Alle Friedhofsdaten im Überblick

Tablet: Die digitale Verwaltung von Daten rund um den Friedhof bietet den Vorteil, dass Änderungen rasch hinterlegt werden können und der Plan somit stets aktuell zur Verfügung steht. - Foto: Archikart

Öffentliche und kirchliche Verwaltungen stehen bei der Bewältigung ihrer Auf­gaben im Friedhofswesen vor sich stetig ändernden Anforderungen. Themen wie Auslastung und Kostendeckung, aber auch Effizienz und bürgerfreundlicher Service spielen eine Rolle. Digitale Kataster sorgen für Ordnung.

Die Friedhofsverwaltungen bearbeiten einen immensen Umfang an Personen- und Sachdaten. Diese Vielzahl an Informationen gilt es effizient und vor allem strukturiert zu verwalten. Ein digitales Friedhofskataster sollte daher flexibel die Objektstruktur eines Friedhofs mit seinen Bereichen wie Grabfeldern und Grabreihen sowie Gräbern abbilden.

Kleine Friedhöfe mit minimaler Struktur bis hin zu großen stark verzweigten Friedhöfen sollen übersichtlich dargestellt werden. Die Anzeige über ein Ampelsystem kann auf einen Blick Auskunft über freie, belegte oder voll belegte Gräber geben. Damit der Friedhofssachbearbeiter stets zeitnah und detailliert auskunftsfähig ist, müssen die Systeme umfangreiche Suchfunktionen und Abfragen ermöglichen. Um den Friedhof ordnungsgemäß zu verwalten, ist es außerdem notwendig, rechtssichere Satzungen zu erlassen und diese aktuell sowie auch historisch inklusive der zugehörigen Gebührensatzung im System hinterlegen zu können. Diese bilden die Grundlage für eine nachvollziehbare Bescheiderstellung der Bestattungsvorgänge.

Die Veränderungen in der Bestattungskultur stellen die Friedhofsträger derzeit verstärkt vor die Herausforderung, ihre teilweise jahrelang bestehenden Satzungsgrundlagen den aktuellen Tendenzen anzupassen. Der Trend ist eindeutig: Erdbestattungen sind rückläufig, Urnenbeisetzungen nehmen zu. Bestaunen wir teilweise noch die monumentalen Familiengräber früherer Zeiten, sind die Grabstellen heute sehr viel übersichtlicher geworden.

Die Forderung vieler Berufstätiger und älterer Menschen, die Grabpflege weniger aufwendig zu gestalten sowie steigende Kosten bei den Gemeinden ebnen den Weg für alternative Bestattungsformen. Satzungsänderungen betreffen so vorrangig die Ausweisung neuer Grabarten wie Baumgräber für Urnen oder anonyme Urnengrabfelder. Oft wird auch die Urnengrabgröße sowie die Anzahl von zulässigen Urnenzubettungen in vorhandene Erdgräber erhöht. Nutzungszeiten werden häufig verringert.

Aber nicht immer sind es reine Satzungsänderungen, die die Anforderungen im Friedhofswesen steigen lassen. Häufiger als früher wohnen Angehörige heute weiter weg oder können sich aus Gesundheitsgründen nicht mehr um ein Erdgrab kümmern. Mitunter kommt es gar vor, dass es gar keine Angehörigen mehr gibt. In diesen Ausnahmefällen werden die Gräber oberflächlich beräumt und wenn nötig von weiteren Gebühren wie jährlichen Bewirtschaftungskosten freigestellt. Auch eine vorfristige Vertragskündigung außerhalb der Ruhezeiten ist möglich.

Anbindung an geografische Informationssysteme

Darüber hinaus sollte eine softwaregestützte Friedhofsverwaltung auch immer eine Vielzahl von Plausibilitätskontrollen beachten. Es gilt, die zulässige Anzahl der Belegung sowie Ruhezeiten und Nutzungszeiten einzuhalten. Hier kann die Datenerfassung beispielsweise durch Eingabeassistenten, die den Anwender Schritt für Schritt führen, erleichtert werden. Sämtlicher Schriftverkehr wie die Erstellung von Gebührenbescheiden bis hin zur Ausgabe von Graburkunden sollte über eine programminterne Textankopplung erfolgen. Auch eine automatische Übergabe zur Sollstellung an das Kassensystem ist heutzutage Standard.

Anbindung von mobilen Datenerfassungsgeräten, von geografischen Informationssystemen oder auch die Auskunftsfähigkeit über Internet sind weitere Aufgaben, mit denen sich Friedhofsverwaltungen heute auseinandersetzen. So gilt es beispielsweise, die erfassten Daten auch zu visualisieren. Dabei setzten sich digitale Friedhofspläne immer mehr durch. Die Übertragung von Papierplänen in digitale Versionen war bisher eine enorme Herausforderung. Mit einer geeigneten Software stellt dies in der Regel kein Problem mehr dar. In der Praxis bieten digitale Pläne den Vorteil, dass Daten rasch geändert werden können und der Plan somit stets aktuell und beliebig oft zum Ausdruck zur Verfügung steht. Thematische Auswertungen tragen zur Veranschaulichung von einfachen Sachdaten bei.

Eine typische Auswertung ist hier beispielsweise die Darstellung der Gräber entsprechend der Belegung frei/belegt. Natürlich ist es auch möglich, den Plan per Tablet vor Ort „mitzunehmen“. Denkbar ist es auch, dass Verwaltungen digitale Pläne im Internet öffentlich machen. Von diesem Angebot profitiert nicht nur der Bürger. Auch die Zusammenarbeit mit den Bestattern und Friedhofsgärtnern kann sich digital lohnen, zumal Pflegearbeiten oft an Unternehmen ausgelagert werden.

Auch die Standsicherheit von Grabmalen und Grabanlagen muss regelmäßig überprüft werden. Ist man vor einigen Jahren noch mit Papierlisten über den Friedhof gelaufen, gehören heute mobile Softwarelösungen in Verbindung mit Tablet, Toughbook oder Smartphone zum Standard. Der Schwerpunkt der Kontrolle liegt in der Regel aus versicherungsrechtlichen Gründen auf der Standfestigkeitsprüfung der Grabmale. Aber auch der Pflegezustand der Grabstätten wird begutachtet, schließlich sollen sie ein gepflegtes und würdiges Gesamtbild ergeben. Da es für Grabkontrollen keine verbindlichen Vorgaben gibt, ist es von Vorteil, wenn die softwaregestützte Kontrolle auf Basis frei definierbarer Merkmale beruht.

Wie eingangs bereits erwähnt, stellt auch die Auslastung der Friedhöfe eine zunehmende Herausforderung dar. Immer mehr Flächen bleiben ungenutzt oder ohne angemessene Pflege. Hier bieten sich Anzeigen oder Auswertungen zu dem jeweils letztmöglichen Nutzungsende eines Bereiches an. So steht dem Sachbearbeiter eine wichtige Entscheidungshilfe zur Verfügung, welche dieser Bereiche gegebenenfalls mit einem Sperrkennzeichen versehen werden sollten. So können diese Überhangflächen ruhen und nach und nach auslaufen, um sie später beispielsweise mit anderen Grabarten wie Urnengrabstätten zu belegen oder umzustrukturieren. Mittlerweile entstehen auch immer mehr Grünflächen, und Friedhöfe nehmen heutzutage beinahe einen parkähnlichen Charakter an. Oft gibt es auf Friedhöfen auch einen wertvollen alten Baumbestand, den es zu erhalten und zu pflegen gilt. Hier können weitere Anwendung wie digitale Grünflächen- oder Baumverwaltung unterstützen.

Doreen Quaas

Die Autorin
Doreen Quaas ist Fachberaterin bei Archikart Software in Lauchhammer