Bezahlen im Rathaus? Bitte online!

E-Payment: Die Bürger nutzen im Alltag vielerlei digitale Services. Sie erwarten die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens daher auch von der Verwaltung. - Foto: Radkov/Adobe Stock

Ein wichtiger Bestandteil der Verwaltungsmodernisierung ist das bargeldlose Bezahlen. Wirkliche Vorteile entstehen für das Rathaus aber erst, wenn auch die nach­gelagerten Abrechnungen digitalisiert sind. In Zukunft dürften zwei bargeldlose Bezahlvarianten dominieren: Giropay und Mobile Payment.

E-Government ist ein facettenreicher und zäher Prozess. Doch er läuft. Die nächste Phase betrifft das Rechnungswesen und soll nächstes Jahr abgeschlossen werden. Noch bis zum 18. April 2020 haben Kommunen Zeit, ihren Zahlungsverkehr zu digitalisieren. Dann endet die Frist zur Umsetzung des E-Rechnungsgesetzes.

Nach Umsetzung des Gesetzes wären alle Kommunen in der Lage, Versand und Verbuchung von Rechnungen digital zu erledigen. Doch nicht jedes Rathaus mit Breitbandanschluss schöpft aus dem Vollen der digitalen Möglichkeiten. Wie das Forschungsinstitut Ibi Research herausfand, bieten zwar vier Fünftel von befragten 270 Kommunen ihren Bürgern die Möglichkeit, Rechnungen online zu begleichen. Doch nur knapp 30 Prozent dieser digitalen Rathäuser können nach Eingang der Zahlung diese auch digital weiterverarbeiten.

Doppelaufwand vermeiden

In den restlichen Stadtkassen wird erst einmal der Papierdrucker bemüht, um die Zahlungsdaten der ausgedruckten Rechnungen anschließend in ein internes Abrechnungssystem zu überführen. Ein widersinniger Prozess mit hohem Aufwand. Laut Studie investiert das Personal für diese mühsame Kombination aus analogem und digitalem Worfklow 21 Arbeitsstunden pro Monat. Im Falle einer vollständigen Digitalisierung läge der Aufwand bei gerade einmal neun Stunden – eine lukrative Verdienstmöglichkeit für Finanzunternehmen.

An die Kooperation mit externen Anbietern haben sich die Rathäuser im Zuge des E-Government genannten Strukturwandels bereits gewöhnt. Die Vorzüge liegen nicht nur bei der Effizienzsteigerung interner Abläufe. Der Wegfall von Bargeld spart dessen Transport- und Aufbewahrungskosten, zudem geht der Trend gesellschaftsweit zum bargeldlosen Bezahlen, wenn auch langsamer als gedacht. Zahlt der Bürger ohnehin mit seiner Smartphone-App, tut er das auch im Rathaus oder mit seinem Endgerät auf der Parkbank davor – die Überzeugungsarbeit zum Zahlen ohne Papierbeleg ist bereits geleistet worden.

Zwei bargeldlose Bezahlvarianten dürften die Zukunft dominieren: Giropay und Mobile Payment. Schon heute wendet sich der Bürger an die Kommune, begleicht Rechnungen und tauscht Dokumente aus, ohne das Rathaus zu betreten oder telefonisch Kontakt aufzunehmen. Eine bargeldlose Zukunft bedeutet für das E-Government daher eine Konzentration auf das mobile Bezahlen, Mobile Payment genannt. Erhält der Bürger eine Rechnung, findet er neben der Aktennummer auch einen QR-Code. Mit seinem Smartphone liest er diesen aus, woraufhin er weitergeleitet wird auf die Seite eines Dienstleisters, die ihm verschiedene Bezahldienste offeriert. Der Bürger sucht sich denjenigen seiner Wahl heraus und bezahlt.

Diesen Service verantworten allerdings nicht die Bezahldienste selber, etwa Paypal oder Giropay, sondern Anbieter wie Epay Kommunal oder Epay BL. Sie bieten Kommunen eine Software, die den gesamten Rechnungslauf zusammenfasst. Bis auf die Eingabe der relevanten Rechnungsdaten ist die Verwaltung dadurch entlastet. Das Versenden von Papierrechnungen entfällt ohnehin. Intern gewinnt die Struktur dazu: Die Zentralisierung der Verbuchungen und die Straffung der für die Erstellung des Haushaltsplans wichtigen Vorkontierung erledigt die Software. Der Sachbearbeiter kontrolliert und reagiert lediglich auf vom Programm angezeigte Unregelmäßigkeiten wie Zahlungsverzug oder fehlerhafte Dateneingabe.

Umsonst gibt es das nicht. Die bundesweite Umsetzung der elektronischen Rechnungsstellung mit Implementierung des eigenen Dateiformats X-Rechnung verursacht laut Innenministerium Kosten von rund elf Millionen Euro. Und ziemlich genau dieser Betrag soll dann in Zukunft jedes Jahr eingespart werden. Auf jeden Fall gut für den Bürger, denn die anfallenden Entgelte der jeweiligen Bezahlanbieter dürfen laut E-Government-Gesetz nicht an ihn weitergegeben werden.

Unkompliziertes Verfahren

Dieses Verfahren der Zentralisierung gewinnt langsam an Akzeptanz. Der Bürger schätzt die Nutzung vertrauter Bezahlmethoden durchaus, lässt sich aber noch bitten. Im nordrhein-westfälischen Siegburg können Parksünder seit 2015 ihre Knöllchen per QR-Code und integriertem Bezahlverfahren begleichen, besonders häufig wird Paypal genutzt. Von 3000 ausgestellten Zahlungsbescheiden werden etwa zehn Prozent über diesen Anbieter beglichen. Der US-Tech-Riese (s. Info unten) hat allerdings alleine in Deutschland

20,5 Millionen Kunden, die nicht nur online einkaufen, sondern irgendwann neben ihren Rechnungen auch diverse amtliche Zahlungen mit ihrem Account begleichen könnten. Der Vorteil liegt in der Unkompliziertheit: Selbst Giropay benötigt den Umweg über das eigene Konto inklusive TAN-Verfahren, auch wenn Beträge bis 30 Euro neuerdings ohne umständliche Zusenden einer TAN-Kennzahl beglichen werden können. Bei Paypal-Zahlungen hingegen genügt ein einziger Login, um beliebig viele Transaktionen durchzuführen.

Stichwort Online-Handel: Nicht nur Paketzusteller wissen um das rasante Wachstum der Branche. Amazon, der zweite Tech-Riese, verfügt mit Amazon Pay über einen eigenen Bezahldienst, konzentriert sich bislang aber vor allem auf den gigantischen eigenen digitalen Marktplatz. Doch als Konkurrent von Paypal streckt Amazon bereits seine Fühler aus. Über kurz oder lang werden beide im Bereich des Online-Bezahlens die Nase vorn haben. Wie Microsoft und Apple in der Welt der IT-Systeme dürften beide Unternehmen in Kürze den größten Einfluss auf die gerade erst heranwachsende Sphäre des E-Payments ausüben. Kein Wunder: Was außerhalb des E-Governments seinen festen Platz hat, nimmt ihn auch beim digitalen Bezahlen von kommunalen Rechnungen ein.

Till Röcke

Der Autor
Till Röcke, Remagen, ist Autor und freier Journalist

Info: US-Dienste dominieren das Kundengeschäft

Nationale oder gar europäische Produktlösungen, um der Allmacht der US-Finanzindustrie entgegenzutreten, sind nicht in Sicht. Mit dem Bezahldienst Paydirekt wirtschaftet der Zusammenschluss namhafter Geldinstitute inklusive Sparkassen und Deutscher Bank im Promillebereich. Auf bescheidene 40.000 Transaktionen pro Monat kommt die äußerst kleine Bezahlalternative, bei etwa 10.000 Möglichkeiten – Kommunen zählen neben Online-Shops auch dazu. Zum Vergleich: Paypal generiert im Monat zwischen 30 und 35 Millionen Bezahlvorgänge. Die Zahlen sind wie häufig in der Branche nicht offiziell bestätigt, beruhen aber auf seriösen Einschätzungen des Insider-Blogs Finanz-Szene.de. Selbst Paydirekt räumt eine ausbleibende Marktwirkung indirekt ein, und musste gleich zum Jahresbeginn den Ausfall eines Zugtiers wie der Ing-Diba verkraften. Mit ihr werden sogar weitere Banken den Zusammenschluss verlassen, was das einst ambitioniert gestartete Projekt Paydirekt in ernste Schwierigkeiten bringen dürfte.