In Stuttgart die Smart City studieren

Prof. Roland Dieterle: "Digitalisierung ist nicht das einzige, aber doch ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zur Smart City." - Foto: Hochschule für Technik

„Alle Komponenten einer Smart City beeinflussen die Stadt“, erklärt Prof. Roland Dieterle von der Stuttgarter Hochschule für Technik. Die HFT bietet ab dem Wintersemester 2018 den englischsprachigen Masterstudiengang Smart City Solutions an. Schwerpunkte sind Digitalisierung und Projektmanagement.

Herr Prof. Dieterle, warum hat die Hochschule für Technik den Masterstudiengang Smart City Solutions entwickelt?

Dieterle: Die Smart-City-Thematik ist äußerst aktuell und wird weltweit diskutiert. Sie umfasst viele Facetten der Stadtentwicklung. Um intelligente Städte umsetzen zu können, bedarf es generalistischer Fach- und Führungskräfte mit dem entsprechenden Know-how für Smart Cities. Diese werden im Masterstudiengang „Smart City Solutions“ an der Hochschule für Technik mit hohem Praxisbezug ausgebildet.

Welche Zielgruppe wird von diesem Studiengang angesprochen und wie sehen die Voraussetzungen für die Zulassung aus?

Dieterle: Der Studiengang richtet sich an Absolventen eines Erststudiums aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaft oder Management, die einen Bezug und Interesse am Smart-City-Ansatz haben. Voraussetzungen für die Zulassungen sind überdurchschnittliche Studienleistungen aus einem Erststudium mit wenigstens 210 ECTS, eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung sowie ausreichende Englischkenntnisse (z. B. Toefl (papierbasiert) mit 550 Punkten oder ähnliches).

Welche Berufsbilder ergeben sich im Anschluss daran?

Dieterle: Für die Absolventen ergeben sich Berufsperspektiven auf der ganzen Welt – in Rio de Janeiro wie in Mumbai, in Kopenhagen wie in Bangkok. Die Absolventen können in Kommunalverwaltungen, IT-Unternehmen, internationalen Wirtschafts- und Ingenieurbüros oder bei Dienstleistern tätig werden.

Der Studiengang umfasst beispielsweise smarte Stadtplanung und Gebäude. Wie profitieren die Studierenden von diesem Schwerpunkt konkret?

Dieterle: Alle Komponenten einer Smart City haben Einfluss auf die Stadt, daher müssen alle Fachkräfte sich mit den Prinzipien der Stadtstrukturierung und Gestaltung auskennen. Die Studierenden lernen städtische Strukturen, Bebauungsprinzipien und Stadtpolitik kennen. Hinzu kommen die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen der Stadtplanung. In der Gebäudeplanung werden Kompetenzen der Architektur und Gebäudeausstattung vermittelt.

Die smarte Infrastruktur ist ein gewichtiger Bereich des Studiengangs, denn er umfasst die Themen Energie, Mobilität, Ressourcenmanagement und Resilienz. Welches Wissen vermittelt der Studiengang hierzu?

Dieterle: Die technische Infrastruktur intelligent zu optimieren und zu digitalisieren, ist ein Schlüssel zur Energieeinsparung, Ressourcenschonung, Emissionsverminderung und somit zum Schutz von Klima und Umwelt. Studierende lernen smarte Energie- und Mobilitätslösungen sowie den Umgang mit Ressourcen kennen, gleichzeitig aber stadträumliche Auswirkungen und Abhängigkeiten.

Auch das Projektmanagement spielt bei der Beschäftigung mit der Smart City ein Rolle. Um was geht es hierbei?

Dieterle: Dem Management kommt eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Smart-City-Solutions zu. Schwerpunkte bilden das Lean- und Agile Management, mithilfe dessen Projekte effizient und effektiv gesteuert werden können. Ergänzt wird die Kompetenzvermittlung um Leadership und Stakeholder Management und Finanzierungsmöglichkeiten.

Welche Einsatzgebiete versprechen Sie sich für die Absolventen? Wie sehen diese im kommunalen Sektor aus?

Dieterle: Im kommunalen Sektor können Absolventen in Bereichen der Stadtplanung und Stadtentwicklung, aber auch im Bereich Digitalisierung, Energie oder Mobilität tätig werden.

Finanzierung und Digitalisierung runden den Masterstudiengang an der Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart ab. Was erwartet die Studierenden zu diesen Themen?

Dieterle: Digitalisierung ist nicht das einzige, aber doch ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zur Smart City mit vielfältigen Anwendungsbereichen wie Monitoring, Steuerung, E-Government-Services oder private Dienstleistung. Sie bietet Chancen, aber auch Risiken, sowohl für die Stadt selbst, als auch in der Finanzwelt. In der Vorlesung lernen die Studierenden diese und ihre Auswirkungen kennen und erhalten Einblick in die wichtigsten Finanzierungsstrategien einer Smart City.

Der Masterstudiengang Smart City Solutions wird in englischer Sprache angeboten und umfasst drei Semester. Welche Eckdaten gibt es noch? Wie hoch sind beispielsweise die Gebühren?

Dieterle: Der Studiengang startet jährlich im September, Bewerbungsfrist ist jeweils der 1. Mai. Die Kosten für das Studium belaufen sich insgesamt auf 10.000 Euro. Zusätzlich zum Master of Engineering an der Hochschule für Technik in Stuttgart, kann ein Master of Business Administration an der John Moores University in Liverpool erworben werden.

Interview: Annika Wieland

Zur Person: Roland Dieterle ist Professor an der Hochschule für Technik in Stuttgart und Studiendekan des von ihm gegründeten Masterstudiengangs International Project Management, außerdem ist er Initiator des neuen Masters Smart City Solutions