Plädoyer in stürmischen Zeiten: Peter Keller erläutert für die Initiative WindRat, warum er in der Windenergie den zentralen Schlüsselfaktor der erneuerbaren Stromproduktion in Deutschland und auch gerade in den Kommunen sieht.

Knapp 32 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland stammten 2025 aus Windenergieanlagen. Rund 24 Prozent fielen dabei auf die Onshore-Windenergie (an Land), knapp sechs Prozent auf die Offshore-Windenergie (auf See).
Damit ist die Windenergie der zentrale Schlüsselfaktor der erneuerbaren Stromproduktion in Deutschland. Wie wichtig eine unabhängige und erneuerbare Energieversorgung für unser Land, seine Menschen und die wirtschaftliche Entwicklung ist, wird uns derzeit angesichts unkalkulierbarer geopolitischer und klimapolitischer Risiken drastisch vor Augen geführt.
Windenergie als Einnahmequelle für Kommunen
Neben diesen global relevanten Faktoren wird Windkraft für Kommunen jedoch vor allem durch einen Aspekt relevant: finanzieller Gewinn. Fast 50 Prozent aller Kommunen in Deutschland mit Windparks sind an den Erlösen der Anlagen in verschiedener Form beteiligt, sei es zum Beispiel über Gewerbesteuer- oder Pachteinnahmen, Betreibermodelle, direkte Bürger- und Kommunalinvestitionen oder auch gesetzliche Vorgaben aus jeweiligen Beteiligungsgesetzen der einzelnen Bundesländer.
Windenergie als Bestandteil wirksamen Klimaschutzes generiert so lokale und regionale Wertschöpfung – für kommunale Haushalte in Zeiten knapper Kassen eine große Chance, nicht an den Rand ihrer Handlungsfähigkeit zu kommen.
Zahlreiche Best Practice-Beispiele quer durch ganz Deutschland zeigen, wie Kommunen diese große Chance umgesetzt haben – nachhaltig und zukunftsorientiert. Das gilt nicht nur für kleinere, ländliche Gemeinden, aber insbesondere für sie: von Fuchstal und Berg in Bayern bis Bosbüll in Schleswig Holstein, von Dassow in Mecklenburg-Vorpommern über Dardesheim in Sachsen-Anhalt, von der Saaleplatte in Thüringen über den Hünefeldener Wald in Hessen bis Mörsdorf in Rheinland-Pfalz.
Wertschöpfung für die Kommune
Die Beispiele zeigen: Wertschöpfung bedeutet direkte finanzielle Einnahmen und neue Handlungsspielräume für Kommunen, wenn so zum Beispiel der Ausbau von Kitas, Schulen, Straßen oder der öffentliche Nahverkehr finanziert werden können. Die zusätzlichen Einnahmen stabilisieren den Gemeindehaushalt und können helfen, kommunale Gebühren oder Steuern niedrig zu halten.
Niedrige Steuer-, Gebühren- und Abgabenbelastungen sind wiederum wichtige Standortfaktoren für die Wirtschaft, wenn es um Unternehmensansiedlungen geht und damit um Arbeitsplätze in der Region. Zudem profitieren lokale Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe von Bau-, Wartungs- und Servicearbeiten.
Wie Windprojekte zum Erfolg werden
Entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Projektumsetzung sind vor allem Kommunikation, Information und Transparenz im Spannungsfeld Kommune, Flächeneigentümer und Projektentwickler.
Zur Unterstützung von Kommunen, die in den meisten Fällen dafür fachlich und personell nicht aufgestellt sind, gibt es Landesenergieagenturen mit ihren Servicestellen Windenergie (zum Beispiel in Thüringen); Dialogplattformen mit erfahrenen Fachleuten, (zum Beispiel in Baden-Württemberg); „Windkümmerer“ (zum Beispiel in Bayern); Landesverbände für erneuerbare Energien mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten; die Fachagentur für Wind- und Solar oder auch zahlreiche Kontakt- und Informationsnetzwerke mit erfahrenen Praktikern speziell aus der kommunalen Ebene.
Zentraler Faktor für das Gelingen eines Projektes ist die Akzeptanz vor Ort. Gerade deshalb ist es unerlässlich, bereits im Vorfeld in frühen Phasen der Planung und Projektentwicklung offen zu kommunizieren und zu informieren, Bedenken, Bedürfnisse sowie lokale Gegebenheiten zu erkennen und aufzugreifen und Betroffene einzubeziehen.
Windenergieanlagen vor der Haustür machen etwas mit den Menschen. Wenn Projekte im Sinne der Betroffenen gestaltet und gut umgesetzt werden, kann dies Widerstände, Proteste und Klagen reduzieren.
Wichtig ist es auch, den Menschen vor Ort den Mehrwert klar aufzuzeigen: Direkte Teilhabe etwa durch direkte finanzielle Beteiligung über ein entsprechendes Betreibermodell (zum Beispiel Genossenschaft/Kommanditist). Möglich ist aber auch indirekte Teilhabe, die allen zugutekommt: zum Beispiel durch den Bau einer Kinderbetreuungseinrichtung, die Sanierung der Schule oder des Sportplatzes auf „Windpark-Kosten“ oder auch weitere grundlegende Investitionen in die Infrastruktur vor Ort wie den ÖPNV.
Kommunen sollten aktiv planen
Derzeit läuft die Ausweisung von Windenergie- und Windvorranggebieten im Rahmen der Regionalplanung in Deutschland auf Hochtouren, da die Bundesländer gemäß Windenergieflächenbedarfsgesetz gesetzlich verpflichtet sind, verbindliche Flächenziele auszuweisen beziehungsweise zu erfüllen.
Bereits hier können Kommunen eine wichtige Führungsrolle spielen: Sie können die kommunalen Planungsziele hinsichtlich möglicher Standortflächen, Schutz von Mensch und Natur sowie finanzieller Teilhabe für Menschen vor Ort aktiv selbst steuern, bevor gegebenenfalls Unternehmen von außen vollendete Tatsachen schaffen.
Drei Resultate auf einen Streich
Die lokale Kasse füllen, die Energiewende voranbringen sowie die Bürgerinnen und Bürger beteiligen – für Kommunen eine Chance durch die Windenergie!
Peter Keller
Der Autor
Peter Keller ist Projektmanager bei der Initiative „WindRat“, ein bundesweites Netzwerk c/o Protect the Planet gGmbH.




