Energiequelle im Garten anzapfen

Anlieferung von Heckenschnitt auf dem Wertstoffhof: Grüngut eignet sich hervorragend für die Erzeugung von hochwertigen Komposten. Zudem ist der holzige Anteil ein hochwertiger Brennstoff. - Foto: Kzenon/Adobe Stock

Das stoffliche und energetische Potenzial von Grüngut im Rahmen der Kreislaufwirtschaft besser zu erschließen, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Die Kommunen können durch die Ausgestaltung der Sammel- und Gebührenstruktur wesentlich die Mengen und die Qualität des erfassten Grünguts beeinflussen.

Die Regelungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) sehen vor, dass Bioabfälle, zu denen auch Garten- und Parkabfälle (Grüngut) zählen, getrennt erfasst und verwertet werden müssen. In den Diskussionen über die Umsetzung dieser Getrenntsammlungspflicht steht jedoch häufig ausschließlich das Vorhandensein einer Biotonnensammlung im Fokus, während vor allem sperriges holziges Grüngut nur unzureichend über die Biotonne entsorgt werden kann. Daher bieten nahezu alle öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (örE) separate Bring- oder Holsysteme für Grüngut an, die jedoch in ihrer Ausgestaltung bezüglich Erreichbarkeit und Komfort für den Bürger häufig nicht zufriedenstellend sind.

Als Folge davon werden große Mengen an Grüngut einerseits zur Eigenkompostierung oder als Ofenholz verwendet, was zumindest eine Form der Nutzung darstellt, die aber vergleichsweise ineffizient ist und ohne Qualitätskontrolle (z. B. ob die Eigenkompostierung auch eine tatsächliche Eigenverwertung beinhaltet) stattfindet. Andererseits werden große Mengen an Grüngut durch offene Verbrennung beseitigt (z. B. auch durch Brauchtumsfeuer) oder illegal abgelagert. Dies führt zu unkontrollierten Emissionen und es gehen große Potenziale zur Einsparung von Treibhausgasen durch die Produktion von Grüngut-Kompost und Grüngut-Brennstoff verloren. Daneben ist die illegale Ablagerung von Grüngut im Wald und in der Feldflur mit den Risiken der unkontrollierten Verbreitung von Neophyten (nicht einheimische Pflanzen) und der Schädigung von landwirtschaftlichen Nutztieren durch den Verzehr von angerotteten oder giftigen Pflanzen im Grüngut verbunden.

Absatz für hochwertige Komposte

Grüngut eignet sich hervorragend für die Erzeugung von hochwertigen Komposten. Diese finden Absatz in der klassischen Landwirtschaft, im Garten- und Landschaftsbau und zunehmend auch im Ökolandbau sowie in Erdenwerken und tragen damit auch zur Torfsubstitution bei. Zudem ist der holzige Anteil im Grüngut ein hochwertiger Brennstoff.

Allerdings stellt die momentane Marktlage eine Hürde für die Nutzung eines Grüngut-Brennstoffs dar, der qualitativ in Bezug auf Feuchtegehalt, Aschegehalt und Stückigkeit geringwertiger ist als Hackschnitzel aus dem Wald oder der Straßenrandpflege. Einerseits stellt der gegenwärtig niedrige Ölpreis eine generelle Schwierigkeit für die Nutzung erneuerbarer Energieträger dar, andererseits sind infolge mehrerer milder Winter die Lager der Heiz(kraft)werke durch unzureichenden Absatz sowie durch verstärkte Pflegeaktivitäten an Straßenrändern inklusive Hackschnitzelproduktion überfüllt.

Insgesamt wurden im Jahr 2017 in Deutschland rund 4,9 Millionen Tonnen Grüngut (bzw. durchschnittlich etwa 64 kg Grüngut pro Einwohner) über die örE erfasst. Im Vergleich der Bundesländer erzielte Niedersachsen mit durchschnittlich 98 Kilogramm pro Einwohner und Jahr (kg/E*a) die höchste spezifische Erfassungsleistung. Auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Bayern erreichten mit über 90 kg/E*a überdurchschnittlich hohe spezifische Erfassungsleistungen. Sehr geringe Grüngutmengen mit Werten von unter 30 kg/E*a wurden dagegen im Durchschnitt in Schleswig-Holstein, Sachsen, Hamburg und Berlin über die örE erfasst.

Sammel- und Gebührenstruktur nutzerfreundlich ausgestalten

Die Erfassungsstrukturen der örE für Grüngut in Deutschland sind von vielen unterschiedlichen Systemen geprägt, die lokal und regional auch miteinander kombiniert werden. Bei den Bringsystemen handelt es sich um fest eingerichtete Plätze wie Wertstoffhöfe, Grüngutsammelplätze oder auch Kompostanlagen, die teilweise unbeschränkt zugänglich sind, meistens aber feste Öffnungszeiten haben, die sich zum Teil über das ganze Jahr und zum Teil nur über die vegetationsreiche Zeit erstrecken. Bei den Holsystemen handelt es sich zumeist um die Abfuhr von gebündeltem Baum- und Strauchschnitt, der entweder zu einem festen Termin oder auf Abruf vor dem Haus nach bestimmten Regeln bereitgelegt werden muss.

Die Gebühren- oder Entgelterhebung hat einen deutlichen Einfluss auf die Sammelmengen. So waren beispielsweise bei den 227 örE, die eine entgeltfreie Abgabe „haushaltsüblicher Mengen“ an Grüngut erlauben, die Grüngutmengen mit 75 kg/E*a deutlich höher als bei den 138 örE, deren Sammelstellen generell entgeltpflichtig sind (39 kg/E*a).

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Erfassungsmengen beeinflusst, ist die Dichte-Verteilung der Sammelstellen. Die Spannbreite der Einwohner pro Grüngutsammelstelle liegt deutschlandweit zwischen 500 und 300.000. Je geringer die individuelle Entfernung zur Sammelstelle ist, desto höher sind demnach die spezifischen Erfassungsmengen. So wurden beispielsweise bei den 72 örE, die weniger als 5000 Einwohner pro Sammelstelle aufweisen, im Mittel 102 kg/E*a erfasst im Gegensatz zu einer mittleren Erfassungsmenge von 29 kg/E*a bei den 27 örE, die mehr als 100.000 Einwohner pro Sammelstelle aufweisen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Grüngut einen hochwertigen Inputstoff für die stoffliche und energetische Nutzung darstellt und das Potenzial bei Weitem noch nicht erschlossen ist. Große, bislang ungenutzte Potenziale für eine optimierte stofflich-energetische Verwertung befinden sich vor allem bei dem in den Haushalten verbleibenden Grüngut, das entweder eigenkompostiert, verbrannt oder illegal entsorgt wird. Um die Bestrebungen im Klimaschutz und der Kreislaufwirtschaft weiter auszubauen, ist eine verstärkte separate Erfassung dieser Grüngutmengen notwendig. Hierbei kann die Kommune durch die Ausgestaltung der Sammel- und Gebührenstruktur wesentlich die Mengen und die Qualität des erfassten Grünguts beeinflussen.

Michael Kern

Der Autor
Dr.-Ing. Michael Kern ist Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie in Witzenhausen

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