Gewerbegebiete als grüne Visitenkarte der Stadt

Weiche Standortfaktoren werden bei der Rekrutierung von Fachkräften immer wichtiger. Kommunen sollten bei der Entwicklung ihrer Gewerbegebiete daher zum Beispiel die Luft- und Umweltqualität berücksichtigen. - Foto: Bluedesign-Fotolia

In der Entwicklung von Gewerbegebieten gewinnen Faktoren der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Das betrifft zum Beispiel den Klimaschutz oder den Umgang mit Regenwasser. Mit diesem Ansatz wollen die Städte Remscheid, Frankfurt am Main und Marl ihre Gewerbegebiete als Grüne Visitenkarte gestalten.

Was für eine verlockende Vorstellung, dass bei kommunalen Konzepten, sei es zur integrierten Stadtentwicklung, zu Klimaschutz oder auch zur grünen Infrastruktur, alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die Ziele im Verbund mit lokalen Akteuren umgesetzt werden können. Genau hier setzt das mit Bundesmitteln geförderte Forschungsprojekt „Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel“ an.

Drei Gewerbegebiete in den Städten Remscheid, Frankfurt am Main und Marl stehen im Fokus des Forschungsprojektes. Gerade Gewerbegebiete bergen in gesamtstädtischen Konzepten enorme Potenziale in Bezug auf CO2-Reduzierung, Regenwasserversickerung und Aufenthaltsqualität. Schon kleine Maßnahmen wie die naturnahe Gestaltung von Firmenparkplätzen, die bewusste Materialwahl bei Baumaßnahmen oder die Bepflanzung von Straßen mit Grüninseln können zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.

Auch bei der Rekrutierung von Fachkräften werden diese weichen Standortfaktoren immer wichtiger. Das Image und Umfeld des Wirtschaftsstandortes, Luft- und Umweltqualität, Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind nur einige Aspekte, die weitere an Bedeutung gewinnen werden. Eine Kommune tut also gut daran, sich mit diesen Faktoren auseinanderzusetzen und diese für die Standorte zu analysieren und zu entwickeln.

Wie eine nachhaltige Gestaltung bestehender Gewerbegebiete als Kooperation von Unternehmen, Anwohnern und Stadtverwaltung gelingen kann, erproben der Wissenschaftsladen Bonn und seine Verbundpartner TU Darmstadt, Uni Osnabrück und Global Nature Fund im Forschungsprojekt. Zwei parallele Ansätze sind die Identifizierung „zukunftssichernder Potenziale“ sowie der Aufbau „starker Partnerschaft“.

Zukunftssichernde Potenziale

Die Potenzial-Checks für die drei Gewerbegebiete des Forschungsprojektes haben ergeben, dass vor allem „Grün“ und „Klimagerecht“ als Themen in den Fokus der Entwicklungsziele rücken. Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden so gewählt, dass sie direkt in die Umsetzung übergehen können. Diese wird dann von den kommunalen Partnern begleitet.

Dazu gehören dann beispielsweise Baumpflanzungen über die Baumschutzsatzung oder die Installation von Solaranlagen über Unternehmensmittel. In Marl zum Beispiel wird im Gewerbegebiet in Kooperation mit einer nahe gelegenen Schule ein außerschulischer Lernort etabliert.

Starke Partnerschaften

Die größte Wirkung wird erzielt, wenn stabile Netzwerke in den Gewerbegebieten über die Projektlaufzeit hinaus bestehen und die Nachhaltigkeitsziele weiter vorantreiben. Solche Netzwerke müssen aber erst einmal initiiert werden und brauchen in der Anfangszeit lokale Ansprechpartner, die die Prozesse immer wieder anstoßen und begleiten. Ein solcher Gebietsmanager kann Teil der Kommunalverwaltung sein oder auch in einem externen Büro arbeiten. Wichtig sind die Präsenz vor Ort sowie der gute Kontakt zu den kommunalen Fachbereichen.

Die Aufgaben sind vielfältig. Dazu gehören die Konzeption des Prozesses, die Organisation von Netzwerktreffen und Veranstaltungen für die Öffentlichkeit, die Beratung von Unternehmen sowie die Entwicklung von Lösungen zusammen mit den Fachämtern der Verwaltung.

Viele der Maßnahmen berühren in der fachlichen Zuständigkeit verschiedene Bereiche innerhalb der Kommunalverwaltung. Daher ist es empfehlenswert, diese Kompetenzen von Beginn an zu bündeln. Die Stadt Frankfurt am Main hat dies beispielsweise so gelöst, dass ein festes Team zusammenarbeitet, das räumlich sowohl in der Kommunalverwaltung als auch in einem Büro mitten im Gewerbegebiet verortet ist. Darüber hinaus hat es sich beispielsweise in Remscheid als sinnvoll erwiesen, mit Institutionen ähnlicher Zielsetzung zusammenzuarbeiten, um in gemeinsamen Teilprojekten die Vielfalt der Entwicklungsperspektiven und den Wissenstransfer zu erhöhen.

Ausgehend von den drei Gewerbegebieten dehnt das Projekt sich aus. Im Austausch-Netzwerk haben sich die vier Kommunen Baesweiler, Rheine, Ense/Kreis Soest, Kürten/Rheinisch-Bergischer Kreis angeschlossen.

Anke Valentin

Die Autorin
Dr. Anke Valentin ist Geschäftsführerin des Wissenschaftsladens Bonn, eines gemeinnützigen Vereins, der in den Bereichen Nachhaltige Stadtentwicklung, Bürgerwissenschaft, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Berufsorientierung Projekte entwickelt und begleitet