Kleine sind ganz groß

Außergewöhnliches Gefährt: Das Lastenfahrrad mit elektrischer Unterstützung ist zukunftsfähig.

Foto: Sortimo

Es müssen nicht immer vier Räder sein. Auch Lastenfahrräder sind mit schwerer Fracht und elektrischem Antrieb unterwegs. Genauso wie die schmalen Kommunaltransporter. Zu den kleinen, effizienten E-Fahrzeugen gesellen sich Elektroautos für den Dienstgebrauch und Transporter auf Pkw-Basis.

Die mobile Welt elektrifiziert sich, längst nicht mehr nur im privaten Umfeld mit den beliebten E-Bikes und nach und nach auch einem batterieelektrisch angetriebenen Pkw. Handel und Gewerbe haben ebenfalls ein Auge geworfen auf den vor Ort emissionsfreien Antrieb – da dürfen Rathaus und städtischer Bauhof sowie deren beauftragte Dienstleister nicht zurückstehen.
Zumal beim kommunal genutzten Elektrofahrzeug die konzeptionell bedingte eher knappe Reichweite keine Rolle spielt, sie wird wohl kaum einmal an einem Tag ausgeschöpft.
Kleine Elektrotransporter sind schon länger bekannt und auch die größeren Lieferwagen bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht stehen inzwischen elektrisch bereit. Aber was geht noch? Lassen wir die Phantasie schweifen.
Wo Dienstfahrräder im Einsatz sind, kommt das einfache E-Bike in Frage – wohl eher noch als der modische Elektroroller mit den kleinen Rädern. Richtig ernst wird es aber beim elektrischen Lastenfahrrad. Hier gilt es erst einmal zu unterscheiden zwischen dem familiengerechten Lastenfahrrad (oder sogar einem für Hundefreunde!) und einem Lastenrad für den Transport.

Riemen statt Fahrradkette

Letztere bieten eine praktisch plane Grundflächen für die Fracht bei alltagstauglichen Nutzlast- und Volumenwerten. Zum Beispiel das Lastenfahrrad ProCargo CT1 von Sortimo: Mindesttransportvolumen 1 m³ und 140 kg Nutzlast. Auf der niedrig angesetzten Plattform lässt sich eine Box montieren, auch ein Anhänger kann eingesetzt werden. Statt der üblichen Fahrradkette dient dem Dreirad ein Riemen für den Antrieb.
Die Neigetechnik der zwei Vorderräder erleichtert das Manövrieren, Scheibenbremsen verzögern das unbelastet 48 Kilogramm schwere Dreirad. Die Reichweite wird mit 40 bis 60 km angegeben. Das Ganze ist nicht billig: Rund 6000 Euro zuzüglich Aufbausysteme. Zum Trost gibt es Zuschüsse zu den Anschaffungskosten durch den Bund in Höhe von 30 Prozent (maximal 2500 Euro).
Schon mehr als 20 Jahre gibt es die kleinen, schmalen Kommunaltransporter mit elektrischem Antrieb. Einige fahren immer noch mit Bleibatterien, Lithium-Ionen sind aber die Regel. Die größeren von ihnen berühren bereits den Bereich der Geräteträger, denn auf der Kipppritsche montierte elektrisch betriebene Geräte (Laubsammler, Hochdruckreiniger) lassen sich anschließen. Die Nutzlast beträgt 1000 kg, die maximale Reichweite liegt bei 185 km (Beispiel Goupil G5, Preis 35 000 Euro).
Von der kleineren Sorte ist der erst kürzlich eingeführte Tropos Able, der 565 kg Last aufnehmen und in der Ausführung mit Lithiums-Ionen maximal 260 km weit fahren kann. Hier lässt sich die Pritsche zügig gegen einen Kastenaufbau austauschen. Der Tropos kostet rund 24 000 Euro.

Dienstwagen im Miniformat

Das Angebot von Elektro-Pkw für den Dienstgebrauch ist ebenfalls stattlich. Der günstige am Markt, wenn man nicht auf Kleinstwagen zurückgreifen will, kommt von Volkswagen. Der elektrische VW e-load up!, eine Ableitung aus der bekannten Kleinwagenbaureihe, kostet rund 23 500 Euro.
Ob es dafür auch den Umweltbonus des Staates gibt, hängt von der Rechtsform der beschaffenden Stelle ab (siehe Kasten). Der up! kommt auf eine Reichweite von 260 km, der Elektromotor leistet 61 kW. Baugleich gibt es den Seat Mii electric und den Skoda Citigo e iV, Konkurrenten sind der elektrifizierte Fiat 500, der Mini Cooper SE und der Renault Zoe.
Wenn aus dem kleinen Dienstwagen ein Transporter auf Pkw-Basis werden soll, existiert ebenfalls eine gewisse Auswahl. Nissan e-NV200, Piaggio Porter, Renault KangooZ.E. oder der VW e-Caddy von Abt gehören dazu.
Maximale Reichweiten von 74 km (Piaggio) bis 240 km (Renault) und Nutzlasten von etwa einer halben Tonne stehen zur Verfügung. Solche Fahrzeuge für Transporte aller Art sind jetzt schon auf Bauhöfen und in kommunalen Unternehmen stark vertreten, hier ließe sich ein Umstieg sicherlich schnell auf Strom umsetzen.
Damit sind noch längst nicht alle Möglichkeiten elektrischer Fahrzeugalternativen aufgezeigt. Die Transporter bis 3,5 Tonnen (siehe „der gemeinderat“, Ausgabe 7-8/20) spielen eine wichtige Rolle, Lkw bis zwölf oder 16 Tonnen Gesamtgewicht stehen kurz vor der Markteinführung, elektrisch angetriebene Kehrmaschinen gibt es bereits, Abfallsammelfahrzeuge fahren ganz oder teilweise elektrisch – die Elektrifizierung der Antriebe erfüllt immer mehr die Ansprüche der Zeit.

Matthias Röcke