Die Umstellung auf Elektro-Busse kommt in Fahrt, wenn Kommunen den Mittelstand machen lassen: So sieht es Kai Neumann für den Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen. Dafür plädiert er auch – und zeigt, wie die Ampeln für Elektromobilität im ÖPNV auf Grün gestellt werden können.

Die Elektrifizierung des Busverkehrs ist eine der größten Transformationen, vor denen der öffentliche Personennahverkehr derzeit steht. Das Ziel ist klar: Busse sollen künftig klimaneutral unterwegs sein – obwohl sie bereits heute Teil der Lösung für einen klimafreundlichen Verkehr sind. Die entscheidende Frage lautet, wie die Antriebswende möglichst schnell, wirtschaftlich und flächendeckend umgesetzt werden kann. Die Fahrzeuge sind praxistauglich, sowohl im urbanen als auch im ländlichen Kontext und die privaten Verkehrsunternehmen haben längst bewiesen, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Private Busunternehmen sind der Motor der Antriebswende. Sie betreiben mehr als die Hälfte aller Busse in Deutschland und fast 40 Prozent der Elektrobusse. Über 140 Unternehmen haben eine Bundesförderung für fast 2000 Elektrobusse erhalten. Bereits heute setzt jedes vierte private Busunternehmen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ein. Damit wird deutlich: Der Mittelstand wartet nicht auf die Zukunft, sondern gestaltet sie aktiv mit.
Der Mittelstand treibt den Wandel voran
Gerade mittelständische Familienunternehmen investieren langfristig – in ihr Personal, die Flotte und die Betriebshöfe. Sie kennen ihre Regionen, ihre Fahrgäste und ihre Aufgabenträger oft seit Jahrzehnten. Zusätzliche kommunale Parallelstrukturen verursachen dagegen Verwaltungskosten, schaffen neue Schnittstellen und lösen keines der eigentlichen Probleme der Antriebswende.
Entsprechend besteht aus bdo-Sicht kein Anlass, kommunale Fahrzeuggesellschaften oder kommunale Betriebshofgesellschaften aufzubauen, die Elektrobusse oder Ladeinfrastruktur beschaffen und anschließend an private Betreiber vermieten.
Wirtschaftlichkeit entscheidet
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht mehr in der Technik, sondern in der Wirtschaftlichkeit. Elektrobusse verursachen nach wie vor deutlich höhere Investitionskosten als Dieselbusse. Hinzu kommen Ladeinfrastruktur, Werkstattanpassungen, Netzanschlüsse, Schulungen und teilweise zusätzliche Fahrzeuge aufgrund längerer Ladezeiten oder anspruchsvoller Umläufe. Selbst hohe Investitionsförderungen schließen diese Wirtschaftlichkeitslücke nicht vollständig.
Der bdo plädiert deshalb für einen grundlegenden Perspektivwechsel. Statt immer neuer Fahrzeugförderprogramme braucht es verlässliche Betriebskosten. Ein Fahrstrompreis für den ÖPNV würde genau diesen Ansatz verfolgen. Niedrigere und dauerhaft kalkulierbare Stromkosten würden die Wirtschaftlichkeit von Elektrobussen erheblich verbessern, Bürokratie abbauen und Unternehmen Planungssicherheit geben. Der entscheidende Vorteil: Die Förderung käme unmittelbar dort an, wo sie benötigt wird – bei den Verkehrsunternehmen.
Planungssicherheit ist Klimaschutz
Neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen benötigen Unternehmen vor allem Planungssicherheit. Mit der jüngsten Änderung des Personenbeförderungsgesetzes wurde die Möglichkeit geschaffen, Genehmigungen unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu 15 Jahre zu verlängern. Gerade für Investitionen in Elektrobusse eröffnet dies neue Chancen. Höhere Investitionen können über einen längeren Zeitraum amortisiert werden, Finanzierungen werden erleichtert und Investitionsrisiken sinken erheblich.
Genehmigungsbehörden und Aufgabenträger sollten diese Möglichkeit aktiv nutzen. Längere Genehmigungslaufzeiten sind kein Privileg für Unternehmen, sondern ein Instrument, um Investitionen in klimafreundliche Mobilität überhaupt erst wirtschaftlich tragfähig zu machen. Sie schaffen Planungssicherheit für Unternehmen und gleichzeitig Versorgungssicherheit für Kommunen.
Ansätze für den emissionsfreien Einsatz
Auch Allgemeine Vorschriften werden häufig unterschätzt. Sie bieten den Kommunen die Möglichkeit, finanzielle Anreize für den Einsatz emissionsfreier Busse zu schaffen, ohne den Wettbewerb einzuschränken. Anreizsysteme können Qualitätsziele und Klimaschutzziele miteinander verbinden und gleichzeitig wirtschaftliches Handeln fördern.
Sowohl vergaberechtlich als auch europarechtlich bestehen hierfür belastbare Gestaltungsmöglichkeiten. Gerade in Verbindung mit längeren Genehmigungslaufzeiten können Allgemeine Vorschriften ein wirkungsvolles Instrument werden, um die Elektrifizierung privater Verkehrsunternehmen voranzubringen.
Eine Herausforderung können die Verkehrsunternehmen allerdings nicht allein lösen: den Ausbau der Stromnetze. Busbetriebshöfe sollten beim Netzausbau prioritär behandelt werden. Schließlich geht es um kritische Infrastruktur, die täglich tausende Menschen klimafreundlich mobil hält. Ohne leistungsfähige Netzanschlüsse wird die Antriebswende zwangsläufig ausgebremst.
Worum es aus bdo-Sicht gehen sollte
Die Kommunen spielen eine Schlüsselrolle. Sie haben die wesentlichen Stellschrauben für das Gelingen der Antriebswende in der Hand: Mittelstandsfreundliche Vergaben, längere Genehmigungslaufzeiten und intelligente Allgemeine Vorschriften – mehr braucht es nicht.
Wenn von Seiten der Kommunen hier klug agiert wird, gelingt die Elektrifizierung des Busverkehrs deutlich schneller, als viele heute erwarten. Die privaten Busunternehmen stehen bereit, diese Transformation gemeinsam mit den Kommunen umzusetzen. Denn Klimaschutz und wirtschaftlich starker Mittelstand sind keine Gegensätze. Sie sind zwei Seiten derselben erfolgreichen Verkehrswende.
Kai Neumann
Der Autor
Kai Neumann ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo).




