„Bin als Mensch und Führungskraft gereift“

Claudia Karabensch: „Lebenslanges Lernen ist für jeden einzelnen Mitarbeiter in der Kommunalverwaltung äußerst wichtig.“ - Foto: Privat

Claudia Karabensch, Sachgebietsleiterin bei der Stadt Pforzheim, ist eine Mitarbeiterin, wie Rathäuser sie sich wünschen dürften. Engagiert, fachlich kompetent, mit Spaß an Führungsaufgaben und vor allem weiterbildungswillig. Im Interview berichtet sie über ihr mit Bravour absolviertes Masterstudium.

Frau Karabensch, was waren Ihre Beweggründe, ein berufsbegleitendes Masterstudium zu absolvieren?

Karabensch: Man muss lernen und arbeiten und sich trauen, wenn man wirklich leben will. Dieser kluge Satz von Vincent van Gogh spiegelt meine Einstellung wider, dass berufliche und persönliche Weiterentwicklung sowie das Erschließen neuer Kompetenzbereiche einen hohen Stellenwert im eigenen Leben haben sollten. Der berufsbegleitende Masterstudiengang Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg bot mir hierfür die besten Voraussetzungen. Für mich war relativ schnell klar, dass ich in der öffentlichen Verwaltung bleiben möchte und dass mich insbesondere Management- und Führungsaufgaben interessieren.

Was war das Besondere an den Angeboten in Ludwigsburg?

Karabensch: Wir wurden im Rahmen eines ausgewogenen Blended-Learning-Systems, das Theorie und Praxis miteinander verknüpft, auf die Übernahme von Führungsaufgaben vorbereitet. Das Masterstudium dort vermittelt ganzheitliche Kompetenzen im Bereich Mitarbeiterführung, Organisation und Management sowie das notwendige Fachwissen für unterschiedliche kommunalrelevante Themenbereiche. Die Dozenten sind Experten aus Wissenschaft und Praxis und die Themen werden abwechslungsreich und praxisnah vermittelt.

Wie hoch war der zeitliche Aufwand für das Studium?

Karabensch: Etwa 20 Stunden pro Woche, in Prüfungszeiten sogar mehr, je nachdem, wie intensiv man sich den jeweiligen Themen gewidmet hat und wie intensiv die Zusammenarbeit in der Lerngruppe gestaltet wurde. Bei dem Studiengang gibt es im Rahmen von fünf Semestern insgesamt 55 Präsenztage an der Hochschule, etwa einmal im Monat freitags und samstags ganztägig. Hinzu kommen Selbstlernphasen, in denen die Studienbriefe zur Vorbereitung auf die Präsenztage sowie weitere Unterlagen aus den Präsenztagen zur Vorbereitung auf die Prüfungen durchzuarbeiten sind.

Wie haben Sie Beruf und Studium zeitlich koordiniert?

Karabensch: Mit viel Disziplin, gutem Zeitmanagement und Durchhaltevermögen, um es einmal so zu sagen. Insbesondere an den Wochenenden und nach Feierabend habe ich noch eine Extraschicht für den Master eingelegt, um Studienbriefe durchzuarbeiten oder Präsentationsteile gemeinsam mit meiner Lerngruppe vorzubereiten. Da mussten dann Privatleben und soziales Umfeld oft stark zurückstehen.

Arbeitgeber gewährte Freistellungstage

Die Belastungen aus einem berufsbegleitenden Studium zeigen Folgen auch am Arbeitsplatz, etwa weil der Studierende in Abständen für die Präsenztage frei nehmen muss. Wie ist man im Rathaus Pforzheim damit umgegangen?

Karabensch: Die Kolleginnen und Kollegen und die Verantwortlichen der Stadtverwaltung haben mich dankenswerter Weise mit großem Verständnis unterstützt, sodass ich ausreichend Zeit für das Studium hatte. Mit insgesamt 23 bezahlten Freistellungstagen ermöglichte es mir mein Arbeitgeber, die Präsenztage an der Hochschule zu besuchen. Zum Ende des Studiums, als durch die Vorbereitung auf die Prüfungen und die Master-Thesis mein zeitlicher Aufwand stieg, durfte ich für ein Jahr meine Arbeitszeit flexibel auf 75 Prozent reduzieren. So konnte ich in beiden Bereichen, Beruf und Studium, gleichermaßen konzentriert und erfolgreich arbeiten.

Was hat das Masterstudium gekostet und wie haben Sie es finanziert?

Karabensch: Insgesamt rund 3000 Euro. Die Summe resultiert aus den 500 Euro Studiengebühren pro Semester, zu denen jeweils noch Studentenwerks- und Druckkostenbeiträge hinzukamen. Mein Arbeitgeber beteiligte sich zu 80 Prozent an den Kosten. Ein derart hoher Zuschuss ist bei einer sehr guten Gesamtabschlussnote möglich, grundsätzlich sieht die entsprechende Regelung der Stadt Pforzheim zur Bezuschussung der Studienkosten eine finanzielle Beteiligung von mindestens 30 Prozent vor.

Was hat Ihnen das Studium sowohl an Wissen als auch in Bezug auf Ihre persönliche Entwicklung gebracht?

Karabensch: Wir hatten im Masterstudium die Möglichkeit, uns intensiv in der Theorie mit kommunalrelevanten Themen zu beschäftigen, die von einem enormen Praxisbezug geprägt sind. Gerade der unmittelbare Transfer von der Theorie in die Praxis bedeutet einen großen Erfahrungsgewinn, den man durch Lernen nur in den Büchern nicht erreicht. Durch das Studium und die Arbeit in der Verwaltung habe ich darüber hinaus viele interessante Menschen kennengelernt und neue Kontakte knüpfen können. Das so entstandene berufsübergreifende Netzwerk erweist sich als besonders wertvoll. Wenn darüber hinaus während des Studiums Freundschaften entstehen, macht dieses gleich doppelt so viel Freude. Noch eines kommt hinzu: Bei der Stadt Pforzheim konnte ich die Inhalte meiner Masterarbeit nahezu deckungsgleich in ein ämterübergreifendes Projekt einbringen, was mir Erfahrungen im Projektmanagement brachte und ermöglichte, viele Aspekte aus anderen Fachbereichen der Verwaltung kennenzulernen. Ich denke, dass ich über die herausfordernde Zeit mit Job und Studium als Mensch und Führungskraft gereift bin und an Persönlichkeit deutlich hinzugewonnen habe.

Können Sie das erlernte Wissen unmittelbar an Ihrem Arbeitsplatz einsetzen?

Karabensch: Auf jeden Fall! Insbesondere was die Mitarbeiterführung und die Organisationsentwicklung betrifft, setze ich mein neues Wissen tagtäglich und unmittelbar in der Praxis am Arbeitsplatz um. Aber auch alle weiteren im Studium bearbeiteten Themenbereiche und Inhalte haben einen großen Einfluss auf mein Führungsverhalten. Der allerdings größte Wissenszuwachs spiegelt sich in der persönlichen und fachlichen Haltung auf verschiedenen Ebenen und zu unterschiedlichen Themenbereiche wider. Die Verknüpfung meines Erststudiums in der Sozialpädagogik mit dem Masterstudium hat mein Wissen um die Logik und Systematik auf verschiedenen Ebenen der Politik, der Verwaltung, in diversen Rechtsbereichen sowie im Bereich Ethik und Management definitiv erweitert und vertieft.

Mastertitel genießt hohe Wertschätzung

Was können Sie Studierwilligen aus Kommunalverwaltungen an Empfehlungen und Tipps mitgeben?

Karabensch: Wichtig ist natürlich, sich bewusst zu machen, dass ein berufsbegleitendes Masterstudium sehr viel Eigeninitiative, Eigenmotivation, Disziplin und Engagement sowie ein hohes Maß an Selbst- und Zeitmanagement erfordert. Der Zugewinn im Hinblick auf die eigene Persönlichkeit und das Fachliche lohnt aber die Mühen unbedingt und ist gerade auch für die Persönlichkeitsentwicklung unbezahlbar. Zudem wird mit dem Master ein akademischer Grad erworben, der in der Praxis sehr viel Anerkennung und Wertschätzung genießt. Ich meine, dass Investitionen in Fort- und Weiterbildungen auf diesem Niveau für die Kommunalverwaltungen äußerst gewinnbringend sind. Sie sollten daher von den Verantwortlichen der Personalämter vermehrt fokussiert und gefördert werden.

Wie beurteilen Sie selbst die Entwicklung hinsichtlich eines zu erwartenden Fachkräftemangels in den Kommunalverwaltungen?

Karabensch: Ich denke tatsächlich, dass es zukünftig für einige Fachbereiche in den Rathäusern immer schwieriger werden wird, offene Stellen mit geeignetem Personal zu besetzten. Aus eigener Erfahrung kann ich insbesondere für den sozialen Bereich sprechen. Auf Grund der aktuellen Herausforderungen beispielsweise im Bereich der Integration von Zuwanderern wird sich der Bedarf an zusätzlichem Personal um ein Vielfaches erhöhen. Umso wichtiger ist es für die Verwaltungen, im Wettbewerb um die besten Köpfe mithalten zu können.

Sind aus Ihrer Sicht Personalqualifizierungsoffensiven in den Rathäusern notwendig?

Karabensch: Angesichts der wachsenden Herausforderungen und vor allen Dingen, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, muss sich die Kommunalverwaltung hinsichtlich der Personalqualifizierung neu positionieren und Strategien entwickeln, um Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu halten. Die Investition in das eigene Personal ist wichtiger denn je und langfristig eine lohnende Angelegenheit. Die Stadt Pforzheim hat dies erkannt und sich über viele Projekte auf den Weg gemacht, den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Und dies, obwohl man schon in der Vergangenheit hier gut aufgestellt war und ein sehr ausgeprägtes Fortbildungs- und Qualifizierungsprogramm für die Mitarbeiter entwickelt hat.

Sehen Sie die Erfordernis für den einzelnen Mitarbeiter, lebenslang zu lernen?

Karabensch: Die Arbeitswelt ist schnelllebig und komplex geworden, was gestern noch aktuell war, kann heute schon überholt sein. Lebenslanges Lernen ist deshalb für jeden einzelnen Mitarbeiter äußerst wichtig. Aber auch für die Entwicklung und den Erhalt der eigenen inneren Motivation ist es nicht unerheblich, neuen Input zu erhalten und bereits Bestehendes zu hinterfragen und somit positiver Veränderung und neuen Entwicklungen einen Raum zu geben. Der Arbeitgeber kann dafür die passenden Rahmenbedingungen und Angebote schaffen, wahrnehmen muss die Möglichkeiten aber jeder selbst.

Interview: Wolfram Markus

Zur Person: Nach einem Bachelorstudium an der Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen mit der Fachrichtung Soziale Arbeit in Bildung und Beruf, trat Claudia Karabensch (Jg. 1986) im Oktober 2011 als Schulsozialarbeiterin in den Dienst der baden-württembergischen Stadt Pforzheim (rund 118 000 Einwohner). Drei Jahre später, im September 2014, startete sie ihr berufsbegleitendes Masterstudium Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg und schloss dieses im Februar 2017 als Zweitbeste ihres Jahrgangs mit der Gesamtnote 1,5 ab. Im Oktober 2015 übernahm Claudia Karabensch die Teamleitung im Sachgebiet Jugendsozialarbeit an Schulen des Pforzheimer Jugend- und Sozialamtes, seit Dezember 2016 ist sie Leiterin des Sachgebiets. Zu ihren Aufgaben gehören Organisation, Teamentwicklung und Mitarbeiterführung von 35 Schulsozialarbeitern innerhalb des Sachgebietes, die Weiterentwicklung des Gesamtkonzeptes und der Arbeitsbereiche, die Entwicklung und Umsetzung von bedarfsgerechten Projekten und die Zusammenarbeit und Vernetzung mit Kooperationspartnern.