Mobilitätswende braucht Vorbildregionen mit Signalwirkung

Strom laden: Der Technologiewandel hin zu einer neuen Mobilität auf Basis erneuerbarer Energien ist weltweit in vollem Gange. Deutschland sollte den unausweichlichen Strukturwandel politisch massiv befördern. – Foto: Petair/Adobe Stock

Von der Verkehrswende ist Deutschland noch weit entfernt. Der Umbau der Mobilitätswelt darf nicht als Verwaltungsakt betrieben werden. „Wenn wir auch künftig Wertschöpfung und Wohlstand sichern wollen, müssen wir schleunigst anfangen zu handeln“, erklärt Christian Heep, Vizepräsident des Bundesverbands E-Mobilität, in seinem Statement.

Gemeinsam mit den Koordinatoren der ehemaligen vier Schaufenster Elektromobilität und dem Bundesverband Solare Mobilität hat der Bundesverbands E-Mobilität eine Allianz für die Mobilitätswende initiiert. Wir setzen uns für die Einrichtung von „regulatorischen Experimentierräumen“ ein. Dort werden in enger Zusammenarbeit von Politik, Unternehmen, Kommunen und Wissenschaft neue Mobilitätsdienstleistungen praxisnah erprobt.

So können Regionen entstehen, in denen die Mobilitätswende modelhaft vorangetrieben wird. Wir sind uns sicher, dass der Umbau der Mobilitätswelt nicht als Verwaltungsakt, sondern als mutiges Unterfangen betrieben werden muss. Wir wollen uns dabei nicht allein auf Labore in der Wissenschaft verlassen, sondern gemeinsam mit den AkteureMobilitätswende n vor Ort in den Städten und Gemeinden Vorbildregionen mit Signalwirkung kreieren.

Hierzu zählen auch die Betriebe, die ihren Mitarbeitern über ein optimiertes Flottenmanagement eine fortschrittliche, nachhaltige und wirtschaftliche Verbesserung zum klassischen Dienstwagen anbieten. Innovativen Mobilitätskonzepten gehört die Zukunft: von rein elektrischen Dienstfahrzeugen – sei es ein Elektroauto oder ein Elektrofahrrad – bis hin zu intelligent gesteuertem Carsharing.

Diese ersten Flotten stellen die Zukunft der Mobilität in den Städten dar, die verstanden haben, dass die Energie- und Mobilitätswende nicht nur aus Klimagesichtspunkten und der Gesundheitsvorsorge, sondern auch aus wirtschaftlichen, marketingstrategischen und sozialen Aspekten überzeugen kann.

Für eine insgesamt erfolgreiche Verkehrswende gilt es, die politischen und sozialgesellschaftlichen Player mitzunehmen und von der Notwendigkeit eines zielgerichteten, ambitionierten und schnellen Handelns zu überzeugen.

Aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen für eine neue Mobilität auf Bundesebene und dem anhaltenden Protektionismus der deutschen Automobilbranche sind wir von der gewünschten Verkehrswende in Deutschland leider immer noch weit entfernt. Anstatt durch klare politische Vorgaben notwendige Innovationen in der deutschen Auto- und Zulieferindustrie auszulösen und den unausweichlichen Strukturwandel politisch massiv zu befördern, wird über die Aufweichung von Umweltschutzvorgaben verfügt und eine Dieselumrüstung vorangetrieben, die in ihrer tatsächlichen Auswirkung absurd ist.

Der Technologiewandel hin zu einer neuen Mobilität auf Basis erneuerbarer Energien ist jedoch weltweit bereits in vollem Gange. Wenn wir auch künftig Wertschöpfung und Wohlstand sichern wollen, müssen wir schleunigst anfangen zu handeln.

So ist es unumgänglich, bereits jetzt langfristige Maßnahmen einzuleiten, um unsere Mobilität bis 2050 auf emissionsarme Verkehrsträger umgestellt zu haben, so wie es das Pariser Klimaschutzabkommen vorsieht. Bei einer Fahrzeuglebensdauer von bis zu 20 Jahren bedeutet das, dass wir spätestens ab 2030 keine Verbrenner mehr zulassen dürfen.

Zudem muss klar sein, dass die Umstellung auf Elektrofahrzeuge auch Zweiräder, Busse (Retrofit) und andere Verkehrsträger betreffen muss. Nur in einem intermodalen Ansatz werden wir erfolgreich eine saubere, leise und nachhaltige neue Mobilität auf Basis erneuerbarer Energien umsetzen können.

Elektroautos sollten nur als ein Baustein in einer intermodalen Mobilitätskette verstanden werden, die verschiedene Verkehrsträger sinnvoll miteinander verknüpft und Nutzern eine komfortable Kombinierung mehrerer Verkehrsmitteln ermöglicht. Neben der Förderung der Elektromobilität im Pkw- und Zweiradbereich ist hier neben Carsharing-Konzepten auch der öfentliche Nahverkehr, die Mikromobilität und die Transportlogistik entscheidend.

Christian Heep

Der Autor
Christian Heep ist Vizepräsident des Bundesverbands E-Mobilität (BEM) in Berlin