Frühe Vorbereitung sichert Kompetenzgewinn

Teambildung: Zur Vorbereitung eines Wahlkampfs gehört, die eigenen Mitstreiter zu motivieren. Foto: ARochau/Fotolia

Wer sich um Spitzenpositionen in der öffentlichen Verwaltung bewirbt, sollte eine Vorstellung davon entwickeln, wo die Stadt oder der Landkreis in zehn Jahren stehen soll. Die Berater Gwendolin Jungblut und Achim Moeller zeigen weitere zentrale Aufgabenbereiche im Vorfeld eines Wahlkampfs auf.

Fangen Sie früh an – das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse aus unserer Erfahrung mit Wahlen. Früh heißt 24 Monate vor dem Wahltermin. Dabei haben Sie drei große Aufgabenbereiche:

  • Analysieren und Lernen

  • Planen und Steuern

  • Handeln und Motivieren

Analysieren und Lernen heißt erstens, Sie müssen das Gebiet kennen, in dem Sie kandidieren: Wie ist die Bevölkerungsstruktur beschaffen? Was verändert sich durch den demografischen Wandel? Welches sind die wichtigsten Arbeitgeber? Wie entwickeln sich Steuereinnahmen und -ausgaben? Was sind die vorherrschenden Themen? Welche großen Entwicklungsprojekte sind geplant? Welche politischen Besonderheiten gibt es? Welche Standortfaktoren prägen das Gebiet? Welche Optionen und Chancen sind erkennbar oder denkbar?

Zweitens müssen Sie sich fragen, welchen persönlichen Entwicklungsbedarf Sie haben in Bezug auf Kompetenz, Auftreten, Ausstrahlung, Vernetzung, Überzeugungskraft, Führungsfähigkeit, Bekanntheit und dem Bild, dass sich die Öffentlichkeit von Ihnen macht.

Mit „Planen und Steuern“ ist zunächst die Frage verbunden, welche Orientierung Sie bieten. Wo soll die Stadt oder der Kreis in fünf bis zehn Jahren stehen und welche Weichen müssen deshalb wie gestellt werden?

Ein zweiter Aspekt ist das Prägen eines Images. Welches Image hat die Sie tragende Partei (wenn sie überhaupt eins hat)? Ist dieses Image förderlich für Ihre Wahl oder eher nicht? Welches Image sollte sinnvollerweise geprägt werden und wie kann das erreicht werden?

Streit belastet das Team

Sollte Ihre Partei zerstritten sein, wird das Ihren Wahlkampf erheblich belasten. Den Streit, zumindest nach außen, einzudämmen, ist dann vordringlich, weil sonst ein erheblicher Teil Ihrer Bemühungen zunichte gemacht werden.

Zudem sollten Sie sich mit der voraussichtlichen Strategie der konkurrierenden Parteien beschäftigen. Welche Gegenkandidaten werden sie aufstellen und mit welchen Themen werden sie die Wahl bestreiten? Was wird man über Sie sagen? Wie reagieren Sie darauf? Wie wollen Sie mit den Mitbewerbern umgehen?

Zeitbedarf nicht unterschätzen

Handeln und Motivieren sind Ihre eigentlichen Wahlkampfaktivitäten. Entsprechend vielfältig ist das Aufgabenspektrum. Sprechen Ihre Themen die Wähler an? Sind sie aufregend, attraktiv, zukunftsorientiert und bewegen sie die Menschen? Wie und wo treten Sie auf? Welche Medien werden eingesetzt? Welche ungewöhnlichen Aktionen haben Sie vor? Was tun Sie, um die eigenen Mitglieder zu motivieren? Wie erreichen Sie Jungwähler? Was können Sie tun, um Vereine, Organisationen und Multiplikatoren auf Ihre Seite zu ziehen?

Sie sehen, es ist wirklich viel zu tun und der Zeitbedarf nicht zu unterschätzen. Besonders dann, wenn Sie berufs­tätig sind. Der große Vorteil des frühen Starts: Ihre politische Kompetenz nimmt deutlich zu und der Wahlkampf wird leichter.

Gwendolin Jungblut / Achim Moeller

Die Autoren
Gwendolin Jungblut und Achim Moeller sind Inhaber von “The LeaderShip – Agentur für Wahlen Führung Strategie”. Sie beraten Kandidaten, Fraktionen und politische sowie außerpolitische Organisationen

Info: Der Ratgeber „WAHLEN gewinnen“ – inklusive Online-Zugangscode zu ca. 100 Arbeitshilfen sowie Selbst-Checks, Stärkenprofil, Konkurrentenanalyse – ist im November 2015 in der Reihe „edition der gemeinderat“ erschienen. Sichern Sie sich Ihr Exemplar! Bestellungen können Sie hier vornehmen.