Intelligente Videobeobachtung: Hamburg erprobt KI für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum

Mit der „Intelligenten Videobeobachtung“ testet Hamburg ein KI-gestütztes Assistenzsystem zur frühzeitigen Erkennung von Gefahrensituationen im öffentlichen Raum. Nach einem erfolgreichen Pilotversuch wird die Technologie nun gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut weiterentwickelt und auf weitere Standorte ausgeweitet.

Intelligente Videobeobachtung
Die intelligente Videobeobachtung wird unter anderem am Hachmannplatz vor dem Hamburger Hauptbahnhof erprobt. Foto: Adobe Stock/deejaymd

Um Gefahrensituationen im öffentlichen Raum rechtzeitig zu erkennen, wird in Hamburg die „Intelligente Videobeobachtung“ (IVBeo) als modernes Assistenzsystem erprobt. Die Polizei Hamburg setzte sie bereits im Sommer 2023 erstmals am Hansaplatz ein.

Nachdem dieser Testlauf erfolgreich abgeschlossen war, ging im November 2025 in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut ein Folgeprojekt an den Start. Die dafür eingesetzte KI-Technik kommt seither auch am Hachmannplatz vor dem Hamburger Hauptbahnhof zum Einsatz. Dies berichtet die Polizei Hamburg auf ihrer Website.

Frühzeitige Gefahrenerkennung durch KI-gestützte Analyse

Ziel der intelligenten Videobeobachtung ist es, Gefahrensituationen frühzeitig zu identifizieren und entsprechende polizeiliche Maßnahmen einzuleiten, heißt es in einer Mitteilung der Hamburger Polizei. Die Videoüberwachung trägt dazu bei, die stetig wachsende Menge an Videodaten effektiver auszuwerten sowie Gefahrenlagen schneller zu erkennen und fundiert zu beurteilen.

„Gerade in stark frequentierten Bereichen des öffentlichen Raums müssen sich alle Menschen sicher fühlen können“, so Andy Grote, Hamburger Senator für Inneres und Sport. „Die Intelligente Videobeobachtung kann uns dabei helfen, mit einer immer größer werdenden Menge an Videomaterial noch besser umzugehen, um Gefahrensituationen schnell zu erkennen und niedrigschwellig einzuschreiten.“

Die Polizei Hamburg erkennt in der Technologie ein erhebliches Potenzial und strebt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut eine Weiterentwicklung an. Im Mittelpunkt des Folgeprojekts stehen insbesondere die Anpassung der Software an die spezifischen Umgebungsbedingungen in Hamburg. Aber auch die weitere Steigerung der Detektionsqualität ist ein Schwerpunkt.

„Die Fortführung des Projekts der ‚Intelligenten Videobeobachtung‘ bietet uns die Möglichkeit, ein modernes KI-Modell weiter zu erproben und mit dessen Einsatz Polizeiarbeit zukünftig noch effizienter zu gestalten“, so der Hamburger Polizeipräsident Frank Schnabel. „Durch den Einsatz der KI können perspektivisch Gefahrensituationen frühzeitig erkannt werden, was dazu beiträgt, die Sicherheitslage an Orten mit hoher Kriminalitätsbelastung zu verbessern.“

Training der KI unter realen Einsatzbedingungen

Die Technik kommt an den beiden Plätzen zunächst mit jeweils acht eingebundenen Kameras zu den regulären Videoüberwachungszeiten zum Einsatz. Eine entsprechende Kennzeichnung macht auf den Einsatz der Technik aufmerksam. Bei der sogenannten „digitalen Skelettierung“ werden von den Kameras erfasste Personen als abstrahierte Strichfiguren dargestellt.

Die Software wertet diese Darstellungen im Hinblick auf auffällige Bewegungsmuster aus, etwa Schläge, Tritte oder Schubsen. Wird ein entsprechender Hinweis erkannt, informiert das System die Mitarbeitenden des zuständigen Polizeikommissariats 11. Diese prüfen umgehend, ob tatsächlich eine bedrohliche Lage vorliegt.

In einem nächsten Schritt ist vorgesehen, die KI-Testphase auf weitere Kameras der bestehenden Videoüberwachung an den beiden Standorten auszuweiten. Erst anschließend erfolgt das Training anhand ausgewählter, geeigneter Sequenzen aus der realen Umgebung.

Dabei wird die KI wiederholt mit derselben Videosequenz trainiert, bis der gewünschte Lernerfolg erreicht ist. Eine Gesichtserkennung sowie die Bestimmung von Alter, Geschlecht oder Ethnie finden im Rahmen der intelligenten Videobeobachtung weiterhin nicht statt.

Nach aktueller Planung endet das Projekt am 31. August 2026 mit einer umfassenden Evaluation. Diese soll Aufschluss darüber geben, in welchem Umfang das Assistenzsystem die polizeiliche Aufgabenwahrnehmung unterstützt. Zugleich geht es darum zu beurteilen, wie nachvollziehbar die Meldungen für die Videobeobachter sind.

Red.


Ergebnisse des ersten Testbetriebs

Im Rahmen des ersten Testbetriebs mit vier Kameras am Hansaplatz wurden mehrere Sachverhalte erkannt, auf die die Einsatzkräfte unmittelbar reagieren konnten. In einem Fall kam es etwa zu einer gefährlichen Körperverletzung, bei der es augenscheinlich auch zu einem Tritt gegen den Kopf kam. Obwohl sich die Tat am Tag ereignete und auf dem Hansaplatz reger Publikumsverkehr herrschte, informierte niemand die Polizei etwa durch einen Notruf. Die intelligente Videobeobachtung machte den zuständigen Videobeobachter auf das Geschehen aufmerksam.


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