Alexander Ege: „Mehr Spaß am Urlaub für alle Beteiligten“

Alexander Ege: „In Bad Dürrheim arbeiten Kommune, Stellplatzbetreiber und touristische Anbieter Hand in Hand.“ - Foto: Landesmesse Stuttgart

Das Reisen mit dem Wohnmobil wird immer beliebter. Welche Chancen daraus für Stellplatzbetreiber erwachsen, wie die Kommunen von der Entwicklung profitieren können und welche Ziele der Stellplatzgipfel am 13. Januar 2020 in Stuttgart verfolgt, erläutert Alexander Ege von der Tourismusmesse CMT.

Herr Ege, wie hat sich der Wohnmobiltourismus in Deutschland in den Jahren 2018 und 2019 entwickelt und wie sehen für diese Sparte die Prognosen der Tourismusexperten aus?

Ege: Die Zahl der neu zugelassenen Reisemobile und Caravans ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Seit einigen Jahren verzeichnet die Branche konstant zweistellige Zuwachsraten. Allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden rund 80.000 Freizeitfahrzeuge in Deutschland neu zugelassen. Ein großer Markt an reiseaffinen Menschen, die gerne mobil sind und nicht nur weite Strecken zurücklegen, sondern auch ihre Heimat erkunden wollen.

Welchen Anteil hat der Wohnmobiltourismus an der durch den Tourismus erzielten Wertschöpfung hierzulande?

Ege: Insgesamt entfallen laut einer Umfrage des Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (DWIF) pro Jahr in Deutschland 11,7 Millionen Übernachtungen von Reisemobilisten auf Stellplätze außerhalb von Campingparks. Aktuelle Führer verzeichnen rund 4000 Stellplatzadressen in Deutschland.

Woher kommen die „Mobilhomer“ und in welche Regionen und Orte zieht es sie?

Ege: Wer einen längeren Reisemobilurlaub innerhalb Deutschlands plant, den zieht es vor allem in den Süden und den Norden der Republik. Dort stehen die Reisemobilisten meist auf Campingplätzen mit umfangreicher Infrastruktur wie Sanitäranlagen, Wasser- und Saunalandschaft und Kinderbetreuung. Stellplatzbesucher bleiben normalerweise nicht so lange an einem Ort. Ein, zwei Übernachtungen sind die Regel, dann geht es weiter.

An welchen Angeboten und Attraktionen sind sie interessiert?

Ege: Meist gibt es einen konkreten Anlass für die Wahl des Stellplatzes: eine attraktive touristische Destination, ein großes Fest oder eine Sehenswürdigkeit in der Nähe. Kurzum, touristische Attraktionen sind immer ein Anziehungspunkt und erschließen sich mit einem angeschlossenen oder benachbarten Stellplatzangebot oftmals eine weitere Besucherzielgruppe, die nicht nur für wenige Stunden kommt, sondern zumeist noch ein, zwei Übernachtungen dranhängt.

Wie reagieren die Tourismusdestinationen auf die zunehmende Zahl von Wohnmobilen?

Ege: Viele Destinationen haben die Zeichen der Zeit erkannt. Gerade Freizeitparks, Schwimmbäder, Weingüter und Bauernhöfe haben das touristische Potenzial entdeckt, das in den Reisemobilisten schlummert und entsprechende Angebote auf ihrem Gelände eingerichtet.

Entstehen mittlerweile mehr Wohnmobilstellplätze in den Städten und Gemeinden?

Ege: Auch hier geht es voran, jedoch meist nicht so schnell wie bei den privaten Anbietern. Hier wollen wir mit dem Stellplatzgipfel auf der CMT ansetzen und den Kommunen unter die Arme greifen. Es geht darum, Vorurteile abzubauen und praktische Handlungs- und Lösungsansätze zu bieten. Gleichzeitig hoffen wir, damit auch die Angebote für Reisemobilisten zu verbessern. In den Hauptreisezeiten können die Stellplätze schon mal überfüllt sein. Mehr Stellplätze bedeuten für alle Beteiligten mehr Spaß am Urlaub!

Können Sie Beispiele von Kommunen nennen, die sich in vorbildlicher Weise der Wünsche und Ansprüche der „Mobilhomer“ annehmen?

Ege: Ein tolles Beispiel ist der Reisemobilhafen in Bad Dürrheim. Dort finden über 400 Reisemobile Platz und haben im Solemar mit Therme und zur Schwarzwaldsauna freien Eintritt. Kommune, Stellplatzbetreiber und touristische Anbieter arbeiten vor Ort Hand in Hand und haben ein tolles Angebot gestrickt. Ähnliche Erfolgsgeschichten finden sich über ganz Deutschland verteilt.

Wie sieht die Mindestausstattung für Wohnmobilanlagen aus? An welchen Kriterien können Kommunen sich bei Bau und Ausstattung entsprechender Plätze orientieren, gibt es zum Beispiel Leitfäden oder Empfehlungen von Verbänden?

Ege: Natürlich muss nicht jeder Stellplatz riesengroß sein. Wichtig ist aber, dass es neben reisemobilgerechten Stellplätzen zum Beispiel umweltgerechte Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen gibt. Außerdem ist die Nähe zu Ausflugsmöglichkeiten sowie Geschäften und Restaurants von zentraler Bedeutung. Ein Stellplatz fernab des Geschehens „auf der grünen Wiese“ geht meist an den Interessen der Nutzer vorbei. Eine Orientierung für den Bau bietet die vom Deutschen Tourismusverband herausgegebene Planungshilfe „Reisemobilstellplatz“.

Der Wohnmobiltourismus ist nicht überall willkommen. Nicht wenige Bürger fühlen sich in ihren Gemeinden überrollt von den Caravan-Flottillen und wollen so gar nicht daran glauben, dass die lokale Wirtschaft etwas von den „Mobilhomern“ hat. Wie kann hier Vorbehalten begegnet werden? Was kann der Stellplatzgipfel im Rahmen der CMT erreichen?

Ege: Nach unterschiedlichen Erhebungen gibt jeder Reisemobiltourist vor Ort im Schnitt rund 50 Euro pro Tag aus. Neben den touristischen Attraktionen profitieren die örtliche Gastronomie und der Handel, denn die Reisemobilisten gehen abends nicht „hoch aufs Hotelzimmer“, sie sind in der Regel unterwegs und nutzen das Fahrzeug nur für die Übernachtung. Wir wollen Gemeinden dieses Potenzial aufzeigen und ihnen helfen, es richtig zu nutzen.

Haben Dieselfahrverbote Auswirkungen auf den Wohnmobiltourismus? Werden Städte mit solchen Fahrverboten jetzt generell gemieden?

Ege: Für die Halter alter Fahrzeuge sind Dieselfahrverbote ein Thema. Aktuelle Generationen sind in der Regel mit Euro-6-Dieseln ausgestattet und haben damit kein Problem bei der Einfahrt in eine Stadt. Ein guter Stellplatz muss aber nicht immer mittendrin liegen. Wer mit einem sechs oder sieben Meter langen Reisemobil unterwegs ist, der freut sich, wenn er nicht durch enge Altstadtgassen navigieren muss. Ein sehr gut an den ÖPNV angebundener, toll eingerichteter Stellplatz am Stadtrand ist mindestens genauso attraktiv wie ein zentraler Stellplatz direkt neben dem Kirchturm.

Interview: Wolfram Markus

Zur Person: Alexander Ege (Jg. 1981) verantwortet als Teamleiter die Stuttgarter CMT, die weltweit größte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit. In der Caravaning-Branche arbeitet er seit über zehn Jahren. In seiner Freizeit ist er mit seiner Familie gerne selbst im Reisemobil unterwegs.

Info: Stellplatzgipfel zeigt Potenziale auf

Zum fünften Mal findet im Rahmen der Touristikmesse CMT der „Stellplatzgipfel“ statt. Auf der Fachveranstaltung am 13. Januar 2020 in Stuttgart informieren Experten über Planung und Umsetzung eines Wohnmobilstellplatzes und zeigen dessen Vorteile zum Beispiel für die Kommunen auf. Die Betreiber von Camping- und Stellplätzen beteiligen sich mit Erfahrungsberichten. Das Forum richtet sich unter anderem an Vertreter von Städten und Gemeinden, Thermal- und Freizeitbädern sowie Freizeitparks.

Michael Hörrmann, Geschäftsführer von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, erklärt: „Kurzzeitstellplätze helfen, die lohnende Zielgruppe der Wohnmobilreisenden wirkungsvoll anzusprechen. Sie besitzen darüber hinaus erhebliches kommunikatives Potenzial für eine verbesserte Sichtbarkeit unseres kulturtouristischen Angebotes.“ Den konkreten Nutzen der Veranstaltung für seine Einrichtung beschreibt Hörrmann so: „Der Stellplatzgipfel vermittelte uns die notwendigen Fakten, Kontakte und Partner für die weitere Planung.“ – Informationen zur Veranstaltung und zum Programm