Bamberger Stadtwerke-Mitarbeiter in freiwilliger Quarantäne

Für eine sichere Energie- und Wasserversorgung freiwillig in Quarantäne: Steffen Urban, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei den Stadtwerken Bamberg, in seinem neuen „Domizil“ in der Verbundleitwarte des kommunalen Versorgungsunternehmens. – Foto: Stadtwerke Bamberg

Außergewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Um die Energie- und Wasserversorgung sowie den Betrieb des Glasfasernetzes nicht durch Personalausfälle zu gefährden, werden alle Netze und technischen Anlagen der Stadtwerke Bamberg von Mitarbeitern aus einer freiwilligen Quarantäne heraus gesteuert.

Wenn Steffen Urban zur Arbeit geht, hat er normalerweise nur einen Rucksack dabei. Jüngst stand der gCoronelernte Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik kurz vor fünf Uhr mit dem Reisekoffer vor der Tür seiner Arbeitsstelle. Aber statt in den Urlaub ging es für den 24-jährigen und seine Kollegen Sven Weber, Norbert Eichfelder und Ralph Schneiderbanger in freiwillige Quarantäne. Die vier sind Mitarbeiter in der Verbundleitwarte der Stadtwerke Bamberg (Bayern) und stellen gemeinsam mit ihren Kollegen den reibungslosen Betrieb der Energie- und Wassernetze in Bamberg, Hallstadt und Stegaurach sicher. Sie kontrollieren zum Beispiel die Füllstände der Trinkwasserhochbehälter, den Gasverbrauch und auch den reibungslosen Betrieb des schnellen Glasfasernetzes der Stadtwerke. Fällt das Stromnetz aus – sie wissen es sofort.

Kritische Infrastrukturen müssen auch in Zeiten von Corona zuverlässig funktionieren

Um bei solchen Störfällen unverzüglich reagieren zu können, ist die Leitwarte rund um die Uhr besetzt. Auch zu Ostern, zu Weihnachten – und in Zeiten von Corona: „Strom, Gas, Wasser, Wärme, Internet – das sind allesamt kritische Infrastrukturen, die jetzt mindestens so zuverlässig funktionieren müssen wie an jedem anderen Tag auch“, sind sich Urban und seine Kollegen ihrer Verantwortung bewusst.

Mit der freiwilligen Quarantäne der Mitarbeiter stellen die Stadtwerke sicher, dass auch während der Coronapandemie der Betrieb der Netze und Anlagen reibungslos funktioniert. Um Ansteckungen dieser Mitarbeiter zu verhindern, wurden sie mit Fortschreiten der Pandemie am Montag dieser Woche (23.3.) von der Außenwelt abgeschnitten. Der Notbetrieb läuft bis auf Weiteres, die Mitarbeiter arbeiten im Vier-Schicht-Betrieb: sechs Stunden hochkonzentriert in der Leitwarte, 18 Stunden Pause für Freizeit und Schlaf. Das Ganze maximal acht Tage am Stück, danach gibt’s vier Tage Heimaturlaub. Um Lagerkoller zu vermeiden, werden die Teams dann durchgewechselt – natürlich erst, nachdem sie erneut negativ auf das Corona-Virus getestet worden sind.

Für die kasernierten Mitarbeiter haben die Stadtwerke an alles gedacht und über Nacht Schlaf- und Freizeitgelegenheiten geschaffen: Besprechungsräume wurden zu Schlafzimmern umfunktioniert und Duschen für die Mitarbeiter der Leitwarte reserviert. Sogar den Schlüssel für die Kantine haben Steffen Urban und seine Kollegen jetzt am Bund. Ginge es nach dem Füllstand der Vorratskammer, könnte der Ausnahezustand noch Monate dauern – schließlich werden hier in normalen Zeiten täglich nicht nur vier, sondern bis zu 220 Mahlzeiten frisch gekocht.

Red.