Holz macht alles mit

Temporäre Schule Mobischool in Trier: Das dreigeschossige Gebäude aus Holz mit 20 Klassenräumen soll in vier Jahren an anderer Stelle als Grundschule wiedererrichtet werden. - Foto: Ott

Die Bauaufgaben der Zukunft werden geprägt von digitalen Prozessketten, hohen Vorfertigungsgraden und kurzen Bauzeiten. Zudem steigt die Bedeutung von leichten und möglichst wieder verwendbaren Werkstoffen. All das spricht für die Verwendung von Holz bei kommunalen Bauprojekten.

Blickt man zurück mit der Frage, welche Gebäudetypen in der Vergangenheit mit Holz errichtet wurden, so könnte man folgern, Holzbau sei eine Sache für Einfamilienhäuser und Kindergärten. Das ist heute anders. Allein in Berlin werden gerade fünf große Mehrfamilienhäuser mit fünf und in einem Fall mit sieben Geschossen gebaut oder sind eben fertig geworden. Holzbau dringt in Bereiche vor, die ihm bislang verschlossen waren und das nahezu flächendeckend, allen Unterschiedlichkeiten bei den einzelnen Bauordnungen der Bundesländer zum Trotz.

Fokussiert man auf lupenreine kommunale Bauaufgaben, so fällt unter anderem auf, dass unlängst ein temporäres Schulgebäude in Gebäudeklasse 4 (Höhe bis zu 13 Meter) mit dem rheinland-pfälzischen Holzbaupreis bedacht wurde. Es soll an seinem Standort in Trier einige Jahre verbleiben und dann innerhalb des Stadtgebietes an einen anderen Schulstandort versetzt werden. Der Status eines Provisoriums ist mit keinerlei Kompromissen erkauft: Alle Bauvorschriften werden wie bei einem stationären Bau eingehalten.

Diese Beispiele, die man beliebig fortsetzen könnte, zeigen, dass offenbar einiges passiert ist. Und – bei aller Liebe zum Holz –, im Wettbewerb und bei meist limitierten Budgets sind Bauentscheidungen zumeist kostenorientiert.

Wo die Rahmenbedingungen stimmen und materialgerecht geplant wird, kann Holz inzwischen mithalten. Die „Lernkurve“ und die technologische Entwicklung haben dafür gesorgt, dass Holzelemente kostengünstig, schnell und mit hoher Qualität gefertigt werden können. Technologisch führende Betriebe setzen im Rahmen eines digitalen Workflows keinen Druckluftnagler, keinen Akkuschrauber mehr ein. Ganze Wände und Decken werden komplett maschinell erstellt, Dämmung automatisch eingeblasen, Fenster eingesetzt und bei Bedarf schon das Oberflächenfinish erledigt, innen wie außen.

Fließende Grenzen zwischen den Baustoffen

Auch wenn eine Standardisierung weitere Kostenvorteile bringt, ist bei derartigen Herstellungskonzepten die individuelle Einzelfertigung (Losgröße 1) möglich. Diese Entwicklung hat den Bau hybrider Gebäude begünstigt. Die Grenzen zwischen den Baustoffen werden fließend. Gemeint sind Bauten, deren tragender Kern konventionell mit einem hoch flexiblen Stahlbetonskelett erstellt wird, die Innenwände mit flexibel veränderbaren Holztafelwänden und die hoch energieeffiziente Gebäudehülle als „schnelle Holzfassade“. Die Summe der Vorteile besteht aus Zeit- und Kostenersparnis, reduzierten Gewichten (Statik) sowie einer höheren Ressourceneffizienz.

Spätestens mit dem letztgenannten Aspekt kommt auch die ökologische Bilanz ins Spiel. Nach den Erkenntnissen des Thünen-Institutes werden in Europa 40 Prozent der Treibhausgasemissionen und des Energieverbrauches durch den Bau und Betrieb von Gebäuden verursacht. Korrespondierend und in gleicher Höhe bewegen sich Rohstoffverbrauch und Abfallaufkommen. Acht Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen entstehen allein durch die Herstellung und spätere Entsorgung von Bauprodukten. Pro Kopf der Bevölkerung haben wir „einen Rucksack“ von etwa 650 Tonnen verbauter Substanz. Bei den derzeit stark steigenden Bauaufgaben wird klar, dass der Material- und die Ressourceneffizienzfrage eine hohe Bedeutung zukommt.

Gebaut und verdichtet wird vorrangig in den urbanen Zentren. Wo sozusagen am offenen Herzen operiert wird, kommt es auf eine schnelle und effiziente Baustellenabwicklung an. Moderne Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM) ermöglichen die Simulation kompletter Baustellenabläufe, Variantenstudien sowie Optimierungen für den gesamten Lebens- und Bewirtschaftungszyklus von Gebäuden.

Variable Systembauten

Was bedeutet das nun für kommunale Bauaufgaben? Prinzipiell ist jede Bauaufgabe mit Beteiligung von Holz lösbar. Das lässt sich anhand gebauter Beispiele vom Feuerwehrgebäude bis hin zum Parkhaus mit Holztragwerk belegen. Auch angesichts der vielen unterschiedlichen Sonderbauten in Kommunen sollte man nicht vergessen, dass ein hoher Prozentsatz von Kommunalbauten recht standardisierbar ist. Damit ist das Potenzial gegeben, mit einer intelligenten Planung das Maximum an Vorteilen (Vorfertigung, Schnelligkeit, hohe Qualität) aus dem Baustoff Holz herauszuholen.

Eine Reihe von Kommunen hat gute Erfahrungen mit Systemkindergärten gemacht, die sich in Größe und Geometrie an verschiedene Anforderungen anpassen lassen. Zu nennen wären hier beispielsweise Dresden, Ulm und München. Vergleichbares wurde in Frankfurt am Main auf Sporthallen und Sportfunktionsgebäude angewendet. Für den Wohnungsbau in kommunaler Trägerschaft sind die vom Gesamtverband der Wohnungswirtschaft in einem großen Wettbewerb ermittelten Konzeptlösungen zu erwähnen. Mit neun von der Jury ausgewählten Projektteams wurden Rahmenverträge zu festen Konditionen abgeschlossen, derer sich die Mitgliedsunternehmen des Verbandes bedienen können. Zwei der Mustergebäude sind lupenreine Holzbauten, eines ein Hybridbau.

Geht man derart rational an künftige Bauaufgaben heran, so werden wir künftig deutlich mehr Holz in unseren Kommunen sehen. Der Warnhinweis auf der Verpackung: Im Geleitzug unseres föderalen Systems gibt es baurechtlich Schnelle und Langsame. Auch wenn die generelle Richtung pro Holz stimmt, so hat es doch mehr als anderthalb Jahrzehnte gedauert, bis das letzte Bundesland die Musterbauordnung des Bundes bei sich ins Baurecht umsetzt.

Hannsjörg Pohlmeyer

Der Autor
Hannsjörg Pohlmeyer ist Mitglied des Landesbeirats Holz Rheinland-Pfalz in Boppard

Info: Die Bildergalerie zu diesem Artikel gibt einen kleinen Einblick in die Vielfalt des kommunalen Holzbaus.