Auf Schritt und Tritt smart informiert

Sehenswürdigkeit Burg Auerbach im Vogtland: Mit regionalen Tourismus­portalen können Kommunen Besucher ansprechen, die Wert legen auf digital abrufbare und vernetzte Informationen. - Foto: Animaflora/Fotolia

Mit vernetzten Tourismus- und Informationsangeboten gelingt es auch kleinen Kommunen und eher unbekannten Urlaubsregionen, Besucher zeitgemäß auf ihre Sehenswürdigkeiten und Vorzüge aufmerksam zu machen. Der Bedarf dafür ist gegeben. Es gilt, das Potenzial vor Ort zu erkennen und zu erschließen.

Die Digitalisierung hält auch in die Tourismusbranche unaufhaltsam Einzug. Sich im Dschungel der Angebote zurechtzufinden, ist einerseits für Touristen schwierig. Andererseits tun sich mitunter auch die Anbieter in der Branche selbst wie auch kleine Kommunen schwer auf der Suche nach Ideen und Angeboten, um für Reisende attraktiv zu sein. Die touristische Dienstleistung scheint ohne Vernetzung nur wenig Erfolgsaussichten zu haben. Zugleich kann dies die große Chance für touristische „No-Names“ sein.

Der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt Deutschlands lag im Jahr 2015 bei 8,9 Prozent beziehungsweise 270 Milliarden Euro (Angaben lt. World Travel and Tourism Council Data). Auch Kommunen profitieren wirtschaftlich von der Attraktivität der Region für Gäste. An dieser Stellschraube kann eine Kommune drehen, um ihre Einnahmen zu erhöhen.

Im Geschäft mit den Touristen hat die Bedeutung digitaler Angebote überdurchschnittlich zugenommen. Kümmerten sich vor 20 Jahren noch insbesondere die lokalen Reisebüros um die Bedürfnisse der Menschen, so gab der Bundesverband der Tourismuswirtschaft im März 2015 bekannt, dass bereits fast 40 Prozent der Urlaubsreisen ab einer Länge von fünf Tagen online gebucht werden. Zehn Jahre zuvor lag die Quote noch bei 16 Prozent.

Rund um den Buchungsprozess hat sich ein energischer Wettbewerb aufgebaut. Weniger Beachtung findet indes die eigentlich viel wichtigere Frage, wie die Touristen dann vor Ort unterstützt in ihrem Bemühen um einen gelungenen Urlaub. In den großen Urlaubsregionen mag diese Frage weniger zentral sein. Doch welche Möglichkeiten hat ein Tourist, der zum Beispiel im Musikwinkel im Vogtland oder in Kühlungsborn an der Ostsee zwei erholsame Wochen verbringen möchte? Eine lokale Touristeninformation ist längst nicht (mehr) in jeder Region zu finden und häufig nur zu bestimmten Zeiten oder sogar nur ausgewählten Tagen geöffnet. Die klassische Prospektecke im Hotel oder papierhaftes Kartenmaterial erscheint vielen Touristen im digitalen Zeitalter als nicht mehr zeitgemäß. Diese greifen stattdessen zu ihrem Smartphone und versuchen über die Webseiten der Stadt und der Region beziehungsweise über gängige Suchmaschinen an interessante Ausflugsziele zu gelangen. Die Erwartung des modernen Touristen an eine digitale Begleitung seines Urlaubs – angefangen von der Buchung bis zum Ratgeber, Wegweiser und Informationsgeber vor Ort – bedeutet Herausforderung und Chance zugleich.

Damit der Tourist online fündig werden kann, ist es die Aufgabe regionaler Tourismusbeauftragten, Marketingmaßnahmen zu koordinieren und zum Beispiel auf Messen um Interesse zu werben. Es gilt, Sehenswürdigkeiten zu erschließen und zu vermarkten oder auch Rad- und Wanderwege anzulegen und zu unterhalten. Mit dem Ziel, Gästen jederzeit aktuelle Informationen anzubieten, ist auch wichtig, die Veränderungen des regionalen Angebots an Dienstleistern und touristischen Unternehmen im Auge zu behalten.

Gerade in abgelegenen Urlaubsorten fehlt aus der Sicht der Besucher eine Plattform, die touristisch interessante Punkte miteinander verknüpft und Tipps für weitere Ausflüge gibt. Nur wenige Unternehmen, wie zum Beispiel das Softwareunternehmen Denkende Portale seinem digitalen „Reiseführer für die Hosentasche“, wagen sich in diese Nische. Virtuelle Stadtrundgänge führen Touristen via Smartphone zu Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, die überregional mit über 1000 weiteren Städten und Regionen vernetzt sind. Optional unterstützt durch am Objekt angebrachte QR-Code-Tafeln wird der Einstieg in die Führung via Smartphone denkbar einfach. Imagefilme, Audio-Guides und Schnitzeljagden, Quizspiele oder elektronische Wander-Stempelhefte runden das digital unterstützte Reiseerlebnis ab.

Von vernetzten Angeboten in touristischen Regionen profitieren Nachbargemeinden und -regionen gleichermaßen. Sie können mit wenig Aufwand auch auf kleinere, möglicherweise nichtprofitable Sehenswürdigkeiten hinweisen. Damit können jene zudem eine Karte ausspielen, über welche die Top-Reisedestinationen häufig gar nicht mehr verfügen, die aber heute mehr denn je gesucht werden: Echte Geheimtipps – und sei es nur eine beschauliche Straße, ein besonderes Gebäude oder ein alter, knorriger Baum.

Bernd Schilbach

Der Autor
Bernd Schilbach ist Geschäftsführer des Softwareunternehmens Denkende Portale in Plauen