Iserlohn begegnet Hitze mit dem „Kühlen Fleck“: dem ersten grünen und gleichzeitig kühlenden Sonnensegel Deutschlands im öffentlichen Bereich, das keine Bodenfundamente benötigt, durch Rankpflanzen begrünt wird und mit einer Wasserverneblungstechnik ausgestattet ist. Ein Modell, das gern kopiert werden darf.

Der „Kühle Fleck Iserlohn“ ist mehr als nur ein „Fleck“: ein pflanzliches Sonnensegel in einer Größe
von rund 80 Quadratmetern. Es beschattet und kühlt einen Spielbereich auf dem Vorplatz des Stadtbahnhofes Iserlohn. Aufgestellt wurde es im letzten Herbst. Seit Frühjahr 2026 ist es in Betrieb.
Der „Kühle Fleck“ wird von Pflanzenkübeln umrahmt, die auf dem Straßenpflaster stehen. An den Kübeln sind Bänke angebaut, die in der Sitzhöhe frei wählbar sind. Hier gibt es Schattenplätze für spielende Kindern – und natürlich laden die Bänke auch Reisende zum Verweilen an heißen Tagen ein.
Kletterpflanzen spenden Schatten
Der „Kühle Fleck Iserlohn“ besteht aus sechs pulverbeschichteten Edelstahl-Pflanzkübeln in einer Größe von 1,50 mal 1,50 mal 89 Zentimeter. In jeden Kübel ist ein vier Meter hoher Stahlmast eingebaut. Die Masten tragen das konkav gespannte Edelstahlnetz. Zu diesem Sonnensegel hin ranken die Kletterpflanzen an den Masten in die Höhe und spenden so natürlichen Schatten.
In die Masten sind Düsen eingebaut: je eine Düse zum automatischen Bewässern der Pflanzen und je drei Düsen zum Vernebeln von Trinkwasser. Durch die Vernebelung des Wasser lässt sich die Temperatur im Bereich des Segels nach dem Prinzip der Verdunstungskälte kurzfristig um mehrere Grad absenken. Die Vernebelung erfolgt zeit-, temperatur- und witterungsabhängig automatisiert in einem frei wählbaren Intervall von zurzeit 180 Sekunden. In dieser Zeit wird rund 50 Sekunden lang Nebel versprüht.
Die Bewässerungs- und Vernebelungsanlage ist zentral an einem der Kübel wartungsfreundlich angebaut. Diese Anlage verwendet hygienisch unbedenkliche Bauteile und stellt die Qualität des eingesetzten Wassers durch verschiedene Filter sicher.
In den Außenkanten des Netzes sind die Leitungen eingebaut, die jeden Mast mit Wasser versorgen. Die Möglichkeit, Wasserproben zu nehmen, besteht an verschiedenen Teilen der Anlage.
Partner-Unternehmen aus der Region
Von der Idee bis zur Umsetzung vor Ort hat es fast zweieinhalb Jahre gedauert. Zunächst musste ein geeigneter Partner des heimischen Gewerbes gefunden werden, der sich die Umsetzung des Projektes zusammen mit dem Grünflächenamt der Stadt Iserlohn überhaupt vorstellen und den Entwicklungsaufwand personell leisten konnte.
Anschließend mussten die einzelnen Komponenten – unter anderem Stahlbau, Pumpentechnik und Baumschule – projektiert werden, und auch hier mussten zuverlässige Unternehmen gefunden werden. Statische Berechnungen zu den auftretenden Lasten waren ebenso notwendig wie die Auswahl einer geeigneten, also wartungsarmen und hygienisch sicheren Vernebelungstechnik.
Edelstahlgeflecht als Sonnensegel
Materialien und technische Konstruktion der Kübel wurden bestimmt, robuste Pflanzen wurden ausgesucht – und wir mussten einen kompetenten Hersteller für das Netz finden. Er stand vor der Herausforderung, dem Edelstahlgeflecht eine konkave Form zu geben, um die Spannung des Segels an allen Seiten zu gewährleisten.
Strom- und Wasseranschlüsse mussten vandalismussicher eingerichtet werden, und die Forderungen des frühzeitig eingebundenen Gesundheitsamtes waren zu erfüllen. Auch die Finanzierung musste im Vorfeld geklärt werden, und die Mittel der zu 75 Prozent geförderten Maßnahme waren in den Haushalt einzustellen.
Das Modell kann einfach kopiert werden
Sämtliche Herausforderungen haben wir gemeistert – und das grüne Sonnensegel lässt sich nun auch auf die jeweiligen Bedürfnisse anderer in Form, Größe und Gestaltung anpassen.
Gerade für innerstädtische Plätze, die von Aufheizung besonders betroffen sind und auf denen der Einbau von Fundamenten wegen im Boden verbauter Infrastruktur – seien es Abwasserkanäle oder Versorgungsleitungen wie Strom, Gas, Wasser, Glasfaser, Telefon – ist unser grünes Sonnensegel bestens geeignet. Bodenfundamente werden nicht gebraucht: Die Kübel ersetzen die Fundamente.
Auch für den temporären Einsatz, zum Beispiel als schnell wirksame Zwischenlösung für größere innerstädtische Umbauprojekte, die mit langen Planungsphasen verbunden sind, ist es geeignet. Das Segel lässt sich rückstandsfrei zurückbauen und auch an anderer Stelle wiederverwenden.
Dieser Aufwand lässt sich aber nur rechtfertigen, wenn das Sonnensegel über mehrere Jahre an einem Standort verbleibt. Ein saisonaler Auf- und Abbau ist zwar theoretisch möglich, in der Praxis jedoch zu teuer und zu aufwendig. In Iserlohn planen wir weitere Anlagen im innerstädtischen Bereich und auf Schulhöfen. Dort soll der „Kühle Fleck“ als grünes Klassenzimmer eingesetzt werden.
Förderung für Klimaanpassung
Rund 65.000 Euro hat die Anlage in Iserlohn gekostet. Gefördert wurde sie über das Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (ZIZ) mit 75 Prozent. Aber auch andere Förderprogramme des Bundes und der Länder ermöglichen eine Förderung – hier sind Förderquoten von bis zu 90 Prozent möglich.
Wer einen „Kühlen Fleck“ in seiner Stadt aufbauen will, muss keine Entwicklungsarbeit mehr leisten. Die Grundlagen sind gelegt, und jede Gemeinde kann sich das grüne Sonnensegel jetzt nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zusammenstellen.
Bauseits müssen ein Trinkwasser- und Stromanschluss (einfamilienhausübliche Leistungsfähigkeit) bereitgestellt werden. Zudem sollte das zuständige Gesundheitsamt informiert werden, um die Qualität des vernebelten Wassers überwachen zu können.
Die Erfrischung kommt Bestens an
Das grüne Sonnensegel wird in Iserlohn sehr gut angenommen. Sichtbar wird das an zahlreichen positiven Meldungen in den sozialen Medien. Zudem an den Reisenden, von denen die Bänke genutzt werden, und den spielenden Kindern. Schäden durch Vandalismus gibt es bis jetzt nicht zu verzeichnen.
Unser Tipp: Wie alle Projekte sollte auch ein „Kühler Fleck“ sorgfältig geplant werden. Die frühzeitige Beteiligung von Bürgerschaft, Fördergebern und den übergeordneten Behörden ist Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen Projektes.
Martin Irmer




