Corona trotzen: Kultur belebt die Städte

Apollo mit Maske: Die Corona-Krise gefährdet viele Künstler in ihrer Existenz. Um das kulturelle Leben in den Kommunen zu sichern, kommt es neben Nothilfeprogrammen auf die langfristige Kulturfinanzierung an. – Foto: Stasnds/Adobe Stock

Das kulturelle Leben in Städten und Gemeinden ist zentral für unser Zusammenleben. Neben aktuellen Nothilfemaßnahmen müssen nun auch langfristige Strategien entwickelt werden, um das kulturelle Leben zu erhalten. Eine Bestandsaufnahme des Deutschen Kulturrats.

Seit Mitte März besteht keine Normalität mehr. Weder im privaten noch im öffentlichen Leben. Und natürlich auch nicht im Kulturbereich. Kultureinrichtungen mussten in allen Gemeinden und Städten ihre Pforten schließen. Veranstaltungen wurden abgesagt. Clubs machten dicht. Lesungen in Bibliotheken, Schulen oder Kitas fanden nicht statt, ebenso wenig wie außerschulische kulturelle Bildungsangebote.

Die erste Sorge galt den Künstlern sowie vielen anderen im Kulturbereich Tätigen, die ohnehin von schmalen Honoraren leben und bei denen jede fehlende Veranstaltung, jeder abgesagte Auftritt ein großes Loch in die Haushaltskasse reißt.

Viele Künstler haben sich hilfesuchend auch an den Deutschen Kulturrat gewandt. Er hat sich in die Debatten eingebracht und mit dafür gesorgt, dass der Kulturbereich bei den Maßnahmenpaketen des Bundes und der Länder im Blick ist.

Aktueller Überblick der Hilfe des Bundes und der Länder

Mit den Soforthilfeprogrammen des Bundes und einiger Länder werden Betriebsmittelzuschüsse für Soloselbstständige und Kleinunternehmen gewährt. Diese Zuschüsse können auch von Künstlern, Kulturunternehmen und -vereinen beantragt werden, sofern sie nicht überwiegend aus öffentlichen Mitteln gefördert werden. Sie sind eine erste Nothilfe. Doch wird die Corona-Pandemie nicht in wenigen Monaten zu Ende sein.

Neben der Nothilfe geht es um die Sicherung der Existenz der Kulturunternehmen, die mehr als zehn Beschäftigte haben und denen aufgrund der besonderen Struktur des Kulturbereiches Kredite wenig helfen. Hier sind ein weiteres Bundesprogramm und ergänzende Länderprogramme dringend vonnöten, um Insolvenzen und ein Wegbrechen der kulturellen Infrastruktur zu verhindern.

Weiter könnte ein Kulturinfrastrukturfonds helfen, der sowohl Kulturunternehmen, -einrichtungen als auch -vereine in den Blick nimmt. Wichtig erscheint vor allem, dass mit Mitteln aus diesem Fonds Kultur vor Ort produziert oder ermöglicht wird. Das könnten Druckkostenzuschüsse für Verlage sein, Investitionshilfen für Onlineshops oder besseres Onlinemarketing, Arbeitsstipendien für Künstler und vieles andere mehr. Vorstellbar sind auch Arbeitsstipendien für Galeristen, die es ihnen für eine bestimmte Zeit ermöglichen, ohne Druck über eine neue Ausstellung, einen Messeauftritt oder über ihre Ausrichtung nachdenken zu können.

Nachdem der Kulturbereich zuerst bei den anderen Programmen mitgedacht wurde, ist es jetzt Zeit, auf der Bundesebene ein großes Programm aufzulegen, um den Fortbestand der kulturellen Infrastruktur zu sichern. Dazu gehört auch, die Kulturfinanzierung für die nächsten Jahre zu sichern.

Schon jetzt ist zu hören, dass die Kommunen mit erheblichen Einbrüchen in den Gewerbesteuereinnahmen rechnen müssen. Auch andere Steuereinnahmen werden wohl leider zurückgehen. Weiter müssen die Schulden für die großen Programme, die jetzt aus der Not helfen, getilgt werden. Die finanziellen Spielräume werden voraussichtlich in Bund, Ländern und Kommunen enger werden.

Verlässlicher Partner in der Kulturfinanzierung

Es ist darum umso wichtiger, dass die Kommunen ein verlässlicher Partner in der Kulturfinanzierung bleiben. Sie sichern die Infrastruktur. Das kulturelle Leben in den zahlreichen Städten und Kreisen, in großen und kleinen, mit und ohne bundesweites Echo, das ist zentral für unser Zusammenleben.

Schon nach wenigen Wochen der Ausgangsbeschränkungen haben wir den Austausch miteinander vermisst, den gemeinsamen Besuch in einer Bibliothek, das Musizieren zusammen in der Musikschule, das Theater, die soziokulturellen Zentren, kommunalen Galerien und viele andere Einrichtungen mehr.

Zwar sind viele dieser Orte inzwischen wieder geöffnet, was wichtig und gut ist. Der echte Austausch und das Miteinander kann aus guten Gründen derzeit aber noch nicht stattfinden. Darüber hinaus sind sie Ankerpunkte und Auftraggeber für freiberufliche Künstler.

Wenn diese Orte wegbrechen oder infrage gestellt würden, entsteht schnell eine zweite Welle an Notrufen von Künstlern sowie anderen im Kulturbereich freiberuflich Tätigen. Um diesem vorzubeugen, muss bei der Haushaltsaufstellung der Kulturetat gesichert werden. Die Kulturorte sind unverzichtbar für den Kulturbereich wie auch für ein lebenswertes Leben in der Stadt.

Die Kommunen sind die wichtigsten Räume der Kultur in Deutschland. Nachdem Bibliotheken als Erste wieder öffnen durften und im zweiten Schritt Museen, Musikschulen und andere Kultureinrichtungen mit Hygienekonzepten öffnen können, sind nun die Theater und Kinos dran. Wenn die Kultur in den Städten und Gemeinden wiedererwacht, kehrt das Leben zurück. Dann werden wir dem Coronavirus mit Kultur trotzen.

Olaf Zimmermann

Der Autor
Olaf Zimmermann ist Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, dem Spitzenverband der Bundeskulturverbände