche sind systembedingt nicht in allen Punkten möglich. Zum Thermomanagement beispielsweise kann ich sagen, dass es hier auf den bestehenden Lampenkopf ankommt. Wenn dieser von guter Qualität war, hat er auch ein gutes Thermomanagement.

Wie sieht es mit der Lichtqualität und der Dimmbarkeit aus?

Endrich: Die Lichtqualität bei Einschraubmodulen ist besser geworden und dürfte bei neuen Lampenköpfen sowieso gut sein. Zum Thema Dimmbarkeit: Wenn die Lampe schon vorher dimmbar war, ist sie auch mit einem Einschraubmodul dimmbar. Bei einem kompletten Lampenkopf dürfte dies bereits vorbereitet sein. Aber wie gesagt, hier fallen Vergleiche schwer. Entscheidend ist zu wissen, dass sich mit einer Retrofit-Lösung die Stromkosten sofort radikal reduzieren lassen, dass man ein besseres Licht hat, das sofort hell leuchtet, wenn man es einschaltet, und dass durch das serienmäßig eingebaute Überspannungsmodul ein zuverlässiger Schutz gegen Überspannungen im Netz oder gegen Blitzeinschläge besteht.

Auf was sollten die kommunalen Beschaffer achten, damit sie beim Kauf von Retrofit-Leuchtmitteln für die Straßenbeleuchtung gute Qualität mit langer Haltbarkeit und hoher Wirtschaftlichkeit erhalten?

Endrich: In jedem Fall darf der Preis nicht der entscheidende Faktor für den Kauf des Austauschmoduls sein. Praktisch ist es, wenn die Einschraubmodule über eine hochmoderne AC-Technik verfügen, wie wir sie anbieten. Sie macht die sonst übliche Stromversorgung überflüssig die ja immerhin auch sechs bis acht Watt Strom verbraucht. Durch den Wegfall der konventionellen Stromversorgungen ergibt sich automatisch eine sehr viel längere Lebensdauer der ganzen Einheit mit heute zwischen 30.000 und 50.000 Stunden. Auch das Gewicht ist entscheidend. Vielfach finden Sie fast ein Kilogramm schwere Module am Markt, die zu Problemen mit den Keramikfassungen in alten Lampen führen können. Bei unseren Austauschmodulen liegt das Gewicht bei rund 250 Gramm.

Welche Kennzeichnungen helfen den Beschaffern bei der Auswahl?

Endrich: Die Produkte sollten die üblichen Prüfzeichen wie TÜV, ENEC oder VDE führen, denn hier kann der Beschaffer eine geprüfte Qualität erwarten. Zudem ist es wichtig, bei einem seriösen Lieferanten zu kaufen.

Interview: Wolfram Markus