„Unsere Biogas-Anlage an einer Schule stößt in ganz Uganda auf Interesse“

Seit 2020 sind der Landkreis Gießen in Mittelhessen und die ugandische Stadt Mubende durch eine kommunale Klimapartnerschaft verbunden. Was als digitaler Austausch begann, ist inzwischen zu einer lebendigen Partnerschaft geworden.

Biogas Uganda
Landrätin Anita Schneider bei der Besichtigung der Biogasanlage in Mubende, Uganda. Foto: Proscovia Nabakka

Welche Vorteile eine internationale Klimapartnerschaft bietet, erläutern Ronja Grimmer aus dem Landkreis Gießen und Joseph Kiwanuka aus der Stadt Mubende in Uganda im Interview.

Wie profitieren Sie voneinander?

Joseph Kiwanuka: Durch die Partnerschaft haben wir neue Perspektiven in den Bereichen Klimaschutz und Soziales kennengelernt sowie Erfahrungen und Ideen ausgetauscht. Gemeinsam mit dem Landkreis Gießen konnten wir in Mubende unter anderem Solarlampen für Haushalte ohne Strom bereitstellen und Straßenlaternen mit Solarbetrieb installieren. Dadurch können Kinder abends lernen und Menschen fühlen sich draußen sicherer, wodurch wiederum kleine Geschäfte vom abendlichen Straßenverkauf profitieren.

Ein weiteres gemeinsames Projekt an einer Schule in Mubende ist die Umwandlung von Biomüll in Biogas, mit dem künftig das Mittagessen für 2600 Schülerinnen und Schüler gekocht werden soll. Unser Modell stößt inzwischen in ganz Uganda auf Interesse.

Ronja Grimmer: Wir haben gelernt, dass es keine Blaupause für Projekte gibt. Was an einem Ort funktioniert, muss nicht automatisch woanders funktionieren. Außerdem haben wir gesehen, dass oft schon einfache Lösungen viel bewirken. Spannend für uns ist auch, wie Mubende junge Menschen an städtischen Entscheidungen beteiligt.

Hat sich die Partnerschaft durch Ihre gemeinsamen Projekte verändert?

Grimmer: Wir haben uns zunächst auf das Thema Klima konzentriert, inzwischen führen wir Projekte in ganz unterschiedlichen Bereichen durch. Meistens läuft die Zusammenarbeit sehr gut, doch wenn es einmal Schwierigkeiten gibt, können wir miteinander reden. All das basiert auf Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist im Laufe der sechs Jahre immer stärker geworden.

Kiwanuka: Dieses gegenseitige Vertrauen und die gemeinsamen Maßnahmen haben uns in Mubende dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Die Partnerschaft hat sich außerdem auf Schulen ausgeweitet: Seit 2025 entsteht zwischen einer Schule in Lollar im Landkreis Gießen und einer Schule in Mubende eine Schulpartnerschaft.

Was war für Sie ein besonderer Erfolgsmoment?

Kiwanuka: Die Beteiligung und Unterstützung der Bevölkerung beim Solarlampen-Projekt.

Biogas Uganda
Dank Solarlampe können Kinder in diesem Haus in Mubende seit 2022 auch nach Einbruch der Dunkelheit lernen. Projekt: Sonne für Bildung / Foto: Asaph Kasujja

Grimmer: Das war, als die von uns entsandte Expertin Proscovia Nabakka im Juni 2025 ihre Arbeit in Mubende aufnahm. Gefördert durch den Fachkräftefonds für kommunale Partnerschaften weltweit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, sensibilisiert und berät sie dort inzwischen zu Teenager-Schwangerschaften und den Herausforderungen junger Mütter.

Biogas Uganda
Proscovia Nabakka, Fachkraft in Mubende, und Ronja Grimmer, Koordinatorin im Landkreis Gießen. Foto: Sylivia Mukasa

Interesse geweckt?

Förderung, Beratung, Begleitung und Vernetzung bietet die SKEW von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Kontakt:

Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
Tel.: +49 228 20 717-2670
E-Mail: info@service-eine-welt.de
www.service-eine-welt.de