Stolz auf die gemeinsame Leistung

Bürgermeister Roland Pohlenz (re.): „Mit überregionalen Netzbetreibern hätten wir viel Zeit verloren“. Stattdessen kooperiert die Stadt Lauchhammer mit der Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft und ihrem Geschäftsführer Bernd Nitzschner (li.). - Foto: Fuchs

Die Stadt Lauchhammer und die Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft (LKG) haben den Glasfaserausbau der Kommune zu einem Erfolgsprojekt gemacht. Bürgermeister Roland Pohlenz und Geschäftsführer Bernd Nitzschner sprechen im Interview über ihren Schulterschluss, kurze Wege und die Finanzierung.

Herr Pohlenz, Herr Nitzschner, wie begann das Projekt Glasfaserstadt Lauchhammer?

Pohlenz: Der Impuls kam über ein Konzept und den Vorschlag der Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft für ein Pilotprojekt in unserem ländlichen Ortsteil Grünewalde. Die Frage lautete, ob sich die Glasfaser mit überschaubarem Aufwand ausbauen lässt und ob es gelingt, Bürger und Gewerbetreibende von einem Anschluss zu überzeugen. Nach vielen Infoaktivitäten war mit den ersten Installationen in Häusern das Eis gebrochen. Grünewalde wurde 2015 mit FTTH ausgebaut. Bei der Akzeptanz ging es Schritt für Schritt voran. Heute liegen wir bei den 600 Liegenschaften bis auf ein Haus bei 100 Prozent Anschlussquote.

Nitzschner: Als Vorleistung für die Akzeptanz der Glasfaser haben wir die Häuser im ersten Schritt kostenfrei erschlossen. Nach dem Bau von Trassen quer durch das Stadtgebiet haben wir die Glasfasern gleich bis in die Häuser hinein verlegt. Bei den Verträgen ging es schnell voran, als sich die Vorteile der Glasfaser rasch im Ortsteil herumsprachen. Neben bis zu garantierten 200 Mbit/s schnellen Diensten und Telefonie nutzen unsere Privatkunden verstärkt TV-Dienste. Hier hat uns die hohe Nachfrage positiv überrascht, denn viele Haushalte setzten zuvor auf Satelliten-TV.

Wie ging es weiter?

Pohlenz: Nach der positiven Resonanz auf dieses Pilotprojekt begann 2016 der inzwischen abgeschlossene Ausbau in Kleinleipisch, Kostebrau, Teilen von Lauchhammer-West sowie unserer drei Industrie- und Gewerbegebiete. Dabei wurden bisher rund 1200 Liegenschaften angebunden und mehr als 250 Kilometer Leerrohre verlegt. Unsere Kleinstadt Lauchhammer ist in der Fläche riesengroß. Allein unser Straßennetz erstreckt sich über 160 Kilometer. Aktuell decken wir mit der Glasfaser etwa 25 Prozent der gesamten Wohngebietsfläche in unserer Kommune ab. Und der Ausbau schreitet stetig voran.

Nitzschner: Die Take-up-Rate liegt über alle Ausbaugebiete hinweg gesehen bei über 65 Prozent. Noch wichtiger ist das Signal als Leuchtturmprojekt. Wir bauen in Lauchhammer weiter aus und verzeichnen hohes Interesse für die Glasfaser in vielen Nachbarkommunen.

Warum ist die Glasfaser so wichtig für Ihre Kommune?

Pohlenz: Lauchhammer liegt nördlich von Dresden im Lausitzer Seenland und hat eine direkte Anbindung an die A13. Wir setzen uns seit Jahren für unsere Zukunftsfähigkeit und Funktion als wichtiger Industrie- und Gewerbestandort an den Verkehrsachsen Paris–Warschau und Berlin–Prag–Wien ein. Für uns ist es elementar, Unternehmen und Investoren zu gewinnen, die bei uns langfristig Arbeitsplätze schaffen. Daher sind wir nicht nur bei der Glasfaser in Vorleistung getreten. Bei uns erhalten Industrieunternehmen und Gewerbetreibende aus dem Stand heraus Flächen in jeder Größenordnung, die alle schon mit Straßen, Gas, Wasser, Strom und natürlich Glasfaser erschlossen sind.

Wie hoch waren die bisherigen Investitionen und wer hat das Projekt finanziert?

Nitzschner: Wir hatten zu Beginn ein Ziel: 1500 Euro beim Ausbau je Anschluss maximal. Dies ist uns gelungen. Die Investitionen für den Anschluss der fast 1200 Gebäude belaufen sich auf knapp 1,7 Millionen Euro. Wir haben mit privaten Investoren bis auf eine kleine staatliche Fördermaßnahme für Leerrohre in Grünewalde alle Investitionen zu über 95 Prozent eigenwirtschaftlich finanziert.

Was raten Sie Kommunen, die sich für die Glasfaser interessieren?

Pohlenz: Einen Schulterschluss mit Akteuren aus der Region für die Region. Alle von Beginn an einen Tisch. Die Ausbaukosten und Tiefbaumaßnahmen ließen sich nur im Rahmen halten, weil die Kommune, die LKG und die Infrastrukturanbieter vor Ort an einem Strang zogen. Ganz wichtig sind kurze Entscheidungswege. Mit überregionalen Netzbetreibern hätten wir viel Zeit verloren. Deren Entscheidungsprozesse verzögern Projekte und lassen Kosten schnell aus dem Ruder laufen. Zudem machten diese Betreiber viele Jahre beim Ausbau einen weiten Bogen um Lauchhammer. Daher sind wir stolz, es gemeinsam geschafft zu haben.

Nitzschner: Ohne die enge Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit den Partnern Mitnetz-Strom, den Wasserverband Lausitz, die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft sowie der Nutzung bestehender Synergien wäre uns der bisher erreichte Erfolg nicht gelungen.

Wie beurteilen Sie die Förderpolitik in Brandenburg?

Nitzschner: Diese ist völlig sinnfrei. Wir alle können nach wie vor nicht verstehen, dass insbesondere Brandenburg nur auf das alte Telefonkabel setzt, Ausschreibungen auf nur einen Anbieter zuschneidet und großflächig Zwischenschritte wie Vectoring fördert, statt mit privatwirtschaftlicher Unterstützung gleich konsequent auf Glasfaser zu setzen. Den Gipfel des Irrsinns erleben wir in Grünewalde. Hier überbaut die Telekom seit einigen Wochen unser Glasfasernetz und rüstet ihr altes Kupfernetz mit Vectoring auf. Ob mit staatlichen Fördergeldern oder fehlgeleiteten eigenen Finanzmitteln sei einmal dahingestellt. Eine intelligente Förderung der Glasfaser, wie sie inzwischen auch die neue Bundesregierung will, ist dies gewiss nicht.

Interview: Thomas Fuchs

Zur Person: Roland Pohlenz ist Bürgermeister der Stadt Lauchhammer (rund 15.000 Einwohner) in Brandenburg, Bernd Nitzschner ist Geschäftsführer der Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft (LKG), einem Tochterunternehmen der Lausitzer Mediengruppe in Lauchhammer