Haustürkodex: Regeln für den Glasfaser-Dialog

Haustür; Glasfaser; Vertrieb
Fragen, die am besten direkt vor Ort an der Haustür besprochen werden: Warum ist Glasfaser überhaupt wichtig? Wie kann sie ins Haus gelangen, ohne die Bausubstanz zu beschädigen? Foto: Adobe Stock/.shock

Der Vermarktung an der Haustür kommt eine wichtige Rolle zu: Warum der Telekommunikationsverband VATM dabei großen Wert auf einen Kodex legt und ihn auch aus kommunaler Perspektive für wichtig hält, erklärt Geschäftsführer Frederic Ufer.

Die Bundesregierung hat das Ziel vorgegeben: Glasfaser soll bis 2030 überall verfügbar sein. Aktuell nutzen aber erst 4,2 von knapp 42 Millionen Privathaushalten einen Glasfaseranschluss (Marktstudie, Dialog Consult 2023).

Problematisch ist der Ausbau vor allem dann, wenn Straßen mehrfach aufgerissen werden. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn aufgrund von punktuell angekündigtem Doppelausbau der tatsächliche Ausbau stoppt, weil damit dem erstausbauenden Unternehmen die wirtschaftliche Grundlage für den oft flächendeckend geplanten Ausbau genommen wird.

Das größte Risiko für die Kommunen stellt aus Sicht des VATM der strategische Überbau durch die Telekom dar. Nicht ausgebaute Gebiete bleiben für Jahre abgehängt, flächendeckender Glasfaserausbau wird verschleppt, und es entsteht ein erhöhter Förderbedarf zu Lasten der Bürger und Kommunen. Es ist Aufgabe der Landes- und Bundesregierung, diese schädlichen Auswirkungen des Überbaus zu stoppen. Städte und Gemeinden können den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, indem sie Überbaufälle der Monitoringstelle der BNetzA melden.

Kommunen können über die Art der Kooperation, die sie mit den ausbauenden TK-Unternehmen vereinbaren, den Glasfaserausbau in ihrem Ort entscheidend mitgestalten. Das Gigabitbüro des Bundes hat einen Musterkooperationsvertrag ausgearbeitet – zur freiwilligen Nutzung durch die öffentliche Hand und die Telekommunikationsunternehmen. Der Mustervertrag bietet Orientierungshilfe und gleicht mit Formulierungsvorschlägen die Interessenslage zwischen Kommunen und TK-Unternehmen aus.

Letztlich gelingt ein schneller Glasfaserausbau jedoch nur mit gut informierten Bürgerinnen und Bürgern. Oft wissen sie nicht, warum ein Glasfaseranschluss sie und ihre Immobilie nachhaltig für die Zukunft rüstet. Vieles lässt sich nur individuell klären, zum Beispiel die Frage, wie die Glasfaser ins Haus gelangt, ohne die Bausubstanz in Mitleidenschaft zu ziehen. Solche praktischen Aspekte zeigen, dass Beratungsgespräche vor Ort unverzichtbar sind.

Der Haustürvertrieb ist das zentrale Instrument, um die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu erreichen. Eine erfolgreiche (Vor-)Vermarktung ist wichtig für die Kommune, die Wirtschaft und die Bürger. Denn sie entscheidet oft darüber, ob der Ausbau überhaupt beginnen kann, teure Fördermittel benötigt werden oder der Ausbau schneller eigenwirtschaftlich realisiert werden kann.

Mit guten Gesprächen fängt es an

Transparente Regeln für die Vor-Ort-Beratung sind unerlässlich, damit Bürgerinnen und Bürger nicht überrumpelt oder falsch informiert werden. Hier greift der neue Beratungskodex: Entwickelt und überwacht wird er von einem neutralen Institut, das auch für die EU-Kommission arbeitet.

Der Kodex als wirksames Instrument der Qualitätssicherung mit Prüfsiegel für verbraucherfreundlichen Haustürvertrieb unterstützt die politisch Verantwortlichen dabei, sich für ein ausbauendes Unternehmen mit höchsten Beratungsstandards zu entscheiden – und damit den Glasfaserausbau in ihren Gemeinden erfolgreich umzusetzen.

Frederic Ufer


Der Autor

Dr. Frederic Ufer ist Geschäftsführer des VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten).