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Der Gebäudebestand in Baden-Württemberg ist weit mehr als eine Ansammlung von Bauwerken, er ist eine riesige Rohstoffreserve. Beton, Stahl, Holz, Ziegel oder technische Anlagen: In unseren Städten lagern Millionen Tonnen wertvoller Materialien, deren Wiederverwendung angesichts steigender Baukosten, knapper Rohstoffe und ambitionierter Klimaziele immer mehr an Bedeutung gewinnt. Urban Mining, die Rückgewinnung und Wiedernutzung von Materialien aus bestehenden Gebäuden, wird damit zur zentralen Schlüsselaufgabe für Kommunen.

Das Gebäudematerialkataster für Baden-Württemberg – ein bundesweit einzigartiges Vorhaben
Um die Rohstoffpotenziale des Bestands sichtbar zu machen, haben Madaster und EPEA – Part of Drees & Sommer im Rahmen des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ ein Projekt umgesetzt, das dem Bundesland völlig neue Möglichkeiten eröffnet: das Gebäudematerialkataster für Baden-Württemberg.
Zentrale Grundlage ist der von Madaster und EPEA entwickelte Urban Mining Screener (UMS). Auf Basis weniger Angaben – etwa zu Standort, Baujahr, Gebäudetyp und BGF/BRI – liefert das digitale Tool präzise Hochrechnungen zu Materialmengen, CO₂-Emissionen und Wiederverwendungspotenziale einzelner Gebäude bis hin zu ganzen Städten.
„Das Besondere am digitalen Werkzeug “Urban Mining Screener” ist, dass nur wenige Daten für eine statistische Hochrechnung notwendig sind, um Informationen über die Rohstoffe im Gebäudebestand zu bekommen. Wenig Aufwand, hohe Genauigkeit!“
Dr. Patrick Bergmann, Managing Director, Madaster
Durch die Analyse von 2,6 Millionen Gebäuden in Baden-Württemberg entstand erstmals eine Materialbilanz für das gesamte Bundesland. Sie zeigt:
- welche Stoffströme im Bestand lagern,
- wie groß die verfügbaren Rohstoffreserven sind,
- Welche CO₂-Mengen im Tragwerk gebunden sind und
- wo regionale Sekundärrohstoffzentren entstehen können.

Die gewonnenen Daten werden direkt in die parallel laufenden Projekte des Landes integriert, etwa bei der Auswahl geeigneter Standorte für regionale Sekundärrohstoffzentren. Gleichzeitig lassen sich alle Informationen in kommunale GIS-Systeme übertragen und damit unmittelbar für die Planung, die Ausschreibung und Entscheidungsprozesse nutzen. Städte und Gemeinden gewinnen auf diese Weise Transparenz über ihre Ressourcenbestände, Planungssicherheit für anstehende Bau-, Sanierungs- und Rückbauvorhaben und eine deutlich stärkere Handlungsfähigkeit bei der Umsetzung ihrer Klimastrategien.
Schnittstelle zwischen Wissen und Steuerung
Die Bedeutung eines Gebäudematerialkatasters reicht damit weit über eine rein technische Datensammlung hinaus. Es wird zur Schnittstelle zwischen Wissen und Steuerung und verbindet Bau- und Ressourcenpolitik, Klimaschutz, Stadt- und Infrastrukturplanung sowie die operative Praxis von Planung, Bauwirtschaft und hochwertigem Recycling.
„In Baden-Württemberg wollen wir Sekundärrohstoffzentren etablieren, die bis heute kaum vorhanden sind. Diese Zentren bereiten Materialien auf und bereiten sie vor für den Wiedereinsatz. Wo diese Zentren rein logistisch angeordnet würden, ist natürlich dort, wo in der Zukunft viele Materialströme aus dem Bestand ankommen werden. Und genau diese Antwort liefert das Gebäudematerialkataster.”
Dr. Peter Mösle, Gesellschafter und Senior Executive, EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer
Industrial Re-Use: Vom Altmaterial zum Industriegut
Die transparente Darstellung des Materialdepots ist nur der erste Schritt im Urban Mining. Basierend auf einer guten Informationsdichte können die Rohstoffe und Materialien nun effizient und zielgerichtet im Kreislauf gehalten werden. Um dies in nennenswertem Umfang umzusetzen, ist es entscheidend, dass die Materialien in die Industrie zurückgeführt werden: das sogenannte Industrial Re-Use. Hier entsteht derzeit eine neue Wertschöpfungskette: Hersteller prüfen, welche Bauteile aus Rückbauprojekten wirtschaftlich aufbereitet, ertüchtigt oder zu neuen Produkten weiterverarbeitet werden können. Dazu gehören beispielsweise:
- Betonbruch als hochwertiger Zuschlagstoff,
- sortenrein separierte Ziegel mit Produktqualitäten,
- Bauteile wie Türen, Fenster oder Fassadenelemente,
- Gips, Metalle oder Kunststoffe, die stofflich recycelt und erneut in der Produktion einsetzt werden.
Kommunen können die Transformation unterstützen, indem sie das Materialkataster aktiv in ihre Prozesse einbinden, Materialdaten bereitstellen und diese Informationen in Projekte einfließen lassen. Dies ermöglicht klare Stoffströme, ein funktionierendes Matchmaking mit der Industrie und regionale Wertschöpfung: Materialien aus der Stadt bleiben somit in der Stadt.
Warum Urban Mining für Kommunen ein strategischer Vorteil ist
Die Vorteile liegen klar auf der Hand:
- CO₂-Reduktion, insbesondere durch Gebäude-Erhalt und gezielte Sanierung
- Ressourcensicherung und geringere Abhängigkeit von schwankenden Rohstoffmärkten
- Kostenersparnis bei Rückbau, Entsorgung und Materialzukauf
- Konsistente Datenbasis, die Sanierung und Ausschreibung effizienter macht
- Sichtbare Vorreiterrolle als nachhaltige und innovative Kommune
Gerade Städte, die Flächen entwickeln oder Bestandsquartiere transformieren, profitieren von frühzeitigen Materialanalysen: Sie können dadurch Abrisse vermeiden, Sanierungspotenziale gezielt bewerten und den Rückbau wirtschaftlicher gestalten.
Einladung an Kommunen in Deutschland
Madaster und EPEA suchen im aktuellen Projekt Kommunen, die als Praxispartner das Konzept des Urban Mining aktiv erproben und umsetzen möchten. Eingeladen sind Städte und Gemeinden, die ihre digitalen Daten einbringen und so frühzeitig wertvolle Einblicke in ihre eigene „urbane Mine“ gewinnen wollen.
„Wir wollen weg vom Gedanken, dass Materialien zu Abfall werden. Wir wollen Materialien eine Identität, einen digitalen Ausweis geben, damit Städte in Zukunft damit arbeiten und Sekundärrohstoffzentren einen Platz bekommen.”
Sarah-Caitleen Sauer, Head of Public Sector & Architecture, Madaster
Kontakt:
Madaster Germany GmbH
Bundesallee 39/40A
10717 Berlin
Tel.: 030 235962050
E-Mail: info@madaster.de
www.madaster.de

