Keine Chance für Müll und Schmutz

„Ekelkleber“ am Stiefel: Mit Kaugummiresten übersäte Wegeoberflächen sind ein hygienisches Problem. Neue technische Verfahren versprechen eine schnelle und wirtschaftliche Reinigung. - Foto: Animaflora Picsstock/Adobe Stock

Die Verunreinigung der Städte hat in erschreckendem Maß zugenommen. Weggeworfene Getränkebecher und ausgespuckte Kaugummis gehören zum typischen Bild. Den Kampf gegen die Verwahrlosung des Urbanen unterstützen Lösungen, mit denen Littering und Verschmutzungen beizukommen ist.

Durchgekatschte Kaugummis auf Wegen und Plätzen in den Innenstädten sind eklig und unansehnlich. Die Beseitigung lässt sich von den Mitarbeitern des Bauhofes nicht eben mal so bei der täglichen Reinigungstour erledigen. Denn das konventionelle „Werkzeug“ der Saubermänner in Orange kapituliert vor den bombenfest an den Oberflächen haftenden Ekelklebern. Und so muss bei der Stadtreinigung auf eigens für die Kaugummientfernung entwickelte Verfahren zurückgegriffen werden.

Die Firma Jay-Cool aus Gemmingen beispielsweise geht Kaugummiresten per Wasserdampf und einem biologisch abbaubaren Spezialmittel zu Leibe. Dabei wird der Kaugummi vollständig zersetzt. Ecogum aus dem schweizerischen Interlaken mit deutscher Niederlassung in Bonn kombiniert einen Injektor für das Lösemittel, Dampflanze und schnell rotierende Bürste in einem Gerät für eine punktgenaue Entfernung. Anschließend muss noch der Besen ran oder die Kehrmaschine für das Beseitigen der vom Belag abgelösten Kaugummireste.

Die Problemlösung gleich im größeren Stil und mit recht hohem Tempo verspricht ein von Reinex aus dem thüringischen Greiz angebotenes Vorbaugerät für Geräteträger. Rotierende Düsenteller sprühen heißes Wasser mit Hochdruck auf die zu behandelnden Flächen, etwa 500 Quadratmeter „kaugummigepflasterten“ Belags lassen sich damit pro Tag reinigen. Quasi nebenher entfernt die Maschine in der Innenstadt auch alle anderen Verschmutzungen, etwa Essensreste oder Abrieb von den Reifen der Lieferfahrzeuge.

An das Kaugummiproblem kann auch schon „vorbeugend“ herangegangen werden: mit der Androhung empfindlicher Geldbußen, wie es immer mehr Kommunen tun. Wer etwa in Mannheim in der neu gestalteten Einkaufsmeile „Planken“ einen Kaugummi ausspuckt, muss 100 Euro Strafe zahlen.

Ohne Druck kann es auch funktionieren, mit dem Versuch, die Vernunft in Verbindung mit dem menschlichen Spieltrieb anzusprechen. Beides wird von der im badischen Mosbach entwickelten patentierten Gum-Wall bedient. Die Idee: Man schaffe eine Gelegenheit, die Menschen animiert, ihren Kaugummi sauber zu entsorgen. Bei der „Gummi-Wand“ handelt es sich um flache, farbenfrohe Metallbehälter im Aussehen überdimensionaler Briefkästen. Sie werden mit auswechselbaren Blättern bestückt, die viele bunte Emoticons zeigen. Auf die Smileys soll der Kaugummi gedrückt werden. Ist ein Blatt voll, wird es von der Stadtreinigung entnommen und entsorgt. „Gum Walls“ stehen schon unter anderem in Frankfurt, Gelsenkirchen, Duisburg, Moers und Bonn sowie bei der Deutschen Bahn und am Flughafen Stuttgart.

Weg mit dem Wildkraut!

Wenn entlang der Wege und Straßen Wildkraut munter wuchert, entsteht schnell der Eindruck der Verwahrlosung des öffentlichen Raums. Und weil das Quartier eh schon ungepflegt ist, so denkt mancher, ist im Rinnstein ja auch der leere Coffee-to-go-Becher oder die Burger-Box „gut aufgehoben“. Also heißt es für die Stadtreinigung, den Anfängen zu wehren und unerwünschte Kräutlein an der massenhaften Vermehrung zu hindern.

Das geht effektiv auch ohne die chemische Keule, deren Einsatz auf öffentlichen Flächen ja sowieso verboten ist. Heißluftanwendung und Abflämmen mit der Gaslanze oder das Zerschneiden mit sich schnell drehenden Messern und die Entfernung mit rotierenden Metallbürsten als mechanische Verfahren sind bekannte Methoden.

Doch nicht jede passt für jede Oberfläche. Schließlich soll’s dem Wildkraut an den Kragen gehen und nicht zusätzlich dem edlem Plattenbelag in der Innenstadt. Gleichermaßen schonend für Umwelt und Material sind Lösungen, die auf Heißwasserbasis arbeiten. Bei dem Verfahren von Dynajet geht der Anwender mit 95 Grad und 350 bar Druck aus dem Hochdruckreiniger gegen den unerwünschten Bewuchs vor. Die Hitze schädigt die Pflanzen bis hinunter zur Wurzel, sie sterben nach kurzer Zeit ab. Eine schnelle und effiziente Bearbeitung großer Flächen macht der einen halben Meter breite Düsenbalken möglich. Und wenn die Wildkräuter entfernt sind, schreitet der Bauhoftrupp zur Entfernung von Kaugummiresten oder entfernt Farbschmierereien von kommunalen Gebäuden. Denn auch das kann das System des Nürtinger Unternehmens.

Iprotech aus Iserlohn hat das HWS-System („HeissWasserSchaum“) entwickelt und patentieren lassen. Es arbeitet mit Heißwasser und einem Schaum auf biologischer Basis, der, auf den Wildkrautbewuchs aufgebracht, als Wärmedämmung fungiert. Die hohe Temperatur des Wassers kann so länger auf die Pflanzen einwirken, die Zellstruktur wird zuverlässig und nachhaltig zerstört. Der Schaum aus milden Tensiden selbst löst sich laut Angaben des Unternehmens nach kurzer Zeit rückstandsfrei auf.

Die Stadt sauber und attraktiv zu halten, auch bei schmalem Budget, ist also möglich. Die Konzepte, Verfahren und Produkte, die den Bauhof und die Stadtreinigung bei dieser Aufgabe unterstützen, stehen zur Verfügung.

Wohin mit dem Hundekot?

Große Geschäfte, großer Verdruss: Hundekot in der Innenstadt, am Stadtrand und in Parks ist ein Übel, dem nur schwer beizukommen ist. Das Ordnungsamt kann nicht überall die Augen haben, wo Herrchen oder Frauchen die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht einsammeln. Und wenn bei Hundebesitzern dann doch der gute Wille gegeben ist, seinen Mitmenschen keine „Tretminen“ zuzumuten, mag im entscheidenden Augenblick die notwendige Plastiktüte nicht zur Hand sein. Dem Manne respektive der Frau kann geholfen werden, es muss lediglich die Stadtverwaltung für ein entsprechendes Beutelangebot sorgen. Dazu gibt es praktische Tütenspender wie beispielsweise die „Dogstation“ von Krüger Systeme. Auch ein Komplettsystem mit Beutelausgabe, Abfallbehälter und Aschersäule hat das Koblenzer Unternehmen im Programm. Faule Ausreden der Gassigeher und Stadtparkflaneure nach dem Muster „Hab‘ keinen Beutel für den Hundekot dabei!“ oder „Soll ich mir die Zigarettenkippe etwa in die Hosentasche stecken?“ bleiben da chancenlos.

Abkehr von Ex und Hopp

Eigentlich unvorstellbar, jedoch traurige Realität in den Städten und Gemeinden Deutschlands: Hunderttausende Einwegbecher werden täglich weggeworfen. 2,8 Milliarden sind es nach Schätzungen pro Jahr. Zuvor waren sie meist nur wenige Minuten in Verwendung – wenn der „Kaffee auf die Hand“ auf dem Weg ins Büro geschlürft oder mittags an der Imbissbude der schnelle Snack mit einem zuckerhaltigen Getränk heruntergespült wird. Bei Festen mag das „Einwegleben“ der Kunststofftrinkgefäße etwas länger sein, am Grundproblem der urbanen Vermüllung aber ändert das nichts.

Die Lösung sind Mehrwegbechersysteme. Sie bieten sich insbesondere dort an, wo Kaffee, Bier, Limonaden und Co. in großen Mengen über die Theke gehen: bei Festen, Konzerten und natürlich auch auf den städtischen Snack-Meilen. Für „sauberhafte“ Events will zum Beispiel der in Freiburg im Breisgau ansässige Anbieter von Becher-Mehrwegsystemen Cup Concept sorgen. Bedient werden Konzerte etwa von Helene Fischer, Rammstein oder AC/DC. Mit Kommunen, darunter Koblenz, Quedlinburg und Zossen, arbeitet man im Sinne der Müllreduzierung bei Stadtfesten ebenfalls zusammen und bietet dazu ein Gesamtpaket, das die Beratung etwa zu der Frage Miete oder Kauf, die Becherproduktion und den Motivdruck bis hin zur Logistik und der Reinigung umfasst.

In welchem Maße „Mehrweg“ bei großen Events die Umwelt entlastet, rechnet der Anbieter vor: Rund 600 Einwegbecher lassen sich durch einen einzigen Mehrwegbecher ersetzen, rund 100.000 von diesen bei einer großen Veranstaltung eingesetzt, spart eine Tonne Müll, die durch Einweg-Trinkgefäße zusammengekommen wären.

Klar müssen die Mehrwegbecher gereinigt werden, bevor sie wieder in den Umlauf gehen. Modernste Spültechnologie mit hoher Wirkung bei gleichzeitig geringem Wasser-, Energie- und Spülmittelverbrauch soll aber dafür sorgen, dass an dieser Stelle nicht am Ökoanspruch des Mehrwegsystems gekratzt wird.

Auf Mehrwegbecher im Coffee-to-go-Umfeld hat sich das Unternehmen Cupforcup aus Düsseldorf spezialisiert. In Kooperation mit Kaffeeanbietern entwickelte man einen Pfandbecher (aus Polypropylen), der bis zu 500 Mal wieder verwendet werden kann. Am Ende seiner Gebrauchstauglichkeit wird er zu 100 Prozent recycelt. Partner des Pfandsystems sind Cafes, Bäckereien, Tankstellen, aber auch Mensa- und Kantinenbetreiber. Dort erwerben die Kunden gegen einen Euro Pfand bei der Bestellung eines Kaffees den Becher mit und können ihn, wenn er leer ist, bei einem der teilnehmenden Betriebe zurückgeben.

Wo bei Veranstaltungen in großer Zahl Becher geleert werden, gerät die Rücknahme zur Herausforderung, wenn Pfand ausgezahlt werden soll. Schon bei mittelgroßen Stadtfesten ist dann für die Besucher Schlange stehen garantiert. Aber wer will das schon, und so wird das Pfand geopfert und die Becher landen im schlimmsten Fall in der Landschaft.

Es geht auch anders – mit Becherrücknahmeautomaten, wie sie etwa die Firma Technische Bauteile Eberle aus Ellzee bei Günzburg herstellt (). Das Besondere der unter der Marke Revecta vertriebenen Lösung: sie ist „systemoffen“, erlaubt sowohl die Rücknahme von Mehrweg- als auch die von (sortenreinen) Einwegbechern. Die Trinkgefäße werden von dem Gerät automatisch gestapelt, was enorm Platz spart und eine hohe Rücknahmekapazität bedeutet. Das Pfand kann bar, über einen Bon, per Chip oder eine Karte erstattet werden.

Wolfram Markus