Bocholt pflegt Kontakte

Anerkennung für Bocholt: Bürgermeister Peter Nebelo präsentiert die Auszeichnung „Europaaktive Kommune in Nordrhein-Westfalen“. Sie wurde der Stadt Ende Oktober von Europaministerin Angelica Schwall-Düren verliehen. Foto: Wansing

Die Stadt Bocholt ist als „Europaaktive Kommune in Nordrhein-Westfalen“ ausgezeichnet worden. Der Titel würdigt das jahrzehntelange Engagement der Kommune für Verständigung und internationale Beziehungen. Bürgermeister Peter Nebelo charakterisiert die vielfältigen Aktivitäten der Stadt.

Die Stadt Bocholt (rund 74.000 Einwohner) bezeichnet sich bereits seit Jahrzehnten als „Stadt mit europäischem Auftrag“ und erhielt mehrere europäische Auszeichnungen. Die höchste Ehrung auf kommunaler Ebene, der Europa-Preis des Europarates, wurde ihr im Jahr 1993 verliehen. Dieser europäische Auftrag leitet sich zum einen aus der Lage an der deutsch-niederländischen Grenze her, zum anderen durch die bereits seit vielen Jahren bestehenden lebendigen Städtepartnerschaften und internationalen Beziehungen.

Seit dem 31. Oktober 2014 trägt die Stadt nun auch den Titel „Europaaktive Kommune in Nordrhein-Westfalen“. Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Dr. Angelica Schwall-Düren, sagte anlässlich der Zeremonie im Beisein vieler Vertreter aus Vereinen, Schulen und Institutionen: „Mit dieser Auszeichnung möchte die Landesregierung die Europaarbeit Ihrer Stadt würdigen.“

EDie Beziehungspflege der Stadt Bocholt zu den Partnerstädten Aurillac und Arpajon (Frankreich), Bocholt (Belgien) und Rossendale (Großbritannien) sowie zu den befreundeten Städten Akmene (Litauen) und Wuxi (China) weist mehr als 30 jährliche Begegnungen auf. In unterschiedlichen Bereichen zeigen unsere Bürger, wie eng Vereine und Institutionen in den Bereichen Praktika, Delegationsbesuche und Arbeitstreffen zusammenarbeiten. In Bocholt gibt es mehr als 20 deutsch-ausländische Gesellschaften, die Europa auf der bürgerschaftlichen Ebene leben. Darüber hinaus sind in Bocholt rund weitere 60 Vereine, Gruppen, Institutionen, Schulen und Unternehmen aktiv, die persönliche Kontakte mit ihren Pendants im europäischen Ausland pflegen.

Bocholt hat sich im vergangenen Jahr weiter europäisch ausgerichtet. Nach umfangreichen Vorbereitungen in Politik und Verwaltung nahm in diesem Jahr das Europabüro mit Sitz im Europa-Haus seine Arbeit auf. Dieses Büro arbeitet – wissenschaftlich begleitet und auf die örtlichen Begebenheiten in der Europastadt Bocholt zugeschnitten – nach den Richtlinien des RGRE-Handbuches „Europaarbeit in den Kommunen“. Das Büro Bocholt tritt bei allen europäischen Aktivitäten als Koordinationspartnerin auf, stellt Kontakte her und begleitet sie im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Beitrag der Bürger

Die Lage der Stadt an der deutsch-niederländischen Grenze macht die interkommunale Zusammenarbeit auf der verwaltungs- und bürgerschaftlichen Ebene ebenfalls selbstverständlich. Auch hier arbeitet das Europabüro durch die Vernetzung und Einbindung zusätzlicher Akteure, so zum Beispiel des Integrationsbeauftragten der Stadt, daran, die europäischen Aktivitäten vor Ort und in den Partnerkommunen sowie -schulen zu fördern. Seitens der Stadt Bocholt wurde die Partnerschaftsbeauftragte in das Europabüro entsandt. Ihre Arbeit wird ergänzt durch die Mitarbeiter des angegliederten Europe-direct-Informationszentrums Bocholt und dessen Träger, die städtische Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft.

Die Europaarbeit in Bocholt wird auch politisch begleitet. Zwei politische Gremien – der Ausschuss für Städtepartnerschaften und der Internationale Beratungsausschuss der Städte Bocholt (D) und Aalten (NL) – kümmern sich um die entsprechenden Angelegenheiten und bereiten die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und beider Räte vor. Sie tagen bis zu vier Mal im Jahr und setzen sich zusammen aus Stadtverordneten, sachkundigen Bürgern sowie – im Falle des Internationalen Beratungsausschusses – niederländischen Ratsmitgliedern.

Die europäischen Aktivitäten – insbesondere mit den Partnerstädten – werden durch die Stadt bezuschusst. So gibt es nach den städtischen Richtlinien Zuschüsse für Reisen in die Partnerstädte, aber auch Zuschüsse für den Aufenthalt europäischer Gäste. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Jugend. Am 10. April 2014 fand zum ersten Mal in Bocholt der „Tag der Nachbarsprache“ mit 500 Schülern aus Bocholt und den niederländischen Nachbargemeinden statt. In Workshops arbeiteten die jungen Leute einen Tag zusammen und lernten sich persönlich sowie die jeweilige Nachbarsprache kennen.

„Bocholt lebt Europa!“ ist das Ergebnis jahrzehntelanger Europaarbeit. Die Bürger haben mit ihren Aktivitäten, die oftmals ehrenamtlich und mit einem erheblichen persönlichen und finanziellen Aufwand geleistet werden, dazu beigetragen, dass die Stadt als „Europaaktive Kommune in Nordrhein-Westfalen“ geehrt wurde.

Peter Nebelo

Der Autor
Peter Nebelo ist Bürgermeister der Stadt Bocholt in Nordrhein-Westfalen