Tipp, Tipp, Ticket

Fahrgast: Die Mobilitätsplattform der Zukunft umfasst ein breites Portfolio an Verkehrsmitteln und Services, kundenfreundliche Tarifstrukturen und entsprechende Vertriebskanäle. - Foto: Leungchopan/ Adobe Stock

Mobile Ticketing bringt sowohl Kunden als auch Verkehrsunternehmen Vorteile. Aber es geht um mehr als nur um den Verkauf von Fahrscheinen per App, es geht um den Einstieg in die mobile Welt der Zukunft.

Angesichts der Omnipräsenz von Smartphones – 78 Prozent der Deutschen nutzen sie bereits – ist es nur konsequent, wenn sich diese Geräte nun mehr und mehr den Anwendungsbereich Mobile Ticketing erschließen. Das umfasst grundsätzlich den Verkauf aller Arten von Eintrittskarten und Fahrausweisen, vor allem aber die Fahrscheine im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des Nahverkehrs hängt auch davon ab, ob und wie es ihm gelingt, in der mobilen Welt Fuß zu fassen und sich neben den Apps für Kalender, Wetterdienst oder Chat zu etablieren.

Die Vorteile des Mobile Ticketing liegen für die Kunden mehr oder weniger auf der Hand: Das Handy hat man immer dabei, eher noch als die Geldbörse. Man ist unabhängig von Verkaufsstellen oder Automaten. Mobile Ticketing funktioniert auch dann, wenn der Automat streikt. Man muss sich nicht mit Tarifstrukturen befassen, weil die entsprechenden Ticketing-Apps über die Fahrplanauskunft bereits optimierte Angebote erstellen. Das gilt auch für kompliziertere Wünsche, etwa für die Mitnahme von Begleitpersonen oder von Fahrrädern. Zudem kann man mobile Tickets auch überregional nutzen, also nicht nur im heimischen Verkehrsverbund.

Insgesamt verbessert Mobile Ticketing die Flexibilität und damit den Komfort für die Kunden. Mobile Ticketing geht deshalb über den bloßen Fahrscheinverkauf per App weit hinaus. Das zeigt sich beispielsweise an der Integration der Auskunft über Verkehrsverbindungen: Der Bedarf des Kunden, von A nach B zu kommen, kennzeichnet den Übergang des „Beförderungsfalls“ in ein ganzheitliches Mobilitätskonzept. In Konsequenz umfasst Mobile Ticketing daher auch andere Mobilitätsangebote, zum Beispiel Carsharing, Ridesharing oder die Buchung von Leihfahrrädern. Solche Leistungen können über ein und dieselbe App abgedeckt werden.

Im nächsten Schritt werden dann auch verbundene Services von der Parkplatzreservierung und Valet Parking über WLAN bis zur Gastronomie erfasst. Mobile Ticketing wird auf diese Weise zu einem Service-Gesamtpaket für die Mobilitätsbedürfnisse der Kunden.

Kurzfristige Aktionen werden möglich

Es gibt auch eine ganze Reihe von Vorteilen für Verkehrsunternehmen, sich intensiver im Mobile Ticketing zu engagieren. Der herkömmliche Ticketvertrieb ist bekanntlich höchst aufwendig. Automaten und gegebenenfalls Entwerter müssen in großer Zahl verfügbar gehalten werden. Über die Investitionen hinaus bedeuten Automaten stets einen erheblichen Wartungsaufwand. Anders beim Mobile Ticketing, hier beschafft und pflegt der Kunde das Gerät, das er ja ohnehin besitzt, letzten Endes selbst.

Auch das Bargeld-Handling ist am Automaten ein aufwendiger Vorgang. Die Geräte müssen regelmäßig gelehrt beziehungsweise mit Wechselgeld befüllt werden. Je mehr die Kunden eines Verkehrsunternehmens oder eines Verkehrsverbundes Handytickets nutzen, desto geringer sind diese Kosten. Kurzfristig werden vorhandene Automaten weniger genutzt, langfristig kann man damit ihre Zahl deutlich reduzieren.

Mobile Ticketing bietet Verkehrsunternehmen zudem die Möglichkeit, tarifliche Sonderaktionen kurzfristig aufzusetzen, Mobilitätsangebote integrieren oder Mehrwertdienste anbieten. Dafür müssen keine Automaten umgerüstet und keine Verkaufsstellen instruiert werden. Mobile Ticketing ist für Verkehrsunternehmen die wesentliche Voraussetzung für den Einsatz eines modernen Marketings.

Mobile Ticketing bietet für Verkehrsunternehmen auch mehr Transparenz und Informationen. Es stehen nun mehr Daten als nur simple Abverkaufszahlen zur Verfügung. Das Unternehmen kann so die Verkehrsströme wesentlich genauer analysieren und beispielsweise feststellen, wie viele Kunden in einem bestimmten Zeitraum bestimmte Verkehrsmittel oder Strecken nutzen; und das immer ohne aufwendige Zählaktionen. Auf Basis der Daten aus den digitalen Ticketsystemen kann man Kapazitätsanpassungen vornehmen und auch kurzfristig auf Engpässe reagieren. Entsprechende Verfahren sind zum Beispiel in der Logistik längst üblich.

Aufbau einer Mobilitätsplattform

Mobile Ticketing ist weit mehr als nur die digitale Variante des herkömmlichen Fahrscheins. Es ist vielmehr der erste Schritt zu einer Mobilitätsplattform der Zukunft. Das beinhaltet die Integration von unterschiedlichen Verkehrsmitteln – einschließlich neuer Mobilitäts- und Serviceangebote wie Carsharing oder Parken – und von alten und neuen Vertriebskanälen. Gerade hier müssen Verkehrsunternehmen ihre Kunden auf allen Kanälen der digitalen Welt erreichen. Das Ticketing darf deshalb keine Zugangsschranke bilden. Die Fahrscheine müssen an klassischen Verkaufsstellen, im Web und mobil via Smartphone uneingeschränkt verfügbar sein.

Die Mobilitätsplattform der Zukunft, wie sie beispielsweise Handyticket Deutschland bereitstellt, ist aber nicht primär unter technischen Aspekten zu sehen. Dies ist vielmehr die Voraussetzung für eine Neuorientierung auf den Kunden und seine Mobilitätsbedürfnisse. Diese Bedürfnisse spielen hier die entscheidende Rolle und nicht die Organisations- und Ablaufstrukturen des Verkehrsunternehmens. Die Erwartungen der Kunden orientieren sich heute ganz selbstverständlich an den Servicestandards, die beispielsweise die großen Online-Shops gesetzt haben. Ein vergleichbares Niveau müssen auch Verkehrsunternehmen bieten und sie müssen den Servicegedanken bei allen Mitarbeitern verankern.

Martin Timmann

Der Autor
Martin Timmann ist Geschäftsführer des auf den ÖPNV spezialisierten Softwareanbieters Hansecom in Hamburg