Weite Spanne beim Aufschlag für Kommunen

Kalkulation: Der Spread ist abhängig von der Laufzeit des Darlehens. Steigt sie, geht auch der Aufschlag der Banken nach oben. Das ist eine Erkenntnis des „Zinsmonitors“. - Foto: Wolfilser/Adobe Stock

Das Projekt „Zinsmonitor“ ist gut gestartet. Die Analyse der bisher betrachteten Kreditabschlüsse ergibt bereits erstes nützliches Wissen für die künftige Ausschreibung des Darlehensbedarfs. Weitere Erkenntnisse bringen die Zeit und die Austauschzirkel, an denen sich Teilnehmerkommunen beteiligen können.

Liegen wir mit den Konditionen für unsere Darlehen richtig, also: zahlen wir nicht zu viel Zinsen? Auf diese Frage gibt der „Zinsmonitor“ Antwort, den der gemeinderat, die TU Chemnitz und Venbert Consulting aus Berlin im Oktober vergangenen Jahres initiierten. Mittlerweile haben rund 40 Kommunen Kreditabschlüsse gemeldet. Diese wurden auf den Markteinstandszins und den Spread analysiert. Jede Kommune erhielt vom Projektbüro ihre individuellen Berechnungsergebnisse und konnte die eigenen Kreditabschlüsse mit denen der anderen Teilnehmer vergleichen.

Auch wenn die Vergleichsbasis noch nicht repräsentativ ist, lassen sich aus der Analyse erste Tendenzen ableiten: Der Spread ist abhängig von der Kreditlaufzeit. Das heißt: Nicht nur der Einstandszins ist bei längeren Laufzeiten der Zinsstrukturkurve höher – auch der Aufschlag der Banken steigt mehr oder weniger synchron mit der Laufzeit. Die Spreads sind von 2017 auf 2018 um rund zehn Basispunkte gefallen (annähernd parallel für alle Laufzeiten). Die Spreads der analysierten Kreditabschlüsse liegen bei vergleichbaren Laufzeiten um bis zu 30 Basispunkte auseinander. Validere Aussagen werden in den kommenden Monaten möglich sein, denn der Datenpool wächst täglich.

Neu: Austauschzirkel für Teilnehmer

In den Gesprächen mit den bisherigen Teilnehmern zeigte sich, dass insbesondere ein Austausch der Kommunen untereinander die Ergebnisse noch einmal aufwerten würde, weil sich dann auch der regionale Blick öffnet. Vor diesem Hintergrund bietet Venbert Consulting allen Teilnehmerkommunen die Möglichkeit, sich an Austauschzirkeln zu beteiligen, bei denen die anonymisierten Erkenntnisse im Detail vorgestellt werden und wo im vertraulichen Rahmen die Ergebnisse abgeglichen und diskutiert werden können.

Start ist im April in Niedersachsen, folgen werden die nördlichen Bundesländer. Die Teilnahme an einem ersten Austausch ist abgesehen von einem Unkostenbeitrag kostenlos. Nähere Informationen unter anderem zu den Terminen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es beim Zinsmonitor-Büro (Tel. 0 30/21 01 83 81, E-Mail: zinsmonitor@ikf-vergleich.de). Das Austauschzirkel-Konzept hat sich bereits in den rund 20 Kommunen bewährt, mit denen es seit 2014 umgesetzt wird.

Wolfram Markus

Stimmen zum Projekt

Was sagen Teilnehmer über den „Zinsmonitor“? der gemeinderat hat kommunale Finanzverantwortliche gefragt.

Udo Dankemeier, Leiter Amt Finanzwesen der Stadt Wolfenbüttel (rd. 52.400 Einwohner, Niedersachsen) ist überzeugt vom Nutzen des Projekts: „Der Zinsmonitor ist ein interessantes Informationsinstrument zur Nachbetrachtung der eigenen Abschlüsse. Ich kann andere Kommunen nur ermuntern, sich ebenfalls zu beteiligen.“ Die für Wolfenbüttel ermittelten Ergebnisse lägen leicht über den Durchschnittswerten aller bisher analysierten Kreditabschlüsse, sagt Dankemeier, die Dateneingabe habe einfach und schnell funktioniert.

Vitali Schlee, Schuldenmanager und stellvertretender Verantwortlicher für die Finanzbuchhaltung der Stadt Bünde (rd. 46.400 Einwohner, Nordrhein-Westfalen) erwartet sich von den Erkenntnissen aus der Analyse der Kreditabschlüsse „eine Optimierung meiner Arbeit, das Tüpfelchen auf dem i.“ Mit Blick auf das Ergebnis für die eigenen Kreditabschlüsse meint er: „Möglicherweise müssen wir unter einem größeren Bewerberkreis ausschreiben.“