Bei der Ortsbild-Verbesserung zählen die Details

„Atmosphäre-Check“ im saarländischen Marpingen: Bürgermeister Volker Weber (Mitte, vorne) im Gespräch mit Expertin Heike Glatzel. - Foto: Futour

Für Städte und Gemeinden ist eine gute „Atmosphäre“ einer der wichtigsten Faktoren, damit sich die Bürger mit ihrem Wohnort identifizieren. Ganz besonders gilt dies für touristische Orte. Sie müssen als Ganzes so attraktiv sein, dass die Gäste in ihrem Urlaub in die richtige Stimmung kommen.

Bei der Frage, warum sich Menschen an einem Ort wohlfühlen, ist es fast so wie bei der, was das Glück ausmacht. Die Glücksforscher haben erkannt, dass positive Gefühle viel unterschwelliger sind als negative. Auch gelten sie als recht flüchtig. Wir nehmen sie zudem weniger oft wahr als negative Gefühle.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Atmosphäre eines Ortes: Wir spüren zwar irgendwie, ob es uns dort gefällt, aber wir wissen oft nicht auf Anhieb, woher diese positive Empfindung kommt. Und: Auch in Bezug auf die Stimmung, die uns Orte vermitteln, ist es so, dass uns die negativen Eindrücke, die „Atmosphäre-Killer“, am ehesten auffallen.

Was lässt sich unternehmen, um ein Ortsbild „atmosphärisch“ aufzuwerten, zumal bei knappen Mitteln, wenn kein Geld für umfangreiche Umgestaltungen des Ortsbildes verfügbar ist?

Es empfiehlt sich eine systematische Vorgehensweise, bei der zunächst bestimmte räumliche Bereiche in der Gemeinde definiert werden, die näher zu betrachten sind: zum Beispiel der Ortseingangsbereich oder die Einkaufszone. Hier werden sowohl Schwachstellen und Störfelder („Atmosphäre-Killer“) als auch attraktive Situationen („Atmosphäre-Träger“) identifiziert, sodass sich gezielt Vorschläge für positive Veränderungen entwickeln lassen.

Gerade die Ortseingangsbereiche, an denen die Touristen in Empfang genommen werden, sind meist wenig attraktiv und mit ihren Tankstellen, Supermärkten und Gewerbegebieten auch recht austauschbar.

Wenn dann noch überdimensionale Werbetafeln den Blick dominieren, fragt sich mancher Gast: „Wo bin ich denn hier gelandet?“ Es bringt wenig, wenn die Gemeinde dann selbst noch mit Inhalten überfrachtete Begrüßungstafeln aufstellt, womöglich noch in einem Design, das jetzt modisch erscheinen mag, bald aber schon veraltet ist.

Auch innerorts kommt den Details im öffentlichen Raum eine große Bedeutung zu. In welchem Zustand sind die Sitzbänke und stehen sie an der richtigen Stelle? Werden Verbesserungen vorgenommen, sollten diese dann auch sofort wahrgenommen werden können. So lässt sich ein großer Platz mit mobilen, mit Sand oder Wasser gefüllten Sitzmöbeln auffällig bestücken. Ist die Beschilderung mit Aufklebern zugeklebt oder vom Rost angefressen? Da es ohnehin mehr als genug Schilder gibt, gilt das Motto: Nicht erst säubern, gleich entfernen. Und dann die Baustellen: Warum den Bauzaun nicht mit einer gestalteten Plane verkleiden und so für einen Hingucker sorgen, etwa eine historische Stadtansicht oder ein Grafitti-Kunstwerk des Jugendclubs?

Ansehnliche Parks und Grünstreifen

Ein besonders wichtiger Atmosphäre-Träger ist das öffentliche Grün. Hier gibt es vielfältige Ansatzstellen, einen Ort über einen Großteil des Jahres attraktiv wirken zu lassen. Und wenn machbar, sollte das Ganze auch im Winter noch ansehnlich sein. Aber was, wenn in den Pflanztrögen vor allem Unkraut wuchert oder sich Abfall ansammelt? Dann kehrt sich die gewollte positive Wirkung bald in einen Atmosphäre-Killer ersten Ranges um.

Beim öffentlichen Grün gilt ganz besonders: Wenn schon, dann richtig! Beispielsweise insektenfreundlich. Wenn der Kindergarten beim Pflanzen von Frühlingszwiebeln mitmacht, erfährt es auch die Öffentlichkeit eher. Mit zusätzlichem mobilen Grün lässt sich übrigens vom einen oder anderen Atmosphäre-Killer ablenken.

Besonders negativ fällt Leerstand im Ortskern ins Auge. Schnelle Lösungen gibt es meist nicht, aber immerhin lassen sich leere Schaufenster bei gutem Willen der Beteiligten gestalterisch „füllen“, beispielsweise mit dem Stadtplan, der dann gleichzeitig als Orientierungshilfe dient. Auch aufdringliche Ladenschilder, Kundenstopper und Freiverkaufsflächen können sich negativ auf das Ambiente auswirken. Hier hilft nur, auf die Kooperationsbereitschaft von Einzelhandel und Gewerbe zu setzen. Positive Beispiele, wie der Handel in anderen Kommunen mit der Außenwerbung umgeht, können für die Überzeugungsarbeit unterstützend wirken.

Heike Glatzel

Die Autorin
Dr. Heike Glatzel ist Geschäftsführerin der Futour Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung in München

Info: Atmosphäre-Check

Wer schon lange in einem Ort lebt, dem fallen viele unattraktive Details oft gar nicht mehr auf, auch wenn sie auf die Stimmung schlagen. Die Verantwortlichen in den Kommunen kennen zwar die Schwachstellen meist recht gut, aber oft ist es schwierig, für Verbesserungsmaßnahmen alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. Im Saarland nutzen Kommunen ein neues Instrument, das zu einer nachhaltigen Aufwertung der Ortsbilder führen soll. Im Rahmen des Modellprojekts „Ambiente und Lebensqualität in saarländischen Gemeinden“ haben bereits zehn Städte und Gemeinden einen „Atmosphäre-Check“ durchgeführt oder sind gerade dabei. Der vom Münchner Beratungsunternehmen Futour entwickelte Check bietet eine standardisierte Vorgehensweise, bei der das Beraterteam sein Spezialwissen einbringt, innovative Ideen und Beispiele vorstellt und konkrete Lösungen gemeinsam mit den Verantwortlichen und Interessierten entwickelt. Auch mit begrenzten finanziellen Mitteln lassen sich so Verbesserungen im Ortsbild erreichen, die dazu beitragen, langfristig die Aufenthalts- und Lebensqualität in den Orten zu erhöhen.