Der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit

3D-Druck: Die kommunale Wirtschaftsförderung muss sich auf den Einzug digitaler Industrieprozesse vorbereiten. - Foto: Science Photo/Fotolia

Die fortschreitende Digitalisierung von Industrie und Gewerbe bringt wachsende Anforderungen an die Standortpolitik mit sich. Die Wirtschaftsförderung der Metropole Ruhr zum Beispiel kümmert sich um stetigen Informationsaustausch sowie regelmäßiges IT-gestütztes Branchen- und Gewerbeflächenmonitoring.

Die Bedeutung von Industrie 4.0 für die regionale Wirtschaft ist hoch und wächst schnell. Alles, was digital werden kann, wird digital werden. Eine Binsenweisheit, die aber enorme Bedeutung für die Arbeit regionaler Wirtschaftsförderung hat. Heute definiert sich Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen nämlich wesentlich darüber, dass diese den nächsten Schub der Digitalisierung, den Einsatz digitaler Sensorik und Aktorik in sogenannten cyber-physischen Systemen nicht verpassen. Gerade die außerordentlichen Produktivitätsgewinne, die durch die direkte Maschine-Maschine-Interaktion entstehen, verschaffen einen Wettbewerbsvorteil, der definieren wird, wer künftig zu den ökonomischen Champions gehören wird und wer auf der Strecke bleibt.

Gemeinsam mit Trends wie 3-D-Druck im professionellen Maßstab und Big-Data-Analyse bietet sich mit dem Einzug der Industrie 4.0 die Chance, Produktion zurück nach Deutschland zu holen, die bisher in Niedriglohnländern stattgefunden hat. Denn Lohnkosten sind in automatisierten Fertigungsprozessen nicht mehr der entscheidende Faktor für den Preis eines Produkts. Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz dieser Technologien eine Individualisierung selbst seriell gefertigter Produkte exakt nach Kundenwunsch. Diese wird von Marktseite immer stärker nachgefragt und ist deshalb für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit notwendig. Gerade für die Metropole Ruhr, mit 5,1 Millionen Einwohnern der drittgrößte polyzentrische Ballungsraum Europas mit einem riesigen Absatzmarkt, kann so ein neues industrielles Zeitalter heraufziehen.

Chancen der digitalen Transformation

Die Produktion vor der Haustür des Kunden wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Insbesondere die gut ausgebauten Verkehrswege bieten die Möglichkeit, Kunden in ganz Westeuropa binnen weniger Stunden mit individualisierten Gütern zu beliefern. Die Metropole Ruhr hat eine industrielle Vergangenheit und einen weiterhin starken industriellen Sektor, Industrie bildet ihre DNA. Die Projekte der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR) und ihrer Partner setzen hier an und leisten einen Beitrag, diese Chancen der digitalen Transformation für die regionale Wirtschaft zu realisieren.

Hierzu gehört eine kontinuierliche Verbesserung der harten Standortfaktoren in der Region. Während die Verbesserung des Ressourceneinsatzes in der Produktion im Mittelpunkt der Projekte „Greentech Ruhr“ und „Ressourceneffiziente Gewerbegebiete“ liegt, unterzieht das „Gewerbliche Flächenmanagement“ alle Brachen einem kontinuierlichen Monitoring, um sie einer möglichst schnellen Verwertung als Standort für gewerbliche und industrielle Nutzung zuzuführen. So wird Fertigung in der Stadt erst möglich; liegen viele dieser Brachen aufgrund der montanindustriellen Vergangenheit der Region doch in zentraler Lage.

Das Monitoring geschieht auf Basis der vollständigen Abbildung aller Gewerbe- und Industrieflächen im Geodateninformationssystem Ruhr-AGIS, verknüpft mit der Hinterlegung des ansässigen Gewerbes auf der Fünfstellerebene der Wirtschaftszweig-Codes. Ein solch präzises Geodateninformationssystem ist im Rahmen regionaler Wirtschaftsförderung in Deutschland einmalig.

Bedeutung innovativer Milieus wächst

Um im durch die digitale Transformationen noch gesteigerten Wettbewerb bestehen zu können, gewinnen Innovationen und innovative Milieus immer mehr an Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass gerade durch Cross-Innovation an den Schnittstellen unterschiedlicher Leitmärkte Spill-Over-Effekte entstehen, die allen Beteiligten zugutekommen.

Diese stärkt die WMR durch den stetigen Austausch zwischen Unternehmen unterschiedlicher Leitmärkte sowie der anwendungsnahen Forschung. Im Projekt „Engage NRW“ bringen die WMR und ihre Partner etablierte Industrie und Game-Entwickler zusammen, um einfach zu bedienende Softwarelösungen für Anwendungen im industriellen und gewerblichen Umfeld zu entwickeln, die spielerisch zu bedienen sind. Mit dem Ruhr-Hub wird Existenzgründern aus der digitalen Wirtschaft ein Co-Working-Space zur Verfügung gestellt, der verbunden mit individuellem Coaching als Inkubator und Accelerator für neue digitale Geschäftsmodelle fungiert.

Aber auch innerhalb von bestimmten Leitmärkten ist digitale Innovation der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Dies zeigt anschaulich für die Logistik das Projekt „Innerstädtische LKW-Navigation“, das gemeinsam mit HERE, einer Tochter der deutschen Automobilindustrie, von der WMR mit ihren kommunalen Partnern entwickelt wird. Es ermöglicht schon heute die Abbildung der Spezifika der Verkehrsregeln und -restriktionen für Lkw im innerstädtischen Verkehrsnetz. Ausgeweitet wird dieses System nun auf die Gelände großer produzierender Unternehmen. Damit werden Irrfahrten sowohl im innerstädtischen als auch im Werksverkehr erheblich reduziert und es entsteht ein unmittelbarer ökologischer und ökonomischer Mehrwert.

Börje Wichert / Jörg Kemna

Die Autoren
Börje Wichert ist Bereichsleiter Standortentwicklung der Wirtschafts­förderung Metropoleruhr (WMR) in Essen, Jörg Kemna ist Büroleiter der Geschäftsführung der WMR