Aber sicher!

Chaos am Bahnhof: Ein Bild der Vergangenheit, wenn es nach ADFC-Rechts-
experte Roland Huhn geht. Foto: Adobe Stock/J.Strathmann

Geeignete und sichere Fahrradabstellmöglichkeiten sind das Mittel der Wahl, um gleichzeitig den Radverkehr und die Frequenz von Kunden in den Innenstädten zu erhöhen. Dabei gilt es das Nutzerverhalten zu kennen, und beispielsweise E-Bikes und Pedelecs in die Planung einzubeziehen sowie Geschäften Genehmigungen zu erleichtern.

Wer im Alltag Rad fährt, wünscht sich vor allem beim längeren Abstellen Wetter- und Diebstahlschutz für sein Fahrzeug. Beim Kurzzeitparken ist die Möglichkeit zum Anschließen an einen Fahrradständer wichtiger als eine Überdachung. Die Auswertung der Fahrradklima-Tests des ADFC belegt, dass Fahrraddiebstahl als eines der gravierendsten Probleme angesehen wird und dass sicheres Fahrradparken ein wichtiges Handlungsfeld kommunaler Radverkehrspolitik ist.

Augenmerk auf Sinn und Qualität

Gute Abstellplätze im oder am Wohnhaus und nahe am Fahrtziel tragen zur verstärkten Nutzung des Fahrrads bei. Empfehlenswerte Fahrradständer geben dem Fahrrad sicheren Halt und sorgen dafür, dass es nicht wegrollt. Sie verhindern auch das ungewollte Umschlagen der Lenkung. Rahmen und Laufrad sind mit einem einzigen Schloss anschließbar. Bloße Vorderradhalter („Felgenkiller“) scheiden deshalb aus. Auch einfache Anlehnbügel sind nicht ideal.

Diese und weitere Anforderungen sind in der DIN 79010 Stationäre Fahrradparksysteme enthalten. Der ADFC empfiehlt Kommunen, in ihren Ausschreibungen Abstellanlagen zu verlangen, die nach diesen Vorgaben unabhängig geprüft worden sind. Die ADFC-Homepage zeigt solche Fahrradständer, Doppelstockparker und Fahrradboxen.

An größeren Bahnhöfen oder zentralen Plätzen lassen massenhaft „wild“ abgestellte Fahrräder erkennen, dass ein Fahrradparkhaus fehlt. An kleineren Haltepunkten eignen sich Sammelschließanlagen oder Fahrradboxen für den Bedarf von Pendlern. Hilfe bei der Planung und dem Bau sowie eine finanzielle Förderung bietet die Bike&Ride-Offensive der Deutschen Bahn. Bauämter sollten bei Neubauten auf die Qualität der notwendigen Stellplätze achten, besonders auf ihre leichte Erreichbarkeit. Das gilt für Wohngebäude, aber auch für Arbeits- und Einkaufsstätten. Nachträglich lassen sich Fahrradstellplätze oft nur mit einem größeren Aufwand einrichten.

Innenstadtbelebung und Service

Die Fahrrad fahrende Kundschaft von Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungsbetrieben legt meist Wert auf sichere Fahrradabstellmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Ladenlokal. Kommunen sollten deshalb mobile Fahrradständer vor Ladenlokalen durch großzügige Genehmigungen oder Genehmigungsfreiheit ermöglichen. Fahrradparkplätze am Rand von Fußgängerzonen sind ebenfalls zur Unterstützung des lokalen Einzelhandels im Stadtzentrum geeignet.

An vielen Schulen fehlen Fahrradabstellanlagen in guter Qualität und mit ausreichender Kapazität, obwohl dort die Diebstahlgefahr besonders groß ist. Solche Anlagen werden im Rahmen der Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums gefördert, ebenso an Kindertagesstätten, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Sportstätten. Finanziell unterstützt werden die Aufstellung von Fahrradbügeln, auch mit Überdachung, und die Errichtung von Sammelschließanlagen ab zehn Stellplätzen.

Roland Huhn, Referent Recht des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC)