Bäume, Grünflächen, Dachbegrünungen und Regenwassermanagement können die Hitzebelastung in Wohngebieten deutlich reduzieren. Modellberechnungen der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz zeigen, wie Kommunen bereits über die Bauleitplanung das Mikroklima neuer Quartiere beeinflussen und gleichzeitig die Klimaanpassung stärken können.

Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen rücken den Hitzeschutz in Wohngebieten verstärkt in den Fokus von Städten und Gemeinden in Rheinland-Pfalz. Um die Belastung durch Hitze zu reduzieren, kommt der Planung neuer Wohngebiete eine zentrale Rolle zu.
Welchen Beitrag die kommunale Planung leisten kann, hat die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz (EKA.rlp) anhand zweier Modell-Neubaugebiete untersucht. Gegenübergestellt wurden ein konventionell geplantes Wohngebiet und ein Gebiet, in dem Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz gezielt berücksichtigt wurden.
Die Modellberechnungen zeigen, dass sich das Mikroklima eines neuen Quartiers durch entsprechende Vorgaben im Bebauungsplan deutlich beeinflussen lässt. Besonders wirksam sind Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Grünflächen, Dachbegrünungen und ein bewusster Umgang mit Regenwasser dort, wo sie von Beginn an mitgedacht werden. Dies berichtet die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz in einer Mitteilung.
Bäume, begrünte Dächer und Freiflächen für ein besseres Quartiersklima
Bäume übernehmen eine zentrale Funktion beim Hitzeschutz. Sie kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung und spenden Schatten. Im klimawirksam geplanten Modellgebiet entspricht die errechnete Kühlleistung jener von 170 bis 340 haushaltsüblichen Klimageräten, ohne dass dafür zusätzliche Energie benötigt wird.
Maßgeblich sind sowohl der Erhalt bestehender Bäume als auch Neupflanzungen. Während große Bestandsbäume unmittelbar Schatten und Verdunstungskühle bieten, benötigen neu gepflanzte Bäume etwa 15 bis 20 Jahre, um eine vergleichbare Kühlwirkung zu erreichen.
Nicht nur Gebäude, sondern auch Dächer und Freiflächen prägen das Mikroklima eines Quartiers. Begrünte Dächer bleiben an heißen Tagen bis zu 17 Grad kühler als herkömmliche Flachdächer. Zudem können sie mit Photovoltaikanlagen kombiniert werden, deren Effizienz durch die niedrigeren Umgebungstemperaturen um bis zu vier Prozent steigt.
Auch bei Freiflächen zeigen sich deutliche Unterschiede: Schottergärten erreichen an heißen Tagen Oberflächentemperaturen von mehr als 50 Grad und können damit 10 bis 20 Grad wärmer sein als bepflanzte Flächen. Pflegeleichte, hitzeverträgliche Pflanzen wie Stauden, Klee oder Wildblumen benötigen zudem deutlich weniger Wasser als kurz gehaltener Rasen.
Kommunen können den Wasserhaushalt bereits im Rahmen der Bauleitplanung beeinflussen. So können etwa Regenwasserzisternen zur Gartenbewässerung in Bebauungsplänen festgesetzt werden. Dies reduziert den Trinkwasserverbrauch in den Sommermonaten und stärkt die Trockenheitsresilienz privater Grünflächen.
Quartiersplanung als Baustein der Klimaanpassung
Die Gestaltung eines Quartiers beeinflusst auch den Umgang der Bewohnerinnen und Bewohner mit Hitze. Kompakte Wohnformen, etwa Mehrfamilienhäuser in Hofstruktur, können größere zusammenhängende Grün- und Aufenthaltsflächen ermöglichen und zugleich gemeinschaftliche Angebote sowie nachbarschaftliche Unterstützung fördern.
Im Modellgebiet der Energie- und Klimaschutzagentur ist unter anderem ein Quartiershaus mit Kita, Café und Seniorenwohnungen vorgesehen. Da insbesondere ältere Menschen von extremer Hitze betroffen sind, können kurze Wege und gut erreichbare, kühle Aufenthaltsorte einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten.
Hitzeschutz beginnt mit der Bauleitplanung
„Kommunen unterschätzen oft, welchen Hebel sie mit dem Bebauungsplan in der Hand haben“, so Lukas Weitz, Referent für Klimagerechte Bauleitplanung bei der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. „Viele Gemeinden schrecken vor zusätzlichen Vorgaben zurück, weil sie Bauwillige nicht überfordern möchten. Unsere ersten Ergebnisse zeigen aber, dass der Nutzen solcher Maßnahmen für das Wohnumfeld erheblich ist und sich am Ende auch finanziell rechnet. Es lohnt sich, diese Vorteile aktiv an Bauherren und Gemeinderäte zu vermitteln.“
Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz arbeitet derzeit an einer vertieften Analyse der beiden Modell-Neubaugebiete. Untersucht werden dabei die wirtschaftlichen und klimatischen Auswirkungen verschiedener Planungsmaßnahmen im direkten Vergleich. Schon jetzt wird deutlich, dass Hitzeschutz nicht erst bei der Gebäudetechnik ansetzt. Wichtige Weichen werden bereits bei der Quartiersentwicklung gestellt, etwa durch die Anordnung von Bäumen, den Umfang von Grünflächen, die Wahl der Dachform, die Nutzung von Regenwasser und die Gestaltung des künftigen Zusammenlebens.
Red.




