Schwimmbäder, Sporthallen, Sportplätze sind veraltet, müssen saniert oder ersetzt werden. Dazu kommen Anforderungen an Klimaschutz und Klimaanpassung. Hier ist viel zu leisten, dennoch ist in der Sportinfrastruktur viel Bewegung drin – der Landessportbund NRW gibt Tipps, natürlich auch für Kommunen außerhalb Nordrhein-Westfalens.

Sportstätten sind Orte der Gesundheit, der Integration und der Wertebildung. Sie fördern das soziale Miteinander, stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und sind ein Grundpfeiler der kommunalen Daseinsvorsorge. Doch dieser Grundpfeiler bröckelt bereits seit Jahren:
- Die jährlich durchgeführte Befragung aller Kommunen im Bundesgebiet durch das „KfW-Kommunalpanel“ weist einen Sanierungsbedarf der Sportstätten in NRW im mittleren bis hohen einstelligen Milliardenbereich aus.
- In jeder zweiten Kommune sind laut Studien in den vergangenen Jahren aufgrund des schlechten baulichen Zustands der Sportstätte Sportangebote entfallen. In jeder fünften Kommune wurden bereits Sportstätten geschlossen.
- Laut Schwimmverband NRW sind allein in Nordrhein-Westfalen in den Jahren zwischen 2000 und 2020 614 Bäder geschlossen worden, die grundsätzlich für die Schwimmausbildung und den Schwimmsport geeignet sind.
Drei Bausteine für eine zukunftsfähige Sportinfrastruktur
Diese drei Befunde unterstreichen den enormen Handlungsbedarf für den Erhalt der Sportinfrastruktur – in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Neben der reinen Ertüchtigung und Modernisierung von Sportflächen und der benötigten Infrastruktur sind in den letzten Jahren vermehrt Anforderungen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung hinzugekommen. Um die Sportinfrastruktur zukunftsfähig aufzustellen und Sportangebote aufrecht zu erhalten, müssen diese drei Bausteine gleichermaßen berücksichtigt werden:
- Funktionstüchtige Sportfläche,
- baulich und energetisch moderne sowie barrierearme Gebäude,
- Klimaanpassungsmaßnahmen wie Verschattung, Systeme zur Regenwassernutzung und Schutz vor Extremwetterereignissen wie die Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021.
Wie Bewegung in eine hochkomplexe Gemengelage kommen kann
Die enormen Herausforderungen für Kommunen – wie auch für die etwa 5500 Sportvereine mit eigenen Anlagen in NRW – bei dieser Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe liegen auf der Hand: Haushaltszwänge und begrenzte Fördertöpfe auf der einen Seite, steigende Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe in den unterschiedlichsten Infrastrukturbereichen sowie umfangreiche gesetzliche Vorgaben und Ziele auf der anderen Seite sollen zusammengebracht werden.
Um diesen Anforderungen so weit wie möglich nahezukommen, bedarf es nach Auffassung des Landessportbunds NRW neuer Denkansätze bei Bau, Betrieb und Sanierung von Sportstätten – insbesondere die Maximierung von intakter, barrierefreier Sportfläche und Minimierung der Ausgaben für zusätzliche, nicht zwingend benötigte Extra-Ausstattung.
Was modulare Bauweisen bringen
Serielle oder modulare Bauweisen rücken damit stärker in den Fokus. Durch reduzierten planerischen Entscheidungs- und Abstimmungsaufwand, standardisierte Konstruktionslogiken mit Vermeidung von Sonderlösungen und dem hohen Vorfertigungsgrad können Bauzeit sowie Kosten eingespart werden.
Beispiele für solche Ansätze gibt es bereits in NRW und in anderen Bundesländern: Nach diesem Konzept wurden vor zwei Jahren neun Dreifeldsporthallen in Berlin und in Bonn im letzten Jahr ein Schwimmbad fertiggestellt.
Auch mit begrenzten Budgets können funktionale und qualitativ hochwertige Sportstätten realisiert werden. Dadurch wird die Wichtigkeit der Planungsphase verdeutlicht, die Nutzung, Anforderungen und Qualitätsansprüche an die Sportstätte – bestenfalls auf Basis einer aktuellen Sportentwicklungsplanung – definiert.
Gute Ideen für die Energieversorgung
Clevere, nachhaltige Lösungen gibt es auch in der Energieversorgung von Sportstätten. So nutzt das Freibad Gaßbachtal in Oelde-Stromberg (Kreis Warendorf) die Abwärme einer Biogasanlage eines benachbarten Landwirtschaftsbetriebs, um das Bade- und Duschwasser sowie die Umkleideräume zu beheizen.
Auf die Idee kamen die Ehrenamtlichen des Vereins vor über 20 Jahren, als das Freibad wegen zu hoher Betriebskosten vor der Schließung stand. Dieses Konzept beschert der Anlage nicht nur eine umweltfreundliche Energiequelle, sondern auch eine längere Öffnungszeit: 2026 wurde die Saison im Freibad bereits im März bei niedrigen einstelligen Außentemperaturen geöffnet.
Ein weiteres Beispiel: Das im Jahr 2025 modernisierte Lohrheidestadion in Bochum verfügt über die größte städtische Photovoltaikanlage, nutzt Geothermie zum Heizen und Kühlen und hat begrünte Dachflächen.
Worauf Kommunen setzen sollten
Lebenswerte, zukunftsorientierte Kommunen benötigen funktionale, moderne und klimaresiliente Sportstätten. Niedrigschwellige Förderprogramme von Bund und Land sind dafür genauso elementar wie eine zielgerichtete Analyse und Planung des tatsächlichen Bedarfs im Vorfeld des Modernisierens und Bauens von Sportstätten.
Begrenzte Mittel können dabei als Innovationstreiber fungieren, während Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen als zentraler Hebel für die Zukunftsfähigkeit der Sportinfrastruktur verstanden werden sollten.
Louisa Otternberg, Benjamin Höfer
Die Autoren
Benjamin Höfer ist Referent Sportstätten, Umwelt und Nachhaltigkeit im Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V. Louisa Otternberg ist Referentin Sportstättenbau im Landessportbund NRW.




