Das Geld arbeitet lokal

Freibad Hamminkeln: Der Freibadverein nutzt kommunale Dächer für die Fotovoltaik. - Foto: Stadt Hamminkeln

Die Energiewende lebt vom Mitmachen. Die Kommunen können ihren Bürgern verschiedene Möglichkeiten anbieten, sich an der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen zu beteiligen. Genossenschaften und Mieterstromprojekte sind nur zwei Modelle. Auch Crowdfunding ist im Energiesektor mittlerweile etabliert.

Bürgerbeteiligung ist im Zusammenhang mit der Energiewende mehr als nur ein „Buzzword“, sondern ein Puzzlestück für ihren Erfolg. Denn klar ist: Die Last der Finanzierung kann und muss auf mehreren Schultern verteilt werden. Die Verteilung ist gleichwohl eine Frage der sozialen Gerechtigkeit: Menschen sind nicht nur von der Energiewende „betroffen“, sondern profitieren auch von ihr.

Aus der jährlichen Akzeptanzumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien geht hervor, dass die Zustimmung der deutschen Bevölkerung zur Energiewende ungebrochen ist. 93 Prozent sprachen sich im Oktober 2018 für eine stärkere Nutzung und den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Diese Zustimmung können Kommunen nutzen und sich dafür einsetzen, dass ihre Bürger an Erneuerbare-Energie-Projekten beteiligt werden. Das bedeutet, die Öffentlichkeit sowohl in den Planungsprozess einbinden als auch finanziell an der Wertschöpfung beteiligen.

In den vergangenen Jahren haben sich einige Beteiligungsmodelle zur Finanzierung durchgesetzt. So zum Beispiel Bürgersparbriefe, die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft oder die Beteiligung als Kommanditist an einem Windpark. Nicht selten organisierten sich auch Bürgerenergiegesellschaften, die selbst größere Projekte umsetzten oder sich an Projekten beteiligten. In vielen Fällen werden diese von mittelständischen und kommunalen Unternehmen initiiert und von Banken finanziert, zum Beispiel durch die Deutsche Kreditbank (DKB), die seit Mitte der 1990er-Jahre in Wind-, Solar- und Biogasanlagen investiert.

Eingetragene Genossenschaften in Kommunen ermöglichen die aktive Beteiligung und unkomplizierte Organisation von vielen Mitgliedern. Genossenschaftlich organisierte Projekte legen meist einen festen Genossenschaftsanteil sowie die Anzahl an Anteilen fest, die erworben werden können. Sinnvoll ist es, diejenigen zu bevorzugen, die in unmittelbarer Nähe der Energieanlage wohnen.

Mieter produzieren selbst Strom

Für Mieter kann es attraktiv sein, Strom auf dem eigenen Dach oder mithilfe von Blockheizkraftwerken zu produzieren. Das Mieterstrommodell basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie die Eigenstromproduktion von Immobilienbesitzern, die ihren Strom selbst erzeugen, nutzen und in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Der Strom wird auf einem Gebäude lokal produziert und vom Anlagenbetreiber an Mieter in unmittelbarer Nähe des Gebäudes verkauft. Somit wird ein eigenes Stromnetz und nicht das öffentliche für die Verteilung genutzt.

Weil der Strom nicht durch ein öffentliches Netz fließt, entfallen diese Nutzungskosten sowie die Konzessionsabgabe, also die Abgabe, die Strom- und Gasnetzbetreiber für die Nutzung des öffentlichen Raums an Kommunen zahlen, wenn sie ihre Leitungen über oder unter Straßen und Wegen bauen. Allerdings müssen Hauseigentümer beim Verkauf an ihre Mieter oftmals die volle Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)-Abgabe zahlen.

Seit Jahren ist Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“) in vielen Bereichen etabliert: Musik, Kunst, Soziales und eben auch Erneuerbare Energien. Geht es bei Energiegenossenschaften oft um aktive Beteiligung und Mitsprache, suchen Investoren bei Energie-Crowdfunding-Projekten viel eher eine sinnvolle Geldanlage etwa zum Ausbau erneuerbarer Energien, zur Steigerung der Energieeffizienz oder zur Senkung von CO2-Emissionen.

Crowdfunding im Energiebereich bedeutet meistens, bestehende Anlagen zu refinanzieren. Mit Crowdfunding können Menschen in Deutschland und weltweit in die Energiewende investieren. Wenn es gut läuft, bekommen sie Renditen ausgeschüttet. Sicherheiten gibt es allerdings nicht, wenn die Projekte beispielsweise nicht gelingen.

Wollen Privatanleger in nachhaltige Geldanlagen investieren und damit Erneuerbare-Energien-Projekte unterstützen, haben sie die Möglichkeit, sich an soziale und ökologische Banken zu wenden. Die wichtigsten vier Ökobanken in Deutschland sind die Ethikbank, die Umweltbank, Triodos und die GLS-Bank. Ansonsten lohnt es sich, auf das Siegel des Forums nachhaltige Geldanlagen (FNG) zu achten. Nachhaltige Geldanlagen sind trotz aller Trends noch Nischenprodukte, obwohl sie in Bezug auf Rendite den herkömmlichen in nichts nachstehen.

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, wie der Markt mit neuen Akteuren vielfältiger geworden ist und große Projekte sowie einzelne Solar- und Windenergieanlagen oder Blockheizkraftwerke geplant, finanziert und errichtet wurden. Im kommunalen Umfeld belegen viele gute Beispiele, wie Städte, Gemeinden und Landkreise die dezentrale Energiewende voranbringen: der Rhein-Hunsrück-Kreis, Heidelberg, Lathen oder Steinfurt – um nur einige zu nennen. Durch den Bau und Betrieb der Windanlagen kommen zusätzliche Einnahmen in die Gemeindekassen und die Kommunen halten die Wertschöpfung in ihrer Region.

Ilka Müller

Die Autorin
Ilka Müller ist Mitarbeiterin der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) in Berlin