Nimmermüde Platzanweiser

Parkleitanzeigen: Der Fahrer erhält statische wie auch nummerisch genaue dynamische Informationen über den Belegungsstand der städtischen Parkanlagen. - Foto: Blende11.photo / Adobe Stock

Um den Parksuchverkehr im städtischen Straßenraum zu optimieren, sollte im Hinblick auf eine gesamthafte Planung die Vernetzung aller Steuerungs- und Informationswerkzeuge im Vordergrund stehen. Die Digitalisierung hat die Möglichkeiten der Datenerfassung und -auswertung enorm erweitert.

Um eine Zunahme des Parksuchverkehrs sowie des Verkehrsaufkommens generell im städtischen Straßenverkehr zu vermeiden, müssen Entscheider aus Wirtschaft und Politik bereits heute die Weichen richtig stellen. Ohne finanzielle Förderung und passgenaue Rahmenbedingungen scheint es wahrscheinlich, dass sich verstärkt Einzellösungen durchsetzen und die Systeme nur unzureichend vernetzt werden. Daher sind frühzeitige verkehrsplanerische Steuerungsimpulse notwendig, um Parkraum- und Lademanagementlösungen im Hinblick auf das gesamte Verkehrssystem optimal zu gestalten.

Um den ganzheitlichen Parkprozess aus Sicht der Stadt und der Bürger besser verstehen zu können, werden nachfolgend die Funktionen eines Parkleitsystems am Beispiel des Anbieters Swarco vorgestellt sowie ergänzende, modular einsetzbare Hardware- und Softwarekomponenten.

Dynamisches Parkleitsystem

Ein städtisches Parkleitsystem (PLS) weist Autofahrern mithilfe von dynamischen und statischen Informationsanzeigen den Weg zu freien Parkplätzen. Der Belegungsstatus einzelner Parkanlagen wird durch Sensoren oder Schrankenanlagen erfasst und anschließend über feste oder mobile Kommunikationsnetze zum Parkleitrechner übertragen. Der Parkleitrechner stellt die zentrale Informationslogik für die einzelnen Anwendungen dar und ermöglicht die Bedienung des Gesamtsystems über eine Benutzerschnittstelle. Der Parkleitrechner samt Software kann entweder von der Stadt selbst als On-Premise-Lösung oder als Cloud-Lösung betrieben werden.

Generell funktionieren die PLS „von außen nach innen“. Beim Einfahren in eine Stadt bekommt der Fahrer eine Übersicht über alle Parkquartiere und eine Gliederung dieser in bestimmte Zonen oder Parkhäuser. Beim Einfahren in einen Parkbereich werden weiterführende Informationen zu den Parkmöglichkeiten durch modernste Anzeigetechnologie (LCD, LED) gegeben. Hierbei erhält der Fahrer entweder statische (z. B. Anzahl der Parkplätze) oder dynamische Informationen über den Belegungsstand (z. B. „Parkplätze frei“, „geschlossen“) von Parkanlagen. Zusätzlich können Informationen über Park-and-Ride-Anlagen und freie E-Mobilitäts-Ladeplätze in das PLS integriert werden.

Parking App

Eine digitale Parkraum-Managementlösung in Form einer Stadt-Parking-App kann ein PLS ergänzen. Im Frontend dient die App als kontinuierliches Kommunikationsmedium zum Bürger. Das Backend der App wird mit dem Parkleit-Hintergrundsystem verknüpft und ermöglicht die erweiterte Analyse, Steuerung und Optimierung der städtischen Parkraumnutzung. So zum Beispiel durch die Navigation zu freien Stellplätzen und die Möglichkeit zur Reservierung von E-Ladepunkten.

Städte können dadurch die hoheitliche Aufgabe der Verkehrssteuerung auch bei Park- und Ladesuchverkehren wahrnehmen. Außerdem ermöglicht die Stadt-Parking-App die bargeldlose und ticketfreie Bezahlung von On- und Off-Street-Parkflächen, was wiederum zu einem schnelleren und flüssigeren Ablauf des Parkvorgangs beiträgt.

Für Kommunen ergeben sich direkte Kosteneinsparpotentiale bei den Betriebskosten zur Parkraumbewirtschaftung im öffentlichen Straßenraum. Dazu zählen geringere Druckkosten für Belege und Tickets, geringere Kosten für die Münzgeld-Entleerung, Prozessoptimierung bei der Kontrolle, reduzierte Personalkosten für Wartungsarbeiten an Parkscheinautomaten.

Eine Stadt-Parking App stellt damit für Bürger, Städte und Verwaltungen einen größtmöglichen Nutzen bei hoher Flexibilität und Modularität dar. Die Ausgestaltung als sogenannte „White-Label-App“ räumt Städten die Möglichkeit ein, das eigene Logo mit stadtspezifischen Corporate Identity (CI)-Elementen zu integrieren. Zudem kann eine Parking App nahtlos in bestehende Stadt-Apps integriert werden. Der Nutzer kann seine Stadt-Parking-App auch in anderen Städten nutzen, da das Hintergrundsystem die statischen und dynamischen Daten aller angebundenen Städte vorhält und so wie eine Integrationsplattform agiert.

Sensoren erfassen Parkbelegungsdaten

Das Parkleit-Hintergrundsystem ist grundsätzlich offen für eine Erweiterung von Parkhäusern, öffentlichen Parkflächen und P&R-Anlagen. Zur Detektion der Zählstände können Sensoren verschiedener Hersteller und Technologien eingesetzt werden, wie zum Beispiel Magnetfeld-/IR-Sensoren, optische Sensoren, Radarsensoren, Ultraschallsensoren oder piezoelektrische Sensoren. Im Einzelfall werden die Umgebungsbedingungen der Parkanlage erfasst und auf dieser Grundlage der passende Sensor mit der höchsten Zuverlässigkeit und Erkennungsrate gewählt. Die Einbindung in das System geschieht entweder über bereits bekannte Schnittstellen des Herstellers oder, falls notwendig, über die Entwicklung und Integration einer eigenen Schnittstelle in das Hintergrundsystem.

Piezoelektrischer Sensor

Der energieautarke Sensor, wie ihn beispielsweise die Firma Parkhere anbietet, nutzt das Gewicht der überfahrenden Fahrzeuge, um den für die Detektion des Belegungszustandes erforderlichen Strom zu erzeugen. Dabei wandeln im Sensorstreifen verbaute Energy-Harvesting-Module die potenzielle Energie der Fahrzeuge durch den piezoelektrischen Effekt in elektrischen Strom um. Folglich braucht der Sensor weder einen externen Stromanschluss noch Batterien, um Fahrzeuge zu erfassen.

Zuverlässig registriert der Sensor, ob ein Auto den Parkplatz befährt oder verlässt (Einzelplatzdetektion). Außerdem können die Sensorstreifen an Zu-/Ausfahrten oder Ebenen zur bidirektionalen und fehlerfreien Zählung von Fahrzeugen eingesetzt werden.

Die Sensoren werden in den Untergrund eingelassen oder aufgeklebt und nicht invasiv installiert. Die Informationen der Sensoren werden nach der Überfahrt eines Fahrzeuges an ein Gateway mit einer Reichweite von 200 Metern (Freifeld) weitergeleitet, das die Daten via Mobilfunk an Cloud-Server übermittelt.

Radarsensor

Mittels der Radarsensorik können ebenfalls Parkvorgänge detektiert und in Echtzeit analysiert werden. Der Sensor wird an Laternen oder Ampeln in einer Höhe von bis zu fünf Metern angebracht und erfasst eine große Parkfläche wie etwa Straßen oder Parkbuchten. Im Besonderen ist er für die Klassifikation von Fahrzeugen geeignet. So ist es möglich, klar zwischen Lkw/Bus, Auto mit Anhänger, Pkw, Motorrad und Personen auf dem Gehsteig oder Fahrradfahrer zu unterscheiden. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Kamera enthält der Radarsensor keinerlei optische Elemente, die einer regelmäßigen Reinigung bedürfen und erkennt auch keine Personen oder datenschutzrelevante Daten. Der Einsatz im öffentlichen Raum ist somit datenschutzrechtlich unbedenklich.

Zugangsmanagement von Parkanlagen

Um das Zugangs- und Abrechnungsmanagement einer Parkanlage in einem Parkhaus zu optimieren, kann ein Terminal zur Authentifizierung und zur automatischen Schrankensteuerung eingesetzt werden. Eine solche Lösung lässt sich an jeder Ein- und Ausfahrt einer Parkanlage installieren. Sie schafft für den Nutzer ein komfortables Zugangsmanagement und ermöglicht fließenden Einfahrts- und Ausfahrtsverkehr.

Kennzeichen- und QR-Code-Erkennung

Das Terminal des Anbieters Parkhere unterstützt alle gängigen Authentifizierungsmethoden (QR-Code, NFC, Bluetooth, WLAN, Nummernschilderkennung). Es kann bis auf den Stromanschluss drahtlos betrieben werden und kommt in der Grundversion mit einer Kennzeichenerkennung und QR-Code-Authentifizierung aus. Das Terminal unterstützt alle Funktionen der Stadt-Parking-App.

Die Kennzeichenerkennung beruht auf AI (Artificial Intelligence = Künstliche Intelligenz)-unterstützten, selbstlernenden Algorithmen. Obwohl die automatische Kennzeichenerkennung die präferierte Authentifizierungsmethode ist, besteht die Möglichkeit für Benutzer, die diese Methode nicht nutzen möchten, die Authentifizierung ausschließlich über QR-Code durchzuführen. Beide Authentifizierungsmethoden erfüllen die hohen Ansprüche an den Datenschutz (komplett lokale Auswertung der sensitiven Daten) nach den EU-Datenschutzverordnungen.

Uwe Pertz

Der Autor
Uwe Pertz ist Leiter Geschäftsfeld Parking & E-Mobility bei Swarco Traffic Systems in Unterensingen