Arbeitgeberin Kommune: Die Arbeit macht Spaß

Positive Ausstrahlung: Wenn Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind, tragen sie das auch nach außen. Für den Arbeitgeber ist das die beste Imagebildung. - Foto: Fizkes/Adobe Stock

Corona macht’s möglich: Plötzlich ist ein Job in der Verwaltung, im öffentlichen Dienst gefragter als beim angesagten Autohersteller oder beim hippen Fashionlabel. Aber auch jenseits der Krise gibt es viele gute Argumente für die Arbeitgeberin Kommune. Das Personalmanagement sollte sie hervorheben.

Feuerwehrmann will ich werden! Wer kann sich noch erinnern, welcher Berufswunsch als Kind ganz oben auf der Liste stand? Diese Frage ist gar nicht so uninteressant, denn sie zeigt, wie viele unterschiedliche Faktoren es bei der Berufswahl und Ausbildung gibt. Was treibt die Generation Z an? Die nach 1999 Geborenen drängen jetzt oder demnächst ins Berufsleben. Da gibt es naheliegende Faktoren wie das persönliche Umfeld, die eigenen Interessen und Neigungen sowie das Angebot vor Ort.

Laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2019“ bewerben sich mehr als 63 Prozent der Befragten für eine Ausbildung im Umkreis von 30 Kilometer. Die große weite Welt sieht anders aus. Aber auch das Thema Bezahlung spielt eine große Rolle. Knapp 69 Prozent legen Wert auf eine hohe Ausbildungsvergütung, mehr als 85 Prozent auf langfristig gute Verdienstperspektiven. Ganz wichtig: die viel zitierte Work-Life-Balance, also die Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf. Mehr als 70 Prozent der Schüler, Bewerber und Azubis wollen keine Schichtarbeit, mehr als 90 Prozent wollen freie Wochenenden.

Allerdings sind diese Faktoren nicht alles, denn die Ausbildungszeit ist begrenzt, und junge Leute haben oft auch eine klare Vorstellung von dem, was danach kommen soll. Sehr wichtig sind dabei laut der Studie folgende vier Benefits: gute Arbeitsatmosphäre, Jobsicherheit, Festanstellung und eine sinnhafte Tätigkeit.

Drei dieser vier Kriterien kann ein kommunaler Arbeitgeber bieten – und dafür muss er sich noch nicht mal groß anstrengen. Lassen wir die gute Arbeitsatmosphäre mal beiseite und schauen auf die Sinnhaftigkeit. Neudeutsch sprechen wir oft vom „Purpose“, der im Mittelpunkt steht, wenn man sich für einen Arbeitgeber entscheidet. Oder um es mit dem berühmten Wiener Neurologen Viktor Frankl zu sagen: „Der Wille zum Sinn bestimmt unser Leben. Wer Menschen motivieren will und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten.“

Gemeinwohl im Vordergrund

Genau das ist der perfekte Anknüpfungspunkt für kommunale Arbeitgeber mit ihren Tätigkeiten für das Gemeinwesen vor Ort. Es gibt wenige Branchen, die mehr Sinn stiften. Gerade in einer Krisenzeit zeigt sich, wie sehr eine gut funktionierende und sich kümmernde Verwaltung von der Bevölkerung honoriert wird. Und gerade in einer Krisenzeit zeigt sich auch, wie sehr eine Kommune als sichere und soziale Arbeitgeberin von ihren Beschäftigten geschätzt wird. Was ist nun zu tun, um von dieser Wertschätzung zu profitieren, wenn die Krise wieder vorbei ist? Nur mit dem Thema Jobsicherheit zu werben, wird nicht ausreichen. Denn „der Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor wird bis 2030 mit über 800 000 fehlenden Fachkräften im Vergleich zu anderen Sektoren am deutlichsten ausfallen“, heißt es in der PwC-Studie „Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst – Prognose und Handlungsstrategien bis 2030“.

Was müssen Kommunen daher jetzt tun, um als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden? Zwei Dinge: Digitalisierung und Employer Branding. Die neue Arbeitswelt, Arbeiten 4.0, New Work, alles Begriffe für das Arbeiten von morgen, die aber eines gemeinsam haben, digitale, smarte Prozesse und entsprechende Ausstattung mit Hard- und Software. Dazu natürlich die Möglichkeit, vollwertig im Homeoffice zu arbeiten – Letzteres übrigens nicht nur in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und „Social distancing“. Das alles bieten immer mehr Unternehmen und es wird von immer mehr Beschäftigten eingefordert.

Digitales Recruiting

Kommunen und der öffentliche Dienst als Ganzes dürfen sich diesem Trend nicht entziehen und müssen hier die Versäumnisse der Vergangenheit aufholen. So lange das Image von Kommunalverwaltungen noch durch die Papierakte und bürokratische Prozesse geprägt ist, wird es schwierig, sich auf dem Arbeitsmarkt positionieren zu können.

Gleiches gilt für die eigenen Stellenanzeigen. Nur auf die Printanzeige in der Lokalzeitung zu setzen, reicht heute nicht mehr aus. Fast 85 Prozent der bei der Studie „Azubi-Recruiting-Trends 2019“ befragten Bewerber sagten aus, ihren Ausbildungswunsch bei Google eingegeben zu haben. Es gilt also, das eigene Recruiting, die eigenen Bewerbungsprozesse anzupassen, eigene Karriereportale zu entwickeln und die Stellenanzeigen auf digitalen Plattformen zu schalten, damit sie auch in der digitalen Welt wahrgenommen werden. Dort wo es an der „kritischen Masse“ für eigene Plattformen fehlt, gibt es Angebote von Verbänden, so beispielsweise das Portal www.traumjob-vor-ort.de des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV) Bayern.

Neben den Digitalisierungsbemühungen ist es wichtig, eine Arbeitgebermarke zu entwickeln. Leider wird eine Kommunalverwaltung noch allzu oft nur als „Verwaltung“, aber nicht als potenzielle Arbeitgeberin wahrgenommen. Die Arbeitgebermarke kann dieses Manko beheben. Im Mittelpunkt steht das Arbeitgeberversprechen, also das, wofür die Kommune als Arbeitgeberin steht, ihre Werte, ihre Kultur und auch das, was sie positiv von anderen Arbeitgebern, mit denen sie im Wettbewerb steht, abhebt. Hier können die Sinnhaftigkeit, die Regionalität, der Dienst an den Menschen, die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten und mehr aufgeführt werden. Kombiniert mit intelligentem Personal- und Ausbildungsmarketing, leistet das einen wichtigen Beitrag, um am umkämpften Arbeitsmarkt – sowohl im Ausbildungsbereich bei der Generation Z als auch bei Berufs(quer)einsteigern – bestehen zu können und sich zu behaupten. Ein weiterer positiver Nebeneffekt einer attraktiven und authentischen Arbeitgebermarke: die Identifikation der vorhandenen Beschäftigten wird gestärkt. Im besten Fall werden sie zu Markenbotschaftern ihrer Arbeitgeberin Kommune.

Tobias Stephan

Der Autor
Tobias Stephan ist Leiter Kommunikation, Marketing & Employer Branding im Personal- und Organisationsreferat der Landeshauptstadt München

Info: Die Landeshauptstadt München entwickelt zusammen mit der Personalberatung Mercer – Promerit und der Kreativagentur Laut von leise eine neue Arbeitgebermarke. Die Beschäftigten der Stadt werden an der Konzeption beteiligt. Die Corona-Krise hat die Stadt aktuell genutzt, um sich bei ihnen mit einer Social-Media-Kampagne für ihren Einsatz zu bedanken und um die Qualitäten der Arbeitgeberin öffentlich zu zeigen. Unsere Bildergalerie stellt hier einige der Motive (alle Abb.: LHM) vor.