Digitalisierung der Verwaltung braucht neue Qualifikationen

Tablet: Die Digitalisierung auch der öffentlichen Verwaltung erfordert Schlüsselqualifikationen wie Denken in Datenflüssen, Kollaboration und Kenntnis gängiger Softwareanwendungen. - Foto: NicoElNino/Adobe Stock

Der digitale Wandel der Verwaltung gelingt nicht alleine durch den Einsatz von IT-Lösungen. Im Raum steht ein Kulturwandel und eine Änderung im Selbst­verständnis. Es braucht Menschen, die solche Veränderungen initiieren und umsetzen können. Die Hochschule Hof bildet sie berufsbegleitend aus.

Einen großen Teil der derzeit noch unsere Wirtschaft und Verwaltung prägenden Berufe werden die heutigen Grundschüler gar nicht mehr kennenlernen, weil sie nicht mehr existieren. Ein Blick in den Job-Futuromat, ein vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung entwickeltes Expertensystem, zeigt, wie stark einzelne Berufsfelder von der Digitalisierung betroffen sind. Dies gilt nicht nur für Tätigkeiten in der Wirtschaft, sondern ebenso für die öffentliche Verwaltungen.

Dabei stellt sich die Frage, was Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung überhaupt bewirkt kann und soll. Häufig wird in diesem Kontext ins Feld geführt, dass Bürger und Unternehmen zunehmend Behördengänge digital erledigen wollen. Das ist zweifellos richtig, greift aber zu kurz. Bevor man sich als Kommune die Frage stellt, was man künftig digital anbieten will, sollte zunächst geklärt werden, welche Vision oder welche langfristigen Ziele man in Anbetracht der Megatrends demografische Entwicklung, Umweltschutz, Globalisierung, Digitalisierung und Wertewandel in der öffentlichen Verwaltung verfolgen will. In weiteren Schritten ist zu klären, mit welcher Strategie man diese Ziele erreichen will und schließlich welche Prozesse, Strukturen und Ressourcen für die Umsetzung notwendig sind.

Betrachtet man sich die relevanten Handlungsfelder Wohnen, Gemeinschaft, Arbeit, Bildung, Gesundheit und Betreuung sowie Mobilität, erkennt man die Dimension der Herausforderungen. Wie sieht die Infrastruktur für die Mobilität der Zukunft aus? Wie gestalten wir das Wohnen, um der Vereinsamung entgegen zu wirken? Wie sehen Bildungseinrichtungen der Zukunft aus? Wie organisieren wir Gesundheit und Betreuung in einer alternden Gesellschaft?

In all diese Bereiche greift die Digitalisierung mehr oder weniger stark ein und betrifft indirekt oder direkt die Kommune. Neue Formen der Arbeit und der Bildung, die den Wirkungsort stärker nach Hause verlagern, wirken sich auf die Dimensionen Wohnen, Gemeinschaft und Mobilität aus und stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen. Allerdings sind diese als Arbeitgeber auch direkt von diesen Neuerungen betroffen.

Erwartungen der Bürger an die Verwaltung

Bürger, die in agilen Strukturen zunehmend auch international vernetzt arbeiten und lernen, erwarten dies auch von der öffentlichen Verwaltung. Diese muss einerseits Antworten finden auf die Herausforderungen in den genannten Handlungsfeldern und andererseits ihre eigene Arbeitsweise diesen Bedürfnissen der Bürger anpassen. Diese Anpassung gelingt aber nicht alleine durch den Einsatz von IT-Lösungen, sondern bedeutet einen Kulturwandel und eine Änderung im Selbstverständnis vieler öffentlicher Institutionen. Um das zu bewerkstelligen braucht es Menschen, die solche Veränderungen initiieren und umsetzen können.

Das wirft die Frage nach den Kompetenzen auf, die ein solcher Wandel erfordert. Eine vom Stifterverband in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen McKinsey durchgeführte Studie teilt die künftig erforderlichen Qualifikationen in drei Blöcke ein: nicht-digitale und digitale Schlüsselqualifikationen sowie das für die Tech-Spezialisten relevante Technologiewissen. Letzteres soll hier außer Acht gelassen werden, weil es eine vergleichsweise kleine Gruppe betrifft.

Zu den für alle Mitarbeiter relevanten nicht-digitalen Schlüsselqualifikationen zählt die Studie Adaptionsfähigkeit, unternehmerisches Denken, Verständnis komplexer Systeme und agiles Management. Als digitale Schlüsselqualifikationen wurden vor allem digitales Lernen, Denken in Datenflüssen, Kollaboration, Umgang mit Daten, interagieren mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Kenntnis der gängigen Softwareanwendungen identifiziert. Legt man das zugrunde, wird klar, in welche Richtung sich die Qualifizierung der öffentlichen Verwaltung in den kommenden Jahren entwickeln muss.

Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich die für die Transformation notwendigen Qualifikationen durch Neueinstellungen einkaufen lassen. Erstens gibt es das Angebot derzeit gar nicht, zumindest nicht zu dem Preis, den die öffentliche Hand in der Lage ist zu bezahlen. Zweitens arbeiten über vier Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst, die nicht alle innerhalb der kommenden Jahre in den Ruhestand gehen. Diese werden also den Prozess maßgeblich gestalten und tragen müssen.

Berufsbegleitender Bachelor Digitale Verwaltung

Aus diesen Erkenntnissen heraus hat die Hochschule Hof gemeinsam mit den Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien in Bayern den berufsbegleitenden Bachelor Digitale Verwaltung entwickelt. Basis der Konzeption war die zitierte Studie des Stifterverbands. Das Programm beinhaltet Blöcke von Modulen, die vor allem auf die Vermittlung von Strategie-, System- und Prozessverständnis, Führungs- und Sozialkompetenz und IT abzielen. Daneben spielen auch noch Fachkompetenzen beispielsweise in den Bereichen Personalwesen, Finanzen, Besteuerung, Controlling und Beschaffung eine Rolle. Im Bereich der IT stehen alleine 16 Module zur Auswahl.

Das mit den IT-Modulen verfolgte Ziel ist es explizit nicht, die Teilnehmer zu Programmierern auszubilden, sondern ihnen ein tieferes Verständnis für die jeweilige Technologie und deren Einsatzgebiete, aber auch Grenzen zu vermitteln. Zu diesen Grenzen gehören neben der Datensicherheit und dem Datenschutz auch ethische Fragen.

Der Studiengang wird aktuell von rund 70 Prozent beruflich Qualifizierten besucht. Das sind Studierende, die über kein Abitur oder Fachabitur verfügen, sondern eine einschlägige Ausbildung in der Verwaltung und eine anschließende fachgebundene mindestens dreijährige Berufserfahrung verfügen. Für diese Mitarbeiter bietet das Bachelorstudium die Möglichkeit des Aufstiegs und eröffnet zudem die Option zu einem späteren Zeitpunkt auch noch ein Masterstudium anzuschließen. Für diejenigen, denen das auf vier Jahre ausgelegte Studium zu lange ist, bietet sich die Möglichkeit, nach fünf Semestern einen Abschluss zum Betriebswirt (VWA) zu erlangen oder durch das erfolgreiche Ablegen von sechs Modulen ein Hochschulzertifikat zu erwerben.

Thomas Meuche

Der Autor
Prof. Dr. Thomas Meuche leitet die berufsbegleitende Bachelorstudiengänge Digitale Verwaltung und Digitale Wirtschaft der Hochschule Hof